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Architektur-Reportage: Wohnen in der Landwirtschaftszone

In der Landwirtschaftszone in Hondrich bei Spiez fällt ein Minergie-P-Einfamilienhaus auf: Es sieht neu aus, ist aber auf «alt» gemacht. Denn wegen kantonaler Auflagen musste es sich äusserlich stark an seinem Vorgänger-Bau orientieren. Innen jedoch ist es durch und durch zeitgemäss.

Das Aussehen des Neubaus musste sich eng an seinen Vorgängerbau anlehnen.
Das Aussehen des Neubaus musste sich eng an seinen Vorgängerbau anlehnen.

(mei) Die Geschichte dieses Einfamilienhauses in Hondrich liest sich ein wenig wie ein Märchen. Denn sie beginnt mit einem alten Haus, in dem ein alter Mann lebte. Nachdem er gestorben war, stand das Haus mit zwei Wohnteilen und einem Wirtschaftsteil lange leer. Fast drei Jahrzehnte, um genau zu sein. Zur Erbengemeinschaft, der das Haus gehörte, zählte auch Stefan Gfeller. Der Enkel des vorherigen Besitzers wollte das alte Gebäude schliesslich übernehmen. Da in der Familie niemand anderes Interesse hatte, bekam das Haus so einen neuen Eigentümer. Seine ursprüngliche Idee, das über 100-jährige Haus zu renovieren, musste der Bauherr allerdings bald aufgeben: Die Substanz war einfach zu schlecht. «Mancherorts konnte ich mit dem blossen Finger ins Holz bohren und morsche Stücke herausreissen», erzählt Stefan Gfeller.

Speziell sind die Gymwände, die als willkommenen Sichtschutz dienen.
Speziell sind die Gymwände, die als willkommenen Sichtschutz dienen.

Strenge Auflagen

Mit dem Neubau beauftragten die Bauherren den Zimmermann und Bauleiter Hugo Rainer von Wiedmer Holzbau. Beim Projekt mit dabei war das Amt für Gebäude und Raumordnung des Kantons Bern. Denn weil sich das ursprüngliche Haus in der Landwirtschaftszone befunden hatte, galten spezielle Richtlinien für die Gestaltung des Neubaus. So mussten die Ausrichtung, der Neigungswinkel des Dachs, die Firsthöhe, die Befensterung mit Gymwänden und das Fassadenmaterial vom ursprünglichen Gebäude übernommen werden. Zudem durfte der Neubau nur max. 30 Prozent mehr Wohnfläche besitzen. Weiter waren Sonderbewilligungen nötig, weil das Gebäude zu nahe an der Strasse wie auch zu nahe am Wald stand bzw. steht.

Weil bei der originalen Gebäuderückseite keine Treppe nach draussen führte, musste auf einen Balkon verzichtet werden. Nun führt eine Treppe mit breiten Tritten nach draussen.
Weil bei der originalen Gebäuderückseite keine Treppe nach draussen führte, musste auf einen Balkon verzichtet werden. Nun führt eine Treppe mit breiten Tritten nach draussen.

Intensive Auseinandersetzung

Die Zusammenarbeit mit dem Amt für Gebäude und Raumordnung hat der Bauherr in guter Erinnerung: «Unsere Vorschläge gingen ein paar Mal hin und her. Der Prozess war sicher schwerfälliger als bei einem normalen Neubau. Durch die Verlangsamung erhielten wir jedoch Gelegenheit, uns viele Gedanken zum Haus zu machen.» Die intensive Auseinandersetzung erwies sich als Plus: Gerade für die Bauherrin, die aus einer Stadt stammt, war der Umzug ins ländliche Hondrich eine Sache, mit der sie sich erst anfreunden musste: «Ganz am Anfang hatten wir auch überlegt, das Haus zu vermieten», erzählt Sybille Gfeller. Doch dann hätten sie sich so eingehend mit ihm beschäftigen müssen, dass sie entschieden, es mit ihrem Nachwuchs selbst zu bewohnen. Zumindest bis auf weiteres: «Wir wollen uns keinen Druck auferlegen und betrachten dies nicht unbedingt als Entscheid fürs Leben», so der Bauherr.

Beliebte Ausbauvariante mit heller Küche und Parkettboden.
Die Küche überrascht mit einem farblichen Akzent: Als Front wählten die Bauherren rostbraune MDF-Platten. Das Erdgeschoss zeichnet sich durch einen grosszügigen Ess- und Wohnbereich aus. Eine breite Treppe führt ins Obergeschoss zu den Schlafzimmern. Wegen der vorgegebenen Firsthöhe blieb kein Platz für einen Estrich – die Bauherrschaft entschied sich stattdessen für hohe Räume.

Nur wenig originale Substanz

2012 erfolgte der Abriss, 2013 entstand der Minergie-P-zertifizierte Neubau mit 190 Quadratmetern Nettowohnfläche. Die Fichtenholz-Konstruktion in Leichtbauweise erlaubte es, das Haus innert dreier Tage aufzurichten. Geheizt wird primär mit einer Solaranlage, die das Warmwasser in einem grossen Jenni-Wärmepspeicher erwärmt. Reicht dies nicht aus, kommen ein Schwedenofen im Wohnbereich und ein Holzpellets-Heizkessel im Keller zum Einsatz. Vom alten Gebäude blieb nur wenig übrig: Lediglich ein Teil des Fundaments konnte beibehalten werden. Zudem haben die Bauherren zwei Möbelstücke vom alten Haus gerettet und auf Vordermann gebracht: ein Buffet und ein Holzschrank. Zwei Jahre nach dem Einzug hat sich die Familie gut eingelebt: Ihr Zuhause am Waldrand ist beiden Bauherren längst ans Herz gewachsen. Es mag vielleicht kein Märchenschloss sein, aber weit davon entfernt ist es nicht.

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