Architektur-Reportage: Modernisiertes Reihenhaus

Vom Heizungsersatz zur energetischen Sanierung: Wie eine Familie ihr altes Reiheneinfamilienhaus in St. Gallen renovierte. Und fast nebenbei die Wohnqualität markant erhöhte.

Dank der Innendämmung konnte der Charakter der Reihenhaussiedlung bewahrt werden.
Dank der Innendämmung konnte der Charakter der Reihenhaussiedlung bewahrt werden.

(mei) Eigentlich wollten die Bauherren bloss eine neue Heizung für ihr neu erworbenes 4-Zimmer-Reihenendhaus mit Baujahr 1948. Das war auch bitter nötig: Der alte Öl-Speicherofen, der sich im Wohn-/Essbereich im Erdgeschoss befand, und sein Plastiktank im Keller rochen gehörig nach Öl. Zudem war die Kellerdecke kaum gedämmt, was zu einem unangenehm kalten Fussboden im Wohn-/Essbereich führte. Auch in den drei im Obergeschoss liegenden Räumen, den Schlafzimmern der Eltern und der beiden Kinder, war es nicht besonders behaglich: Die Wärmeverteilung vom Speicherofen her erfolgte durch einen Luftkanal ins Obergeschoss, wobei nur zwei der drei Räume überhaupt beheizt werden konnten.

Energiekonzept statt Einzelmassnahmen

Im Gespräch mit dem Architekten und Baubiologen Peter Wenig stellte sich bald heraus, dass der Ersatz der Heizung komplizierter würde als angenommen, da auch die Wärmeverteilung neu gemacht werden musste. Wenig empfahl dafür die Strahlungswärme von Wandheizungen: «Diese haben den Vorteil, dass sie besonders behaglich und effizient sind und die Heizungsleistung dementsprechend reduziert werden kann.»

Herzstück der neuen Heizung ist der Stampflehm-Speicherofen, der als Blickfang im Wohn-/Essbereich steht, aber von der Küche aus mit Stückholz betrieben wird.
Herzstück der neuen Heizung ist der Stampflehm-Speicherofen, der als Blickfang im Wohn-/Essbereich steht, aber von der Küche aus mit Stückholz betrieben wird.

Ausserdem riet der Architekt, erst die schlechte Dämmung des Gebäudes zu verbessern, damit keine Heizung gekauft werden musste, die nach einer Dämmung zu einem späteren Zeitpunkt dann überdimensioniert gewesen wäre. Die Bauherren entschieden sich für eine Innendämmung mit Schafwolle Holzwolle-Leichtbauplatten und einem Lehmputz. Sie weist den Vorteil auf, dass sie Feuchtigkeit gut aufnehmen und abgeben kann. Der Entscheid für die Innendämmung erfolgte aus gestalterischen Gründen, denn nur so konnte der Charakter der Reihenhaussiedlung mitten in St. Gallen bewahrt werden. Hinzu kam, dass eine Aussendämmung wegen der kleinen Fenster und der beträchtlichen grossen Leibungen viel Lichtverlust zur Folge gehabt hätte.

Kleine Massnahme mit grosser Wirkung: Ein dicker Filzvorhang am Übergang vom Entrée zum Wohn-/Essbereich vom Entrée wirkt isolierend.
Kleine Massnahme mit grosser Wirkung: Ein dicker Filzvorhang am Übergang vom Entrée zum Wohn-/Essbereich vom Entrée wirkt isolierend.

Zur Verbesserung der Dichtigkeit der Gebäudehülle liessen die Bauherren die Fenster der Wohnräume ersetzen, die noch aus dem Erstellungsjahr stammten. Des Weiteren wurden die restlichen Fenster sowie die Haustür wärmetechnisch optimiert, indem die Doppel-Verglasung durch Isolierglas ersetzt und eine Dichtung im Falz eingebaut wurde. Eine weitere Massnahme bestand in der Dämmung der Kellerdecke. Im Winter sorgt ein dicker Filzvorhang am Übergang vom Entrée zum Wohn-/Essbereich dafür, dass die Strahlungswärme des Ofens und der Wandheizung nicht entweicht. «Der Temperaturunterschied auf den beiden Seiten des Vorhangs ist gut spürbar», sagt die Bauherrin Daniela Lieberherr zum Erfolg dieser einfachen Massnahme.

Die Erwärmung des Brauchwassers erfolgt mittels einer Solaranlage auf dem Dach, die einen Deckungsgrad von ca. 70% aufweist.
Die Erwärmung des Brauchwassers erfolgt mittels einer Solaranlage auf dem Dach, die einen Deckungsgrad von ca. 70% aufweist.

Bei der Wahl der Heizung waren ebenfalls ästhetische Gründe mitentscheidend: Die Wahl der Bauherren fiel auf einen Stampflehm-Speicherofen, der als Blickfang im Wohn-/Essbereich steht, aber von der Küche aus mit Stückholz betrieben wird. Die Erwärmung des Brauchwassers erfolgt zu 70% mittels einer Solaranlage auf dem Dach. Sie wurde so dimensioniert, dass sie in der Übergangszeit die Heizung unterstützt.

Offenere Grundrisse

Das WC, das vorher im Eingangsbereich gelegen war, musste aus Platzgründen in den Keller weichen.
Das WC, das vorher im Eingangsbereich gelegen war, musste aus Platzgründen in den Keller weichen.

Die Bauherren liessen es nicht bei einer energetischen Sanierung bleiben: Offenere Grundrisse im Erdgeschoss stellen sicher, dass das 68 m² kleine Haus etwas weniger eng wirkt. Dafür wurden einige Mauern entfernt, so dass der Wohn-/Essbereich nun aus einem einzigen Raum besteht. Ausserdem musste das WC, das vorher im Eingangsbereich untergebracht war, in den Keller weichen. Das Bad mit WC befindet sich im Obergeschoss.

Alt, retro und wieder in ist die Tapete aus dem Erstellungsjahr.
Alt, retro und wieder in ist die Tapete aus dem Erstellungsjahr.

Um den immer noch geringen Platz im Entrée optimal zu nutzen, liessen die Bauherren ein Geländer zur Kellertreppe einbauen, das zugleich als Schuhregal dient. Mit der Renovation wurde zudem der alte Parkettboden wieder freigelegt, der vom früheren Eigentümer mit einem Laminat bedeckt worden war. Aus dem Erstellungsjahr des Gebäudes ist auch die Tapete im Entrée.

Ersatz der Elektroinstallationen

Nebst den Grundrissen wurden auch die Elektroinstallationen in Angriff genommen. «Unsere Schlafplatz-Messungen der elektrischen und magnetischen Wechselfelder in der Planungsphase ergaben sehr hohe Werte», sagt Wenig. Die Bauherren beschlossen deshalb, die Elektroinstallation durch neue zu ersetzen, die unter baubiologischen Gesichtspunkten installiert wurden. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Aufklärung über selbst erzeugten Elektrosmog, z.B. durch WLAN oder Schnurlostelefone wie Dect-Telefone. Als Folge davon schlafen der Bauherr und die Tochter wieder besser, und die Kopfschmerzen letzterer, die mit dem Einzug ins Haus begannen, sind wieder verschwunden. So haben die getroffenen Massnahmen nicht nur die Energiebilanz, sondern auch den Wohnkomfort nachhaltig verbessert.

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