Architektur-Reportage: Ersatzneubau zwischen modern und traditionell

Im bernischen Thierachern ist ein innovatives Einfamilienhaus entstanden, an dessen Stelle sich vorher ein altes Bauerhaus befand. Der Ersatzneubau punktet energetisch und ökologisch: Er ist nach Minergie A-P-ECO zertifiziert und erfüllt die Anforderungen ans deutsche Sentinel Haus.

Der Ersatzneubau mit Gymwänden erinnert nur noch äusserlich an seinen Vorgänger.
Der Ersatzneubau mit Gymwänden erinnert nur noch äusserlich an seinen Vorgänger.

(mei) In der Landwirtschaftszone im ländlichen Thierachern an der Grenze zum Berner Oberland erstanden Rahel Fankhauser Ruchti und Marcel Ruchti ein Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Wegen der schlechten Gebäudesubstanz kam eine Sanierung nicht in Frage. Stattdessen entschied sich die Bauherrschaft für einen Ersatzneubau. Äusserlich lehnt er sich an seinen Vorgänger an, denn die Bauernhaus-Charakteristik des früheren Gebäudes wurde bewahrt. So sind etwa die Fenster im obersten Geschoss mit so genannten Gymwänden bedeckt, wie die mit Zwischenräumen versehenen Bretterwände genannt werden.

Klare Linien und zurückhaltende Farben kennzeichnen das Bad.
Klare Linien und zurückhaltende Farben kennzeichnen das Bad.

Keine Kompromisse

In puncto Energiekonzept hat der Ersatzneubau rein gar nichts mehr mit dem früheren Bauernhaus gemein. Denn die Bauherrschaft setzte trotz der Auflagen, die mit der Lage in der Landwirtschaftszone verbunden waren, konsequent auf Energieeffizienz und Ökologie. Der Neubau ist nach dem strengen Label Minergie A-P-ECO zertifiziert. Zudem erhielt er den SHI-Gesundheitspass von Sentinel Haus. Dieser garantiert die Luftqualität in Innenräumen, wobei rund 160 Stoffe gemessen werden. Für eine gute Innenluft sorgen insbesondere Pollenfilter. Zudem reagiert die Lüftung automatisch auf den CO2-Gehalt in der Luft. Sind viele Leute zu Besuch, führt sie entsprechend mehr Frischluft zu. Ein weiteres Plus der Lüftung: Sie ist für jeden Raum individuell einstellbar.

Der grosse Eschenbaumstamm erstreckt sich über alle drei Stockwerke.
Der grosse Eschenbaumstamm erstreckt sich über alle drei Stockwerke.

Liebe zu Holz

Für das Projekt, die Planung und die Ausführung zeichnete sich der Bauherr Marcel Ruchti gleich selbst verantwortlich. Er ist Geschäftsführer des Thuner Holzbauunternehmens impuls, dessen Kompetenzen von der Konstruktion über die Energielösung bis zum Innenausbau reichen. Rund zwei Drittel aller Bauarbeiten konnten so abgedeckt werden. Gebaut wurde das Haus denn auch vorwiegend mit Holz: Für die Konstruktion etwa wurden 75 Kubikmeter Fichtenholz aus der Region verwendet. Die Fassade besteht aus Lärchenholz, und der Parkettboden aus französischem Eichenholz. Holzfasern machen weiter einen Drittel des Isolationsmaterials aus, für die übrigen zwei Drittel wurde Schafwolle verwendet. Aussergewöhnlich ist der Einbau eines Eschenbaumstammes, der in der Mitte der Wendeltreppe ruht und sich über alle drei Geschosse erstreckt: Damit hat die Bauherrschaft einen Blickfang mit einzigartigem Charakter gefunden.

Auch in der Küche ist Holz ein dominierendes Element.
Auch in der Küche ist Holz ein dominierendes Element.

Anspruchsvolle Wärmeregulierung

Beheizt wird das dreigeschossige Gebäude für zwei Parteien mit einem vollautomatischen Kombigerät der Aargauer Firma eWin. Daran angeschlossen sind Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung, eine Wärmepumpe mittels Erdregister, eine Bodenheizung und die Lüftung. «Dieses System ist sehr effizient, weil es alle Systeme kombiniert», erklärt Marcel Ruchti. So hilft die Kraft der Sonne mit, das Wasser des Erdregisters zu erwärmen, falls der Warmwasserboiler aufgeheizt ist. Durch die grossen Fenster im Gebäude – mit Ausnahme derjenigen hinter den Gymwänden – wird im Winter zudem viel Wärme ins Hausinnere geführt. Auch die Abwärme aus der Abluft wird genutzt. Im Sommer wiederum führt die Bodenheizung Wärme ab. Das ausgeklügelte System ist in der Praxis allerdings nicht ohne Tücken, sagt Bauherrin Rahel Fankhauser Ruchti: «Die Technik ist aufwändig und immer noch nicht ganz ausgereift.» In der heissen Jahreszeit beschäftigt sie auch ein anderes Thema: «Im Sommer ist die Belüftung anspruchsvoll. Denn wegen der mangelhaften Möglichkeit der Beschattung überhitzt sich der Innenraum schnell.»

Draussen sitzen und die ländliche Idylle geniessen: Dafür bietet dieses Gebäude reichlich Gelegenheit.
Draussen sitzen und die ländliche Idylle geniessen: Dafür bietet dieses Gebäude reichlich Gelegenheit.

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