Architektur-Reportage: Holzbau in der City

Die zwei sechs- respektive siebengeschossigen Stadthäuser bieten hochwertigen Raum zum Wohnen und Arbeiten und sind in Bezug auf Energieeffizienz und Ökologie vorbildlich.

Die zwei sechs- respektive siebengeschossigen Stadthäuser bieten hochwertigen Raum zum Wohnen und Arbeiten.
Die zwei sechs- respektive siebengeschossigen Stadthäuser bieten hochwertigen Raum zum Wohnen und Arbeiten.
Die Fassade an der Mühlebachstrasse besteht aus kleinteiligen, anthrazitfarbenen Naturschieferplatten, ebenso die Aussenhülle des Gebäudes an der Hufgasse.
Die Fassade an der Mühlebachstrasse besteht aus kleinteiligen, anthrazitfarbenen Naturschieferplatten, ebenso die Aussenhülle des Gebäudes an der Hufgasse.

(jgl) Wohnen und Arbeiten direkt neben dem Bahnhof Stadelhofen? Und das in einem mehrgeschossigen Holzbau, der höchste Ansprüche an Energieeffizienz und Ökologie erfüllt? Im vergangenen Frühling sind zwei Neubauten fertig geworden, die genau dies bieten. Das Grundstück zwischen Mühlebachstrasse und Hufgasse befand sich seit Generationen in Familienbesitz. Eines der Gebäude darauf diente zuletzt als Proberaum des in Gehdistanz gelegenen Opernhauses. Als sich die Frage stellte, was mit den Liegenschaften geschehen sollte, war für die Eigentümerinnen vom Verkauf bis zur Sanierung der Gebäude alles denkbar. Schliesslich entschieden sie sich, selber neu zu bauen. Klar war dabei, dass ein Projekt an dieser zentralen Lage mitten in Zürich mit Blick auf künftige Generationen nachhaltig und formal überzeugend erstellt werden sollte. Architekt Beat Kämpfen, der grosse Erfahrung im energieeffizienten Bauen hat, entwickelte zusammen mit seinem Team einen Entwurf, der mit zwei eigenständigen Baukörpern auf die städtebauliche Situation reagiert. Während das Haus an der Mühlebachstrasse als rechteckiger Bau eine Gebäudelücke schliesst, bildet das Haus an der Hufgasse den Abschluss einer Zeile mit Häusern aus den 1940er-Jahren und reagiert mit der leicht geschwungenen Fassade und der abgewinkelten Form auf die Hofsituation.

Die Naturschieferplatten kontrastieren mit den hellgelb eingefärbten Fensterzargenelementen mit integrierten Schiebeläden.
Die Naturschieferplatten kontrastieren mit den hellgelb eingefärbten Fensterzargenelementen mit integrierten Schiebeläden.

Kollektoren als gestalterisches Element

Zwischen den beiden Neubauten und den bestehenden Nachbargebäuden haben die Architekten einen teilweise begrünten, innerstädtischen Aussenraum geschaffen. Die Fassade an der Mühlebachstrasse besteht aus kleinteiligen, anthrazitfarbenen Naturschieferplatten, ebenso die Aussenhülle des Gebäudes an der Hufgasse. Diese kontrastiert mit den hellgelb eingefärbten Fensterzargenelementen mit integrierten Schiebeläden. Die Attikageschosse und die Hoffassade des zur Mühlebachstrasse orientierten Hauses umhüllen hellgelbe Eternitplatten. Darin integriert sind geschosshohe, dunkle Flachkollektoren, die aber so geschickt eingepasst wurden, dass sie nicht als solche wahrgenommen werden. «Wir haben es geschafft, mit den beiden vom Hersteller angebotenen Standardgrössen zu arbeiten», erzählt Projektleiter Beni Knecht. Eine besondere Herausforderung sei dabei die Führung der Leitungen gewesen. Die Flachkollektoren sind Teil eines Gesamtsystems, dass die beiden Häuser hinsichtlich Energieverbrauch optimiert. Dieses stellt auf eine möglichst gut gedämmte Aussenhülle und eine schlanke Gebäudetechnik ab. Für die fast 4'500 m2 beheizte Nutzfläche sind 60 kW an Wärmeleistung installiert – 13.5 Watt pro m2. Zum Vergleich: In Gehdistanz zu den Häusern am Stadelhofen stehen grosszügige Einfamilienhäuser, deren Wärmeerzeuger um den Faktor 10 leistungsfähiger sind. 120 W/m2 sind keine Seltenheit.

Die Konstruktion ist ein vorfabrizierter Holzrahmenbau mit Holz-Beton-Verbund-Decken.
Die Konstruktion ist ein vorfabrizierter Holzrahmenbau mit Holz-Beton-Verbund-Decken.

Für mehr als eine Generation

Dass die beiden Häuser in Holz erstellt werden sollten, war keine Frage: «Neu errichtete Gebäude sind in unserem Büro in der Regel Holzbauten», sagt Projektleiter Beni Knecht. Für das Material sprechen die guten Eigenschaften von Holz in Bezug auf Ökologie und graue Energie und die vergleichsweise schmalen Wandaufbauten, die trotz tiefer U-Werte möglich sind. Ein massiv erstelltes Untergeschoss mit Räumen für Technik, Keller oder Veloabstellplätze und einer gemeinsamen Tiefgarage verbindet die beiden eigenständigen  Volumen. Auch das Erdgeschoss ist jeweils noch vollständig betoniert – ebenso wie die beiden Treppenhauskerne aus Gründen des Brandschutzes und wegen der Statik der Gebäude. Die übrige Konstruktion ist ein vorfabrizierter Holzrahmenbau mit Holz-Beton-Verbund-Decken. Reine Holzdecken mit einer notwendigen Höhe von 45 cm kamen aufgrund der baurechtlichen Vorschriften in Bezug auf die Gesamthöhe der Gebäude nicht in Frage. Die Wohnungen, deren Mietpreise wegen der exklusiven Lage im oberen Segment liegen, sind grosszügig ausgelegt. Sie bestechen durch qualitätsvolle Materialien und in den oberen Geschossen mit einer wunderbaren Sicht über die Stadt und den See bis in die Alpen.

Während das Haus an der Mühlebachstrasse so konzipiert ist, dass Wohnungen und Büros möglich sind, ist das Objekt an der Hufgasse mit einer zimmerartigen Struktur auf die Nutzung als Wohnraum ausgelegt.
Während das Haus an der Mühlebachstrasse so konzipiert ist, dass Wohnungen und Büros möglich sind, ist das Objekt an der Hufgasse mit einer zimmerartigen Struktur auf die Nutzung als Wohnraum ausgelegt.

Während das Haus an der Mühlebachstrasse so konzipiert ist, dass Wohnungen und Büros möglich sind, ist das Objekt an der Hufgasse mit einer zimmerartigen Struktur auf die Nutzung als Wohnraum ausgelegt. «Mit kleinen Anpassungen sind aber auch diese Räume als Büros geeignet», so Beni Knecht. Beide Gebäude erfüllen den Minergie-P-Eco-Standard – auch das eine Selbstverständlichkeit im Architekturbüro von Beat Kämpfen.

Zusätzliche Informationen

Fotos © kämpfen für architektur ag, Zürich I Fotograf: René Rötheli, Baden Artikel drucken