Architektur-Reportage: Individuell wohnen mit System

Dem Holzsystembauer Renggli scheint die Quadratur des Kreises zu gelingen: Er baut energieeffiziente Häuser nach bewährtem Muster und berücksichtigt gleichzeitig die Wünsche der Bauherren. Ein Augenschein im bernischen Seeland.

(mei) Trotz Regen strahlt die Fassade des kubischen Einfamilienhauses, das der Holzsystembauer Renggli hier in einem kleinen Seeländer Dorf erbaut hat, hell und sandfarben. Eine ungewöhnliche Farbe, das ist selbst bei diesem Wetter klar. Als aber einen Moment lang die Sonne zwischen den Wolken durchscheinen kann, beginnt ein ganz spezielles Farbspiel: Plötzlich glitzert die Fassade in einem goldenen Ton. Jetzt kommt der dreifache Anstrich mit Metallsplittern erst richtig zur Geltung. Kein Wunder, sind die Bauherrschaft und Verena Egli, welche als Projektleiterin von Renggli für den Bau verantwortlich war, sichtlich stolz auf das unkonventionelle Erscheinungsbild dieses Gebäudes.

Kubische Formen prägen auch die Küche, den Mittelpunkt des Gebäudes wie des Familienlebens. Deckenleuchten sorgen fast überall im Haus für perfektes Licht.
Kubische Formen prägen auch die Küche, den Mittelpunkt des Gebäudes wie des Familienlebens. Deckenleuchten sorgen fast überall im Haus für perfektes Licht.

Individualität wird grossgeschrieben

Drinnen setzt sich der Eindruck fort, dass dieses Einfamilienhaus nicht einfach einer Prospektseite entsprungen ist. Im Gegenteil: «Wir erstellen unsere Einfamilienhäuser zwar nach einem bestimmten System. Trotz dieser vordefinierten Konstruktionsweise wird aber jedes Gebäude individuell von einem unserer Architekten nach den Wünschen der Bauherren entworfen», sagt Egli. In unserem Fall bedeutet dies: Eine derart offene Küche als Mittelpunkt des Familienlebens, dass die Statiker tüfteln mussten, tief nach unten reichende, mehrteilige Panoramafenster, die den Sicherheitsanforderungen dennoch entsprechen, weil der untere Teil der Fenster nicht geöffnet werden kann, und ein Bad, das seinesgleichen sucht: Ein Fenster in der Mauer oberhalb der Badewanne ermöglicht freie Durchsicht durch das dahinterliegende Elternschlafzimmer – und das bis auf die Bäume im Garten. So viel steht fest: Eine solche Aussicht geniesst beim Zähneputzen nicht jedermann.

Minergie-Standard ist Standard

Ein Bad mit Durchblick – hier verweilt man gerne.
Ein Bad mit Durchblick – hier verweilt man gerne.

Die Zusammenarbeit der Bauherrschaft mit Renggli entstand, weil der Holzsystembauer über langjährige Erfahrung in Sachen Energieeffizienz verfügt. Renggli hat sich von Anfang an für Minergie eingesetzt und erstellt mittlerweile ausschliesslich Häuser, die mit dem Minergie-Label zertifiziert sind. Solche Expertise war dem umweltbewussten Bauherrenpaar wichtig, und sie sind mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit denn auch rundweg zufrieden: «Die Technik funktioniert einwandfrei, und von der Komfortlüftung ist nichts zu hören», bestätigen sie. Beheizt wird das 320 Quadratmeter umfassende Einfamilienhaus mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe, die auch die Warmwasseraufbereitung übernimmt.

Die Treppe wurde aus massiver Eiche gefertigt. Für das Parkett kam geölte Eiche zum Einsatz.
Die Treppe wurde aus massiver Eiche gefertigt. Für das Parkett kam geölte Eiche zum Einsatz.

Nicht realisiert worden ist hingegen das Cheminée, mit dem die Bauherren eine Wärmequelle mit grossem Behaglichkeitsfaktor ins Auge fassten. Einerseits konnten sie sich nicht für einen Standort entscheiden, andererseits erkannten sie, dass es im gut gedämmten Gebäude mit einem Cheminée bald einmal zu warm werden konnte. Um dem vorzubeugen, haben die Bauherren einen Teil ihrer Technik automatisiert: Mittels eines KNX-Bussystems sorgt eine Wetterstation im Sommer für die nötige Beschattung, indem sie die Storen automatisch hoch- und runterfährt. Ein Muss, ist der Bauherr überzeugt: «Bei einer manuellen Betätigung der Storen würde sich das Haus rasch zu stark erwärmen. Wir müssten morgens beim Verlassen des Hauses nur einmal vergessen, die Storen herunterzulassen.»

Farben nach Feng Shui

Grosse Fensterflächen und offene Grundrisse sorgen für viel Helligkeit im Gebäude. Und das auf kindersichere Weise: Der untere Teil des Fensters kann nicht geöffnet werden. Selbst die Feng-Shui-Beraterin ist von diesem Konzept überzeugt: Bis zum Boden reichende Fenster gelten als ungünstig, weil sie die Bewohner «hinausziehen».
Grosse Fensterflächen und offene Grundrisse sorgen für viel Helligkeit im Gebäude. Und das auf kindersichere Weise: Der untere Teil des Fensters kann nicht geöffnet werden. Selbst die Feng-Shui-Beraterin ist von diesem Konzept überzeugt: Bis zum Boden reichende Fenster gelten als ungünstig, weil sie die Bewohner «hinausziehen».

Bevor die Bauherrschaft das Grundstück kaufte, liess sie es vom Radiästhesisten Hansruedi Peter auf Wasseradern überprüfen. Ein zweiter Check zu einem späteren Zeitpunkt ergab, wo im Haus die Betten stehen sollten. Der Grund für den Beizug eines Fachmannes für Strahlenwirkungen lag im unruhigen Schlaf, den der Sohn des Bauherrenpaars in der Mietwohnung gehabt hatte, in der die Familie vor dem Einzug in ihre eigenen vier Wände gelebt hatte. Ein Auspendeln der Wohnung hatte damals ergeben, dass der Sohn just auf Wasseradern schlief – eine Erfahrung, welche die Bauherren nicht wiederholen wollten.

Die Waschküche ist sauber, aufgeräumt – und farblich auf das Horoskop der Bauherrin abgestimmt, damit sich diese dort besonders wohlfühlt.
Die Waschküche ist sauber, aufgeräumt – und farblich auf das Horoskop der Bauherrin abgestimmt, damit sich diese dort besonders wohlfühlt.

Um sicher zu sein, dass im neuen Heim auch wirklich alles stimmte, berieten sich die Bauherren auch mit der Feng-Shui-Beraterin Leonie Eicher. Auf ihren Input hin wurden im Keller zwei Wände mit Farben gestrichen, die unterstützend wirken sollten. Im einen Fall ist dies ein sanftes Gelb, das einen harmonischen Einfluss auf die ganze Familie haben soll. In der Waschküche fiel die Wahl auf ein helles Blau, das die Energie der Bauherrin stärken soll. Dasselbe tut notabene auch der Wäscheabwurf, den sie nur empfehlen kann: «Jeder, der einen Wäscheabwurf hat, ist begeistert – man muss die Wäsche nicht zur Waschküche tragen, und es liegt nirgends Wäsche rum.» So ist dieses Einfamilienhaus nicht nur schön, sondern auch schön praktisch.

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