Architektur-Reportage: Mit dem Wald gebaut

Energieeffizient, kostengünstig und räumlich überzeugend ist das Wohnhaus für eine dreiköpfige Familie. Basis dafür war das von h2c-Architekten entwickelte Konzept raumHaus.

Die Lage direkt am Waldrand ist einmalig. Gleichzeitig war sie aber auch eine Herausforderung für die Architekten.
Die Lage direkt am Waldrand ist einmalig. Gleichzeitig war sie aber auch eine Herausforderung für die Architekten.

(jgl) Das Haus steht in Uitikon Waldegg, unweit der Zürcher Stadtgrenze, etwas erhöht zwischen Kantonsstrasse und Wald. Es ist ein Ersatzneubau für ein Wohnhaus mit Baujahr 1937. Die Lage direkt am Waldrand ist einmalig. Gleichzeitig war sie aber auch eine Herausforderung: «Sie machte die Baueingabe aufwändiger als bei einem vergleichbaren Objekt», weiss Philipp Hauzinger von h2c-Architekten, «denn der Kanton, die Gemeinde und der Kreisförster waren involviert.» Trotzdem konnte bereits nach sechs Monaten mit dem Bau begonnen werden: «Die Bauherrschaft liess uns grossen Spielraum bei der Gestaltung und war offen für neue Ideen», erinnert sich Anna-Lena Heldt, die Partnerin von Philipp Hauzinger. Auf ihr Büro h2c mit Sitz in Beinwil am See stiess die Bauherrschaft aufgrund eines Artikels in der NZZ am Sonntag: «RaumHaus ist mehr als ein Haus, es ist ein Konzept», erklären Philipp Hauzinger und Anna-Lena Heldt zum Objekt, das sie 2009 für sich selbst gebaut haben. «Möglichst viel Raum für möglichst wenig Geld, energieeffizient und architektonisch überzeugend umgesetzt», so lauteten ihre Vorgaben für ihr Erstlingswerk, das gleichzeitig Prototyp war und in dem sie heute mit Kind und Hund leben und arbeiten.

Die stehen gelassenen Mauern eines Anbaus schützen den gedeckten Aussensitzplatzvom Lärm der Strasse, darüber liegt eine Terrasse, von wo ein Aufgang zur Dachterrasse führt.
Die stehen gelassenen Mauern eines Anbaus schützen den gedeckten Aussensitzplatz vom Lärm der Strasse, darüber liegt eine Terrasse, von wo ein Aufgang zur Dachterrasse führt.

Der Wald als Nachbar

«Uns hat diese Idee gleich mehrfach überzeugt», so die Bauherrin, «die Gestaltungsfreiheit innerhalb des Hauses, die natürlichen Materialien, das Energiekonzept und die Reduktion aufs effektiv Wichtige waren für uns wesentliche Punkte.» Zudem hätten sie ein Haus gewollt, das ganz ihren Bedürfnissen entspreche, möglichst energieeffizient sei und auf die Besonderheiten des Grundstückes reagieren könne. Das RaumHaus war dafür flexibel genug. Gegen die stark befahrene Strasse schliesst sich das Volumen grösstmöglich. Es steht auf dem Keller des Vorgängerbaus: «Dadurch erklärt sich die nicht rechtwinklige Form des Grundrisses», so Philipp Hauzinger. Rückwärtig wird der Wald durch die grossflächigen Öffnungen Teil des Innenraums: Im Erdgeschoss blickt man ins Unterholz, im oberen Stock glaubt man sich mitten im Wald und auf der Dachterrasse schweift der Blick in die Baumwipfel und die fernen Alpen. Die 145 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich auf zwei Geschosse. Die parallel zur strassenseitigen Aussenwand liegenden Wände und die quer dazu gestellte Treppe strukturieren das Innere und schaffen spannende Raumfolgen. Im oberen Geschoss trennt eine elf Meter lange Bücherwand die beiden Schlafzimmer von der Erschliessungszone, die zugleich als Arbeitsbereich und Musikzimmer genutzt wird. Das Bad liegt zwischen den beiden Zimmern und ist von beiden Seiten zugänglich.

Essen- und Küchenbereich mit Blick in den Wohnbereich des Erdgeschosses.
Essen- und Küchenbereich mit Blick in den Wohnbereich des Erdgeschosses.

Im Erdgeschoss befinden sich die Küche, ein offener Wohnraum, ein WC mit Dusche, das Entrée und der Technikraum. Die stehen gelassenen Mauern eines Anbaus schützen den gedeckten Aussensitzplatz vom Lärm der Strasse, darüber liegt eine Terrasse, von wo ein Aufgang zur Dachterrasse führt.

Durch die Verwendung des gleichen Materials für Boden, Wände und Decken entsteht eine Art innere Haut, welche die Räume zusammenbindet.
Durch die Verwendung des gleichen Materials für Boden, Wände und Decken entsteht eine Art innere Haut, welche die Räume zusammenbindet.

Effizient in jeder Hinsicht

Die Konstruktion des Hauses aus dampfdiffusionsoffenen Blockholzplatten ist im Innenraum sichtbar: «Diese Lösung ist kostengünstig», so Philipp Hauzinger. Aber nicht nur das: Durch die Verwendung des gleichen Materials für Boden, Wände und Decken entsteht eine Art innere Haut, welche die Räume zusammenbindet. Innerhalb von zwei Tagen stand das Gebäude, dessen Elemente in der Fabrikationshalle bereits mit integrierten Installationen vorgefertigt wurden. Neben einer praktikablen und kostenbewussten Architektur sollte das Haus am Wald möglichst energieautark sein: «In Bezug auf den Heizwärmebedarf entspricht es dem Passivhausstandard», erklärt Anna-Lena Heldt. Geheizt wird mit einem Pellets-Schwedenofen, auf dem begrünten Dach sind Solarkollektoren zur Warmwassererzeugung und eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung installiert. Eine Fassade aus druckimprägniertem Nadelholz umgibt das schlichte Volumen. «Ein Material, das resistent ist gegen Feuchtigkeit und sich aufgrund der Nähe zum Wald empfiehlt», erklärt Philipp Hauzinger. Gibt es etwas, was die Bauherrschaft rückblickend anders machen würde? «Einzelne Details vielleicht, aber nichts wirklich Wichtiges», ist das Fazit der Bauherrschaft, die auf eigenen Wunsch eng in den Bauprozess eingebunden war. Sie hätten dieses Engagement sehr geschätzt, sagen h2c-Architekten, die bereits zwei weitere Raumhäuser realisieren – eines hat das altersgerechte Wohnen zum Thema, das andere wird an einem Hang stehen. Was zeigt, dass das Konzept raumHaus ein programmatischer Ansatz ist, der sich individuell und auf den Ort bezogen umsetzen lässt.

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