Architektur-Reportage: Liebevolle Details

Ein Einfamilienhaus im bernischen Ersigen zeigt, wie einfach sich schönes Wohnen auch dann realisieren lässt, wenn das Leben vor allem praktisch sein sollte.

Für die Fassade des dreistöckigen Hauses wurde mit einer Vorvergrauungslasur behandeltes Tannenholz verwendet, was eine gleichmässige Patina ermöglicht.
Für die Fassade des dreistöckigen Hauses wurde mit einer Vorvergrauungslasur behandeltes Tannenholz verwendet, was eine gleichmässige Patina ermöglicht.

(mei) Eigentlich wollte die Bauherrenfamilie mit drei Kindern ein Gebäude kaufen statt selbst eines bauen – bis alles anders kam und sie in einem neuen Quartier in Ersigen eine Parzelle erstehen konnten. Auch die Wahl des Architekten verlief anfänglich nicht reibungslos. Drei Anläufe waren nötig, bis die Bauherren einen Architekten fanden, der zu ihnen und ihren Vorstellungen passte. «Die ästhetischen Ansprüche zwischen Bauherrschaft und Architekt müssen übereinstimmen, damit die Zusammenarbeit erfolgreich ist», sagt die Bauherrin. «Und auch das Bauchgefühl muss stimmen, denn man verbringt viel Zeit miteinander», ergänzt Martin Aeschlimann, der in Burgdorf ein Architekturbüro führt.

Draussen sitzen, ohne exponiert zu sein

Auf dieser Terrasse sitzt es sich selbst bei Regen bequem.
Auf dieser Terrasse sitzt es sich selbst bei Regen bequem.

Die Bauherren wollten ein architektonisch ansprechendes und gleichzeitig praktisches Gebäude, in dem es sich gut leben lässt. Im Falle der fünfköpfigen Familie bedeutete dies eine gedeckte Terrasse, auf der sich bereits die ersten Frühlingsstrahlen geniessen lassen, selbst wenn die Temperaturen noch nicht besonders einladend sind. «Wir sind gerne draussen und wünschten uns eine möglichst lange Outdoor-Saison», so die Bauherrin. Die Terrasse hat sich seit dem Einzug der Familie im Juni 2009 bereits bestens bewährt: Sie bietet nicht nur Schutz vor dem Wetter, sondern dank der Holzwand im Rücken auch viel Geborgenheit.

Praxistaugliche Lösungen

Trotz des offenen Grundrisses bietet das Parterre viele Rückzugsmöglichkeiten.
Trotz des offenen Grundrisses bietet das Parterre viele Rückzugsmöglichkeiten.

Drinnen ist es nicht minder behaglich – was der Terrasse zumindest mitzuverdanken ist. Wegen ihr ist der Grundriss des Erdgeschosses ausgeschnitten, was trotz Offenheit zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten bietet. Und ebenso viele Gestaltungsmöglichkeiten, haben die Bauherren doch schon einige Male ummöbliert. Besonders zufrieden sind sie mit dem Essbereich, der längs auf beiden Seiten von einer Wand umgeben ist – was im Parterre mit seinen grosszügigen Glasflächen nicht selbstverständlich ist. «Uns war wichtig, dass es im Erdgeschoss neben den offenen Ecken auch ruhige Orte für den Rückzug hat. Zum Beispiel fürs Essen», meint die Bauherrin, die es schätzt, dass sie im Erdgeschoss auf Vorhänge verzichten kann.

Das auch im Badezimmer geplante Eichenparkett musste einem Plättliboden weichen, da dieser pflegeleichter ist.
Das auch im Badezimmer geplante Eichenparkett musste einem Plättliboden weichen, da dieser pflegeleichter ist.

Praktisch ist auch die Wahl von Eichenparkett, das wegen seiner Härte für eine Familie mit Kindern gut geeignet ist. Im Bad musste es allerdings einem Plättliboden weichen, da dieser pflegeleichter ist, auch wenn vom Gang bis zur Badewanne durchgehender Parkett schöner gewesen wäre. Überhaupt ist das Minergie-zertifizierte Gebäude pflegeleicht: Die Raumerwärmung erfolgt – wie im ganzen Quartier – durch Fernwärme mittels Holzschnitzelheizung, was den Arbeitsaufwand für die Bauherren stark reduziert. Für die Erwärmung des Warmwassers ist allerdings auch eine Solaranlage auf dem Dach des Einfamilienhauses besorgt, die bei Bedarf von der Heizung unterstützt wird. Die Bauweise im Holzelementbau schliesslich garantiert ein angenehmes Raumklima.

Das Auge wohnt mit

Liebevolle Details sorgen für eine sanfte Stimmung.
Liebevolle Details sorgen für eine sanfte Stimmung.

Wohin der Blick im Innen- und Aussenbereich auch fällt, überall trifft er auf kleine Details, die von viel Liebe zeugen. Sie tragen die Handschrift der Bauherrin, einer gelernten Kindergärtnerin, die zugibt, dass ihr das Einrichten viel Spass macht. Eine Freude, die in jedem Raum allgegenwärtig ist, besonders gut aber in den Kinderzimmern mit ihren kleinen und grossen Märchenfiguren zum Vorschein kommt. Selbst die funktionale Küche muss nicht auf Schnickschnack verzichten: Zwischen all den praktischen Dingen hängt dort eine «Kuckucksuhr» mit Schaf, die beim Herausfahren – wie könnte es auch anders sein – freie Sicht aufs nächste liebevolle Arrangement hat: Über dem Esstisch hängt eine Reihe fröhlicher Girlanden, die selbst bei Regenwetter für gute Laune sorgen.

Zusätzliche Informationen

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