Architektur-Reportage: Eine ganz private Idylle

Viel Privatsphäre, ein Sitzplatz am Bach und ein tiefer Energieverbrauch kennzeichnen ein Minergie-P-Einfamilienhaus am Fusse des Juras im bernischen Niederbipp.

Viel Privatsphäre, ein Sitzplatz am Bach und ein tiefer Energieverbrauch kennzeichnen ein Minergie-P-Einfamilienhaus am Fusse des Juras in Niederbipp.
Viel Privatsphäre, ein Sitzplatz am Bach und ein tiefer Energieverbrauch kennzeichnen ein Minergie-P-Einfamilienhaus am Fusse des Juras in Niederbipp.

(mei) Auf den ersten Blick zeigt sich das Gebäude, das der Architekt Roger Bloch und seine Lebensgefährtin 2008 für sich realisiert haben, wenig einladend: Ein Carport sowie ein fast vierzig Meter langer, gedeckter, stegähnlicher Weg zur Eingangstür sind alles, was der Besucher zunächst sieht. Doch bereits nach wenigen Schritten ändert sich das Bild: Der Blick öffnet sich zum weitläufigen Garten und zum Haus selbst. «Wir lebten vorher in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung mit einem grossen Garten, in dem wir sehr viel Zeit verbrachten. Der Einbezug der Natur war uns deshalb beim Bau unseres Hauses sehr wichtig», sagt Bloch.

Ein fast vierzig Meter langer Laubengang schützt die Bauherren vor neugierigen Blicken.
Ein fast vierzig Meter langer Laubengang schützt die Bauherren vor neugierigen Blicken.

Entstanden ist ein Gebäude, bei dem die verwinkelte Parzelle vorteilhaft genutzt wird. Carport und Laubengang bieten Schutz vor neugierigen Blicken, so dass sich die Bauherren je nach Lust und Laune ungestört auf der Veranda oder im Garten aufhalten können. Zu diesem gehört ein grosser Sitzplatz, der bei einem an der Parzelle entlang fliessenden Bach gelegen ist und im Sommer dank dem Laub der Bäume angenehm Schatten bietet.

Ein grosses Fenster schliesst den heimeligen, leicht erhöhten Wohnbereich im Parterre ab, das Aussicht auf die Bäume bietet, welche das Ufer des Bachs säumen.
Ein grosses Fenster schliesst den heimeligen, leicht erhöhten Wohnbereich im Parterre ab, das Aussicht auf die Bäume bietet, welche das Ufer des Bachs säumen.

Zimmer mit Aussicht

Wie sehr die Bauherren den Bezug zur Natur suchen, zeigt sich auch im Innern. So schliesst den heimeligen, leicht erhöhten Wohnbereich im Parterre ein grosses Fenster ab, das Aussicht auf die Bäume bietet, welche das Ufer des Bachs säumen. Im Obergeschoss ziehen sich diese freien Aussichten wie ein roter Faden durch die Räume. «Wir haben unser Bett bewusst so platziert, dass die Füsse zum Fenster zeigen und wir die Aussicht schon morgens geniessen können», meint Bloch. Im Bad sorgt eine deutlich erhöhte Wanne dafür, dass der Blick ungehindert zu den Bäumen schweifen kann. Und in ihrem Arbeitszimmer dürfte die Bauherrin mehr als einmal zum Träumen verleitet werden. Selbst im Bastel- und Gärtnerraum im Untergeschoss lenkt ein schmales, aber breites Fenster die Aufmerksamkeit nach draussen.

Die Veranda mit ihrem 1½ Meter breiten Vordach hält die Sonnenstrahlen im Sommer draussen.
Die Veranda mit ihrem 1½ Meter breiten Vordach hält die Sonnenstrahlen im Sommer draussen.

Schutz vor sommerlicher Hitze

Für die nötige Wärme im Minergie-P-zertifizierten Gebäude sorgen eine durch eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonden betriebene Bodenheizung sowie nach Süden ausgerichtete, grosse Fenster im Erdgeschoss, welche die Sonnenenergie passiv nutzen. Solche Fensterfronten, die im Winter ein Vorteil sind, können in der heissen Jahreszeit allerdings schnell für unliebsam hohe Temperaturen sorgen. «Bei hochgedämmten Gebäudehüllen ist der Schutz vor Wärme im Sommer genauso wichtig wie die Beheizung im Winter», weiss Bloch. Damit er den offenen Küchen- und Essbereich im Parterre nicht den ganzen Sommer lang beschatten muss, hat er sich etwas einfallen lassen: Eine Veranda mit einem 1½ Meter breiten Vordach, die der ganzen Fensterfront entlang läuft, hält die Sonnenstrahlen im Sommer draussen. In der kalten Jahreszeit gelangt die Sonnenwärme dank des tieferen Sonnenstandes hingegen problemlos ins Haus hinein.

Trotz Holz kein rustikales Flair

Im Küchen- und Essbereich kommt ein strapazierfähiger Eichenboden zum Einsatz, Wände und Decken sind mit einem sehr hellen Tannenholz ausgekleidet.
Im Küchen- und Essbereich kommt ein strapazierfähiger Eichenboden zum Einsatz, Wände und Decken sind mit einem sehr hellen Tannenholz ausgekleidet.

Das Gebäude wurde im Blocktafelbau erstellt, bei dem die innerste Schicht der Aussenwand, eine 35 mm dicke Massivholzplatte aus Weisstanne, die tragende und aussteifende Schicht bildet. «Der Vorteil dieser Leichtbauweise liegt darin, dass der geringe Materialeinsatz mehr Raum fürs Wohnen bei gleichzeitiger maximaler Dämmwirkung bietet», sagt Bloch. Damit das Haus, dessen Wände, Decke und Böden ausser im Küchen- und Essbereich sowie im Bad ganz mit Tannenholz ausgekleidet sind, nicht rustikal wirkt, hat Bloch wo immer möglich astfreies Material eingesetzt, das er mit einem UV-Sonnenschutz-Anstrich vor einer Patinabildung schützt. Einzig bei der inneren Tragstruktur musste Bloch Holz verwenden, bei dem die Äste sichtbar sind. «Mein Anspruch ist es, beim Bauen Ästhetik mit Nachhaltigkeit zu verbinden», erklärt der Architekt seine Philosophie. Im Küchen- und Essbereich kommt ein strapazierfähiger Eichenboden zum Einsatz, der den Übergang vom Aussenbereich mit der Veranda zur zurückgezogenen Wohnecke markiert.

Im Schlafzimmer tun Aufbewahrungsmöbel von Ikea ihren Dienst. Sie wurden mit der gleichen Farbe bemalt, die für die Fensterrahmen und Türen verwendet wurde.
Im Schlafzimmer tun Aufbewahrungsmöbel von Ikea ihren Dienst. Sie wurden mit der gleichen Farbe bemalt, die für die Fensterrahmen und Türen verwendet wurde.

Es muss nicht teuer sein

Eine pragmatische Einstellung hat den Bauherren dazu verholfen, besonders beim Innenausbau Kosten zu sparen. «Wir haben teils bewusst günstige Materialien ausgewählt und auch einige Experimente gewagt. So ist die Arbeitsfläche in der Küche aus rohem Baustahl geschaffen», erzählt Bloch. Die Stahlplatte sollte regelmässig geölt werden, da sie sonst anfängt zu rosten, wenn sie beispielsweise über längere Zeit Fruchtsäure ausgesetzt ist. Im Schlafzimmer und der Garderobe tun Aufbewahrungsmöbel von Ikea ihren Dienst. Bloch hat sie mit der gleichen Farbe bemalt, die für die Fensterrahmen und Türen verwendet wurde und sorgte so für eine perfekte Abstimmung der einzelnen Elemente. Gespart haben die Bauherren auch im Keller: So wurde nur ein Teil des Gebäudes unterkellert. Im anderen Teil befindet sich ein Naturkeller mit Erdboden, der bei Bedarf später ausgebaut werden kann. Auch das Obergeschoss birgt noch Entwicklungspotenzial. Sollte die Familie wachsen, lässt sich eine jetzt freie Fläche mit wenigen Anpassungen in ein oder zwei Zimmer unterteilen.

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