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Architektur-Reportagen: Sanierung eines Eigenheims im Elsässli in Derendingen

Hauskauf mit Tücken: Nachdem ein Ehepaar für seine fünfköpfige Familie ein Einfamilienhaus mit viel Umschwung gekauft hatte, wurde ihm verboten, den Garten zu nutzen. Erst eine aufwändige Sanierung schaffte Abhilfe.

(mei) Das ruhige Quartier Elsässli im solothurnischen Derendingen ist ein Idyll für Familien: Die Arbeitersiedlung umfasst 27 ehemalige Arbeiterhäuser, die zwischen 1873 und 1890 gebaut wurden. Die Häuser wurden ursprünglich von je vier Parteien bewohnt, alles elsässische Mitarbeitende der damaligen Kammgarnspinnerei Lang & Koch. Später kaufte die Gemeinde Derendingen die Gebäude auf und nutzte sie als Sozialwohnungen. Über einen Makler gelangten sie nach und nach in den Verkauf. 2013 erwarb ein Ehepaar mit drei Kindern eines der Häuser. Beide Elternteile waren in der Gegend aufgewachsen. Sie kehrten dorthin zurück, weil sie sich in Bern, wo sie eine Familie gegründet hatten, kein Eigenheim leisten konnten.

Treppe
Bei der Sanierung wurde die originale Treppe ins Dachgeschoss beibehalten, während die Treppe vom Erd- ins Obergeschoss neu ist.

Der Denkmalschutz redet mit

Weil die ehemaligen Arbeiterhäuser im Elsässli unter Denkmalschutz stehen, mussten die Bauherren bei der Sanierung ihres Eigenheims zahlreiche Auflagen berücksichtigen. So durften die Fenster bloss eine Zweifachverglasung aufweisen, und der Kamin musste erhalten bleiben, obwohl er nicht mehr in Gebrauch ist. Selbst der Ablufthut der kontrollierten Lüftung musste den Vorstellungen des Denkmalschutzes entsprechen. Im Aussenbereich waren ein Holzzaun, eine gute Einsichtbarkeit in den Garten sowie eine einheimische Bepflanzung vorgeschrieben, während ein fest montierter Sonnenschutz nicht erlaubt war. Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz hatte jedoch auch sein Gutes: Weil die Bauherren bei der Sanierung sehr viel Originalsubstanz im Innenbereich beibehielten, darunter zum Beispiel die Decken, erhielten sie vom Denkmalschutz einen substanziellen finanziellen Beitrag.

Alte Zeitungsausschnitte
Die Böden waren mit Schlacken versetzt, die alte Zeitungsausschnitte enthielten.

Schlacke mit alten Zeitungsausschnitten

Das Bauherrenpaar konnte jedoch nicht alle ursprünglichen Bauteile behalten. Bei der Sanierung hat es die Böden ersetzt, weil sie Schlacken enthielten. Von den Nachbarn wusste es, dass diese krümelige und unansehnliche schwarze Masse vom Boden des Obergeschosses durch die Decke des Erdgeschosses bröselt – eine Erfahrung, die es sich ersparen wollte. Beim Rückbau des Bodens hat das Paar Zeitungsausschnitte aus dem Jahr 1890 in der Schlacke entdeckt, von denen es einige gereinigt und aufbewahrt hat. Den Rückbau der anderen Bauteile hat es ebenfalls weitgehend selbst getätigt – insgesamt fielen Abfälle mit einem Gewicht von 50 Tonnen an. Der Bodenersatz hatte noch einen weiteren Vorteil: Die Bauherren konnten eine Fussbodenheizung einsetzen lassen. Da ihr Gebäude nur teilweise unterkellert ist und der Boden sonst sehr kühl wäre, führt dies zu einem merklich höheren Wohnkomfort in der kalten Jahreszeit.

Ess- und Wohnzimmer
Bei der Grundrissgestaltung und der Materialisierung hat das Bauherrenpaar mit der Innenarchitektin Anita Kaderli zusammengearbeitet.

Expertinnen für den Innenbereich  

Die Bauherren haben die Sanierung ihres Eigenheims mit dem Architekturbüro Graf Stampfli Jenni geplant und umgesetzt. Für die Materialisierung im Innenbereich haben sie die Innenarchitektin Anita Kaderli zugezogen, die das Collia-System verwendet. Im Vorfeld mussten sich die Bauherren viele Gedanken dazu machen, wie sie im Haus leben wollten und welches Ambiente sie anstrebten. Dafür sparten sie bei der Materialauswahl eine Menge Zeit. Anita Kaderli beriet sie auch bei der Grundrissausgestaltung aufgrund der «Verkehrswege» und der Farbgebung. Die Beleuchtungsplanung erfolgte mit der Wohnberaterin Bettina Mark. Die Bauherren sind sich einig: «Der Beizug der beiden Spezialistinnen war ein Erfolg. Denn wir konnten sehr effizient entscheiden, und wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.»

Garten
Der grosse Garten war belastet und musste teuer saniert werden.

Böse Überraschung im Garten

Nach dem Kauf liess das Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn aufgrund der belasteten Böden im Quartier im Grundbuch eine Nutzungsbeschränkung eintragen: Kindern unter zwölf Jahren waren das Spielen und der Aufenthalt im Garten untersagt. Ein herber Schlag für das Bauherrenpaar, das extra wegen seiner Kinder ins Elsässli gezogen war und sich über den grossen Garten auf dem 723 Quadratmeter grossen Grundstück freute. Um herauszufinden, ob eine ernsthafte Bedrohung für den Nachwuchs bestand, beauftragte es einen ihnen bekannten Geologen mit einem Gutachten. Dieser gab Entwarnung. Um aber den entstandenen Minderwert aufgrund des unerwarteten Grundbucheintrags wettzumachen, liessen die Bauherren die obersten 40 Zentimeter des Bodens abtragen und in Deponien entsorgen, was Kosten im Wert von 70'000 Franken verursachte. Ein Teil davon wurde von der Gemeinde Derendingen übernommen. Nach der Bodensanierung konnte der Grundbucheintrag gelöscht werden. Das Bauherrenpaar ist froh, dass die Sanierung nun endlich abgeschlossen ist und es das tun kann, was es von Anfang an wollte: mit seinen Kindern Haus und Garten geniessen.

Architektur-Videos

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