Architektur-Reportage: Umbau alte Mühle: Bijou am Hang

Ein Bauherr hat im Dorfkern von Pieterlen eine alte Mühle vor dem Zerfall gerettet und mit viel Liebe und Eigenleistungen in ein kleines Einfamilienhaus verwandelt. Das Resultat begeistert.

Um einer allfälligen Wasserknappheit vorzubeugen, wurde das Wasser oberhalb des Dorfes in einem kleinen See gestaut, der heute, umgeben von wildem Buchs, unter Naturschutz steht.
Um einer allfälligen Wasserknappheit vorzubeugen, wurde das Wasser oberhalb des Dorfes in einem kleinen See gestaut, der heute, umgeben von wildem Buchs, unter Naturschutz steht.

(mei) Gleich mehrere Häuser im alten Dorfkern des seeländischen Dorfs Pieterlen am Jura-Südfuss wurden früher als Mühlen genutzt. Der vom Jurahang herunterfliessende Dorfbach diente zum Antrieb von Maschinen etwa der Uhrenindustrie. Um einer allfälligen Wasserknappheit vorzubeugen, wurde das Wasser oberhalb des Dorfes in einem kleinen See gestaut, der heute, umgeben von wildem Buchs, unter Naturschutz steht.

Im Erdgeschoss befinden sich die Küche und der Eingangsbereich sowie Nebenräume.
Im Erdgeschoss befinden sich die Küche und der Eingangsbereich sowie Nebenräume.

Auf Umwegen zum Eigenheim

Eines der Häuser im alten Dorfkern ist die 1611 erstellte, so genannte kleine Mühle. 1880 wurde das Gebäude zu einem Atelier umgebaut, in dem bis 1962 Uhrensteine produziert wurden. Danach stand das Haus mehrheitlich leer und zerfiel immer mehr. Der heutige Eigentümer Hugo Oswald, der wie seine Frau in Pieterlen aufgewachsen war, machte nach einem Spaziergang bei der alten Mühle vorbei dem damaligen Liegenschaftsbesitzer ein Kaufangebot. Weil dieser nicht verkaufen wollte, verwendeten die Eheleute einen Teil des Geldes für ihre Weiterbildungen. Als der Besitzer zwei Jahre später seine Meinung änderte, war das Eigenkapital entsprechend geschrumpft. Dank zahlreichen Eigenleistungen und dem Entgegenkommen des Verkäufers, der mit einer Restzahlung zu einem späteren Zeitpunkt einverstanden war, kam der Vertrag doch zustande.

Wohnbereich
Wohnbereich
Im Wohnbereich im Zwischengeschoss sorgt ein Schwedenofen für behagliche Wärme in der Übergangszeit. Draussen plätschert der Bach vorbei.
Im Wohnbereich im Zwischengeschoss sorgt ein Schwedenofen für behagliche Wärme in der Übergangszeit. Draussen plätschert der Bach vorbei.

Keine Mühen gescheut

Von 1999 bis 2002 baute der neue Eigentümer, ein gelernter Maurer, das Haus in seiner Freizeit um. Auch nach dem Einzug 2002 gab es noch zwei Jahre lang so manches zu tun. Weil vieles kaputt oder verfault war, musste Hugo Oswald das Gebäude fast vollständig aushöhlen. So blieben ausser den Grundmauern nur einzelne Zwischenmauern und einige Oberbalken erhalten. Von weitem sieht man das dem Gebäude nicht an: Weil es unter Denkmalschutz steht, musste sein Äusseres wiederhergestellt bzw. belassen werden. Für den Eigentümer, der mit viel Liebe zum Detail vorging, stellte das kein Problem dar. Fürs Dach verwendete er beispielsweise 300 Jahre alte Ziegel, die er bei Dachsanierungen in der Nachbarschaft erstand. Besonders gelungen ist der Einbezug des alten Wasserkanals, auch wenn das Mühlrad heute nicht mehr existiert. Er wird in einer Art Wasserfall zum Haus, darunter hindurch in einen Trog und von dort weggeführt, was sich dank der geschickten Platzierung von Panoramafenstern im Wohnbereich gut beobachten lässt.

Zwei Kinderzimmer, ein Badezimmer und ein Büro sind im 2. Stock anzutreffen.
Zwei Kinderzimmer, ein Badezimmer und ein Büro sind im 2. Stock anzutreffen.

Sorgfältige Grundrissplanung

Wegen der geringen Grösse der kleinen Mühle wurde sie bei der Sanierung mit einem Anbau ergänzt, was trotz Denkmalschutz gestattet war. Dieser Teil des Gebäudes setzt sich mit seiner Holzfassade vom alten Teil auch ästhetisch ab. Gross ist das Haus deswegen noch lange nicht: Es weist rund 130 Quadratmeter Nettowohnfläche auf, die auf vier Etagen und Halbetagen verteilt sind. Damit hat die mittlerweile vierköpfige Familie zwar genügend Platz, doch musste die Fläche klug aufgeteilt werden. In diesem Punkt konnte der Architekt, den Hugo Oswald beizog, viel beisteuern: Von ihm stammen etwa der Küchengrundriss und die Treppenführung. Dass kein Platz verschwendet wurde, zeigt zum Beispiel das Dachgeschoss: Hier befindet sich das Elternschlafzimmer – mit komplett freistehender Badewanne.

Eine freistehende Badewanne, ein Kronleuchter und ein Bett mit Aussicht – das Elternschlafzimmer im Estrich hat viel zu bieten.
Eine freistehende Badewanne, ein Kronleuchter und ein Bett mit Aussicht – das Elternschlafzimmer im Estrich hat viel zu bieten.

Baupläne

Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Erdgeschoss: Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Erdgeschoss: Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Schnitt: Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Schnitt: Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Dachgeschoss: Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.
Dachgeschoss: Baupläne 1999 von der kleinen oberen Mühle.

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