Architektur-Reportage: Ein Sechseck im Solardorf

Ecken und Kanten zuhauf: Ein neues Einfamilienhaus im solothurnischen Hessigkofen besticht durch einen ungewöhnlichen Grundriss mit zwei Sechsecken. Ein Rundgang.

(mei) 2008 entschied die Einwohnergemeinde Hessigkofen, die Summe von 100'000 Franken statt zur Senkung des Strompreises zur Förderung von Solarenergie einzusetzen. Seither sind in dem kleinen Dorf über 500 Quadratmeter Sonnenkollektoren montiert worden, und auch die Strassenbeleuchtung erfolgt über eine Photovoltaikanlage. So viel Weitsicht wurde honoriert: Die Gemeinde erhielt für ihr Projekt «Solardorf Hessigkofen» 2010 den Schweizer Solarpreis.

Doppeltes Hexagon

Exaktes Arbeiten war beim Zuschneiden der Holzlatten für die Decke angesagt.
Exaktes Arbeiten war beim Zuschneiden der Holzlatten für die Decke angesagt.

Eines der Gebäude, auf deren Dächern sich Solaranlagen finden, weist eine aussergewöhnliche Optik auf: Es besteht aus zwei aneinandergereihten Sechsecken. Auf die Idee dazu kam der Bauherr, ein Holzbautechniker, als er in einem Architektur-Bildband auf eine Art Bienenwabe-Gebäude stiess, das aus lauter Hexagonen konzipiert war. Diese Form liess ihn nicht mehr los, und als er zusammen mit seinem Vater, einem pensionierten Architekten, das neue Heim für seine junge Familie plante, erfolgte dies ebenfalls als Sechseck. Konstruktiv sei der Bau als Hexagon nicht viel schwieriger als sonst, meint der Bauherr, der von dieser Grundrissart begeistert ist: «Kann von sechs Seiten Licht ins Haus einfallen, gibt dies eine ganz andere Lichtführung als bei einem Grundriss mit vier Seiten.» Auch die Ausblicke auf die umliegenden Bäume, Pferdeweiden und auf die hügelige Landschaft des Bucheggberges haben es in sich. Damit sie voll genossen werden können, reichen die Panoramafenster von der Decke bis zum Boden.

Sonne, Holz und Luft

Privat-Terrasse mit Aussicht: Hierher gelangt man vom Elternschlafzimmer. Die Fläche der Solaranlagen auf dem Dach beträgt 16 Quadratmeter.
Privat-Terrasse mit Aussicht: Hierher gelangt man vom Elternschlafzimmer. Die Fläche der Solaranlagen auf dem Dach beträgt 16 Quadratmeter.

Klar, dass in einem Solardorf Energieeffizienz gross geschrieben wird. Auch der Berufsstolz des Bauherrn, ein Mitarbeiter der mit der Bauausführung beauftragten Seeländer Firma Holzbau Moosmann, wollte befriedigt sein. So ist das Gebäude Minergie-P-zertifiziert. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt – natürlich – mittels 16 Quadratmeter Solarfläche auf dem Dach, unterstützt von einem Elektroeinsatz im Boiler für die weniger schönen Tage in den Wintermonaten.

Für die Lufterwärmung zuständig ist – von der Solaranlage unterstützt – ein Schwedenofen mit Bodenheizung, die zusammen mit dem Boiler an einen Pufferspeicher angeschlossen sind, damit möglichst wenig Energie verloren geht. So gibt der Schwedenofen nur 30 % direkt an den Raum ab, die übrigen 70 % werden via Pufferspeicher und Fussbodenheizung im ganzen Gebäude verteilt. Die Komfortlüftung trägt mittels Wärmerückgewinnung ebenfalls zu einem behaglich warmen Raumklima bei. Und weil das Gebäude gegen Süden nicht – wie sonst bei Minergie-P-Häusern üblich – über eine grosse Fensterfläche verfügt, ist die Beschattung im Sommer kein Problem.

Bunte Farbtupfer

Orange und Schwarz prägen die offene Küche.
Orange und Schwarz prägen die offene Küche.

Innen und aussen macht das im Elementbau erstellte Haus dank des vielen Holzes einen ruhigen Eindruck. Für die Fassade und die Terrassenböden wurde Lärchenholz verwendet. Wände und Decken sind aus Fichtenholz, das mit einem UV-Schutz gegen das Nachdunkeln behandelt wurde, während der Boden aus geölter Eiche oder Kork besteht. Diese monochrome Farbgebung wird durch die offene Küche im Erdgeschoss, für die MDF-Platten in Schwarz und knalligem Orange zum Einsatz kamen, tüchtig aufgemischt.

Spitzer Winkel im Gäste-WC im Erdgeschoss.
Spitzer Winkel im Gäste-WC im Erdgeschoss.

Auch die farbigen Türen in Blau, Grün, Gelb und Orange, die im Obergeschoss zu den einzelnen Räumen führen, sowie die Eingangstür, die das knallige Blau von oben vorwegnimmt, bringen Leben ins Haus. Die Bäder tragen ebenfalls zur Farbgebung bei: Das geräumige Badezimmer im Obergeschoss – mit einer abgeschrägten Badewanne – ist in verschiedenen Blautönen gehalten, während das Gäste-WC im Erdgeschoss mit seinem Olivegrün dezent anmuten würde, wäre da nicht ein Handtuch in Violett.

Zusätzliche Informationen

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