Architektur-Reportage: Genuss für drinnen und draussen

In Langnau hat der Architekt Thomas Kaufmann für sich und seine Familie ein Haus gebaut, das optimal ausgerichtet ist – punkto Aussicht und Lebensqualität.

Mitten in Langnau steht es, das erste Minergie-P-Gebäude im Emmental.
Mitten in Langnau steht es, das erste Minergie-P-Gebäude im Emmental.

Mitten in Langnau steht es, das erste Minergie-P-Gebäude im Emmental. Zum Grundstück kam der Bauherr und Architekt Thomas Kaufmann durch einen «glücklichen» Zufall: Als seinem Auftraggeber, dessen Haus Kaufmann umbaute, das Geld ausging, entschädigte er den Architekten mit einem Stück Land. Darauf steht seit 2004 das Einfamilienhaus Minergie-P BE-003-P, wie die offizielle Zertifizierung lautet. Dass sein eigenes Haus ein hohes Mass an Energieeffizienz ausweisen musste, war für Kaufmann, der seit rund zehn Jahren nach den Minergie-Standards baut, selbstverständlich.

Der Aussicht zugewandt

Die grosse Fensterfläche des Gebäudes ist nach Westen ausgerichtet.
Die grosse Fensterfläche des Gebäudes ist nach Westen ausgerichtet.

Aller Energieeffizienz zum Trotz verläuft die Ausrichtung des Gebäudes allerdings zum Westen hin. Dies liegt zum einen an der grossen Nähe zum Nachbarhaus, einem schützenswerten Bauernhaus, was ein nach Süden ausgerichteter Bau erfordert hätte. Die Nachbarn wie auch der Denkmalpfleger wollten einen möglichst grossen Abstand zwischen dem Neubau und dem Bauernhaus. «Uns ist an einem guten Auskommen mit den Nachbarn gelegen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Missachtung der Wünsche unserer Nachbarn nicht ausbezahlt hätte», erklärt Kaufmann. Der Entscheid, das Gebäude nach Westen auszurichten, ist ihm ohnehin leicht gefallen: Dank einer optimalen Aussicht gegen Westen profitiert das Ehepaar Kaufmann von der gewählten Ausrichtung des Hauses.

Die Beschattung des Gebäudes schliesst die Terrasse mit ein.
Die Beschattung des Gebäudes schliesst die Terrasse mit ein.

Eine eingelassene Terrasse, die nicht nur gross, sondern sehr gross ist, zeugt von der Bedeutung, die sowohl die Aussicht als auch das Draussen-Sein für die Bauherren haben: «Die Terrasse umfasst gleich viele Quadratmeter wie der Wohnbereich nebenan», meint Kaufmann. Damit er sie auch an heissen Sommertagen unbeschwert geniessen kann, verläuft die Beschattung des Gebäudes nicht der Fassade entlang, sondern schliesst die Terrasse mit ein. Das hat noch einen weiteren Vorteil, weiss Kaufmann: «Auf diese Weise wirkt der Innenraum optisch grösser.»

Sonnenenergie und Abwasserwärme

Für die aktive Sonnenenergiegewinnung sorgt zunächst eine Fensterfläche von 3 x 5,5 Metern auf der Südseite, die viel Wärme ins Innere eindringen lässt. Unterstützt wird dies durch einen Boden mit dunklen Schieferplatten. Damit die Wärme optimal gespeichert wird, wurde das Gebäude in der so genannten Holztafelbauweise erstellt, einer massiven Holzkonstruktion. Kaufmann schätzt, dass damit bereits 60 % der Wärme erzeugt wird. Der Rest wird je zur Hälfte über einen grossen Stückholz-Kachelofen sowie mit dem Wohnen verbundene Tätigkeiten gewonnen, wie Kochen, die Benutzung eines Computers oder menschliche Abwärme.

Was im Winter so viel Wärme generiert, kann im Sommer schnell zum Problem werden. Nebst einer guten Beschattung ist eine Nachtauskühlung erforderlich, sagt Kaufmann. Diese erfolgt nicht durch die Komfortlüftung, sondern durch ein Öffnen der Fenster, weil dadurch der Luftaustausch verstärkt werden kann. Weil sich das Gebäude in einem ruhigen Quartier befindet, entsteht dabei im Vergleich zur Komfortlüftung, bei der die Fenster geschlossen bleiben, kein Nachteil.

Die Warmwassergewinnung erfolgt durch eine Wärmepumpe. Das Ungewöhnliche daran: Als Wärmequelle kommt Abwasser zum Zuge, wobei ein Erdreichverdampfer dem Abwasser die Wärme entzieht. Dazu hat Kaufmann rund ums Haus Leitungen verlegen lassen, die parallel zum Abwasser verlaufen.

Sparsamer Innenausbau

Holz bestimmt den Innenausbau.
Holz bestimmt den Innenausbau.

Das Bauherrenpaar liess sich den Genuss seiner Aussicht und die damit verbundenen Fenster, die sich über beide Geschosse erstrecken, etwas kosten und wählte u.a. eine Dreifachverglasung. Das Resultat: Die Aussicht lässt sich drinnen ohne störenden Luftzug geniessen. Gespart hat Kaufmann dafür andernorts: «Wir haben auf einfache Sanitärapparate geachtet und konnten ganz auf Maler oder Gipser verzichten.» Möglich machen dies Wände und Decken aus Tannenholzplatten und, an einer Stelle im Schlafzimmer, aus Lehm. Die gewählten Materialien haben überdies den Vorteil, dass sie auch ökologisch sinnvoll sind, was ein weiteres Anliegen der Bauherrschaft darstellte. Nach sechs Jahren in seinem Einfamilienhaus zieht Kaufmann denn auch ein positives Fazit. Etwas allerdings würde er heute anders lösen: Die Steuerung der Komfortlüftung, die im Keller lokalisiert ist, würde er in den Wohnbereich verlegen – gerade in der heissen Jahreszeit könnte die Lüftung jeweils tagsüber im heruntergekühlten, beschatteten Innenraum für frische Luft sorgen.

Zusätzliche Informationen

Adrian Moser, Hans Mosimann, hausinfo Artikel drucken