Architektur-Reportage: Ein gelungenes Ganzes

Geduld und Ausdauer haben sich gelohnt: Auf dem Areal Güggel in Thalwil ist dank eines Gestaltungsplanes ein Ort zum Wohnen und Arbeiten entstanden, der heute und für die Zukunft Beständigkeit verspricht.

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Mit zwei weiteren länglichen Baukörpern mit Flachdach und einem dazwischenliegenden Platz ist mitten in Thalwil ein Ensemble mit ausserordentlichen städtebaulichen Qualitäten entstanden.
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Die Wohnung ist klassisch geschnitten und erinnert mit ihrem Grundriss an die heute begehrten Stadtwohnungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

(jgl) Die Wohnung ist klassisch geschnitten und erinnert mit ihrem Grundriss an die heute begehrten Stadtwohnungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Um ein grosszügiges Entrée mit einem schwarz-weiss gemusterten Plattenbelag gruppieren sich die verschiedenen Räume. Links vom Eingang liegen Bad und Küche, die sich mit einer doppelflügeligen Türe zum 35 Quadratmeter grossen Wohnraum öffnet, rechts befinden sich zwei abschliessbare Zimmer. Rechteckige, hochformatige Fenster verstärken den Eindruck eines Gebäudekonzepts, das sich an klassischen Bauformen orientiert. Selbst das Badezimmer ist natürlich belichtet.

Die Wahrnehmung täuscht nicht: Das Haus, in dem sich die beschriebene Dreizimmerwohnung befindet, ist Teil einer Arealüberbauung in Thalwil, zu der auch das Fachwerkhaus «Güggel» aus dem Jahr 1741 gehört. «Das viergeschossige Wohnhaus mit je einer Wohnung pro Stockwerk reagiert formal mit Giebeldach und Lochfassade auf das historische Gebäude, das dem Areal den Namen gibt» erklärt Architekt Felix Sponagel vom verantwortlichen Architekturbüro Archplan AG. Mit zwei weiteren länglichen Baukörpern mit Flachdach und einem dazwischenliegenden Platz ist 2010 mitten in Thalwil ein Ensemble mit ausserordentlichen städtebaulichen Qualitäten entstanden.

In jeder Hinsicht nachhaltig

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Das Muster, das durch trapezförmige Kunststeinplatten in drei verschiedenen Formaten entsteht, verlängert die Gebäudelinien perspektivisch und schafft einen kraftvollen und eigenständigen Aussenraum.

Das Grundstück liegt im Rank der Mühlebachstrasse, die unter den Bahngeleisen hindurch zum See führt. «Bereits seit 1996 bestanden Neubaupläne für das Areal, auf dem neben dem Fachwerkhaus zwei baufällig Wohnhäuser standen», erzählt Andreas Friedrich als Vertreter der Bauherrschaft. Aber erst ein Gestaltungsplan, der auf einem Projekt der Archplan AG basierte, führe 2009 zur Baubewilligung. «Für uns als Bauherrschaft gehört eine gute städtebauliche Lösung ebenso zu einer nachhaltigen Sichtweise wie energieeffiziente Bauten», hält Andreas Friedrich fest. Augenfällig für diese Haltung ist der Platz, der die vier Gebäudevolumen miteinander verbindet. Der Künstler Urs Beat Roth hat ihn gestaltet. Das Muster, das durch trapezförmige Kunststeinplatten in drei verschiedenen Formaten entsteht, verlängert die Gebäudelinien perspektivisch und schafft einen kraftvollen und eigenständigen Aussenraum.

Durch die ungewohnte Nähe der einzelnen Volumen zueinander, entstehen faszinierende räumliche Blickbezüge und gassenähnliche Durchgänge.
Durch die ungewohnte Nähe der einzelnen Volumen zueinander, entstehen faszinierende räumliche Blickbezüge und gassenähnliche Durchgänge.

Neben dem eingangs beschriebenen Neubau mit Steildach, der den Minergie-Standard erfüllt und dem Fachwerkgebäude, das die Architekten umsichtig und sorgfältig erneuert haben, schliessen zwei weitere Gebäude mit Wohnungen und Gewerberäumen den Platz gegen Westen. Zwei Treppen verbinden den Platz mit der Mühlebachstrasse hang- und talseits. Durch die ungewohnte Nähe der einzelnen Volumen zueinander, die erst der Gestaltungsplan möglich gemacht hat, entstehen zudem faszinierende räumliche Blickbezüge und gassenähnliche Durchgänge.

Vielfältige Raumkonzepte

Dem Raumkonzept entsprechend besitzen die Minergie-P-Bauten roh belassene Betondecken und einen fugenlosen Anhydritboden.
Dem Raumkonzept entsprechend besitzen die Minergie-P-Bauten roh belassene Betondecken und einen fugenlosen Anhydritboden.

Die beiden westlich gelegenen Bauten verfügen über drei respektive vier Stockwerke. Eine aussenliegende Treppe, die gleichzeitig als Erschliessung für das dreigeschossige Haus dient, verbindet sie und führt auf die gemeinsam genutzte Dachterrasse auf dem niedrigeren Gebäude. Von hier geht der Blick über die Dächer von Thalwil bis ans gegenüberliegende Seeufer. Durch die gemeinsame Erschliessung war es möglich, nur einen Lift zu bauen. «Für beide Häuser haben wir den Minergie-P-Standard angestrebt und auch erreicht», so Felix Sponagel. Die dafür gewählte Hybridbauweise mit Betondecken und 40 Zentimeter starken Holzelementen mit integrierter Dämmung sei dafür eine sehr ökonomische Lösung, meint er rückblickend. Zusätzlich bietet der Minergie-Standard an der stark exponierten Lage dank der dichten Aussenhülle einen guten Schallschutz und aufgrund der kontrollierten Lüftung ein gutes Raumklima. Anders als bei der Wohnung im Gebäude vis à vis vom Fachwerkbau, sind die Grundrisse hier flexibel gestaltet. Dies zeichnet sich gegen aussen mit den bandartigen Fensterelementen ab, die durch vertikal strukturierte Holzverkleidungen unterbrochen werden. Dem Raumkonzept entsprechend besitzen die Minergie-P-Bauten roh belassene Betondecken und einen fugenlosen Anhydritboden. Das massiv konstruierte Minergie-Gebäude dagegen spricht mit Parkettböden und gestrichenen Wänden und Decken auch hinsichtlich des Materials eine eher klassische Sprache.

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