Architektur-Reportage: Ganz schön schlau

Ein engagiertes Bauherrenpaar verwandelte ein in die Jahre gekommenes Gebäude in ein fast energieautarkes Traumhaus. Zu Besuch in Innerberg, dem Ort mit dem vielleicht schönsten Weitblick im Kanton Bern.

(mei) Es ist eine Geschichte wie aus dem Märchen: Als Nadine Bucher und ihr Partner das zum Verkauf stehende, abseits am Waldrand gelegene Haus mit Baujahr 1974 in Innerberg betraten, wussten sie bereits im Eingang, dass sie es für sich und seine beiden Kinder kaufen wollten. Das pyramidenförmige Haus verströmte die richtige Atmosphäre und lag einsam genug, so dass das Paar seiner Passion, dem Holzbildhauen mit Motorsäge, ungestört und vor allem ohne andere zu stören würde nachgehen können. Eine Hürde bildete vorerst allerdings der Verkaufspreis, da das Angebot des Paares das tiefste von allen war, die abgegeben wurden. Nadine Bucher liess sich davon nicht beirren und schrieb der Eigentümerin einen Brief, in der sie ihr skizzierte, was sie aus der Liegenschaft zu machen gedachte. Dieser gefielen ihre Ideen, und der Verkauf kam zustande.

Viele Eigenleistungen

Danach war drinnen und draussen erst einmal viel Arbeit angesagt, bei der das Bauherrenpaar seinen Familien- und Freundeskreis miteinspannte. Die Mühe lohnte sich, denn bereits wenige Monate später waren das Haus und sein Garten kaum mehr wiederzuerkennen: Wo einst Unkraut wucherte, erblühten ein Duft-, Kräuter- und Gemüsegarten, die den ebenfalls neu hinzugekommenen Bienen reichlich Nahrung boten, so dass die kleine Honigproduktion der Bauherrin ihren Anfang nehmen konnte.

Von der Küche sind es nur ein paar Schritte zur Terrasse.
Von der Küche sind es nur ein paar Schritte zur Terrasse.

Drinnen wurde umgebaut und gestrichen, bis Küche, Bäder, Wände und Decken in neuem Glanz erstrahlten. Drei Jahre später war auch die energetische Überholung komplett: Fenster und Dach wurden saniert, so dass das Gebäude nun dem Minergie-P-Standard entspricht. Als besonders wirksame Massnahmen für die Verringerung des Energieverbrauchs erwiesen sich die Isolation der Aussenhülle sowie die Dreifachverglasung der Panoramafenster, die viel Tageslicht ins Gebäudeinnere bringen.

Ein Oblicht bringt Helligkeit ins geräumige Bad.
Ein Oblicht bringt Helligkeit ins geräumige Bad.

Strom auch für Mobilität

Das ökologisch engagierte Bauherrenpaar liess auf der nach Süden geneigten Dachfläche eine Photovoltaikanlage einbauen. Sie versorgt nicht nur die Wärmepumpe und die Komfortlüftung mit dem nötigen Strom, sondern auch alle anderen Haushaltsgeräte inkl. eBikes. In Zukunft soll sogar ein Elektroauto mit dem Strom betrieben werden, den das Haus generiert.

Das untere Geschoss bietet viel Platz zum Wohnen und weite Blicke nach draussen.
Das untere Geschoss bietet viel Platz zum Wohnen und weite Blicke nach draussen.

Ins Dach integriert sind überdies solarthermische Elemente für die Heizung und das Warmwasser, die ca. einen Drittel des Energiebedarfs decken. Ob sich diese Investitionen wirtschaftlich rechnen, haben Nadine Bucher und ihr Partner nicht durchkalkuliert: «Für uns war klar, dass wir eine möglichst umweltverträgliche Lösung finden wollten.» A propos Blick: Das hoch am Hang gelegene Gebäude bietet eine einmalige Panoramasicht, die von der Alpenkette bis zum Murtensee reicht. Für sein Engagement in Sachen Energieeffizienz erhielt das Paar 2012 den Norman Foster Solar Award in der Kategorie Plusenergiebauten.

Die Photovoltaik-Anlage, die Elemente für die Solarthermie und die Fenster sind unauffällig ins Dach integriert.
Die Photovoltaik-Anlage, die Elemente für die Solarthermie und die Fenster sind unauffällig ins Dach integriert.

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