Architektur-Reportage: Roter Kubus in Thun

Im Seefeldquartier in Thun ist ein Einfamilienhaus im Minergie-P-Eco-Standard entstanden, das nicht nur äusserlich viel zu bieten hat.

(mei) Altehrwürdige Gebäude in diskreten Farbtönen prägen das Thuner Seefeldquartier – hier wohnt man seit Generationen zurückhaltend und gepflegt. Ein Gebäude allerdings sticht aus dem winterlichen Grau heraus: Leuchtend rot und in kubischer Form steht es für eine zeitgemässe Architektursprache.

Blickfang von aussen

Von der Terrasse im zweiten Obergeschoss aus geniesst die Familie einen schönen Ausblick auf die Bergwelt des Berner Oberlands.
Von der Terrasse im zweiten Obergeschoss aus geniesst die Familie einen schönen Ausblick auf die Bergwelt des Berner Oberlands.

Für die kubische Form entschied sich die Bauherrschaft, Gabriela Tejada und Thomas Benz, aus ästhetischen Gründen. Wegen den Bauvorschriften durfte das oberste Stockwerk nicht die gleiche Kubatur aufweisen wie die darunter liegenden, sondern musste beidseitig nach innen versetzt werden, weshalb gleich zwei Terrassen entstanden. Und weil die Bauherren keine Holzpatina wünschten, wählten sie für die Fassade schliesslich eine rote Holzlasur.

Modernes Energie- und Ökologiekonzept

Der Boden ist im ganzen Haus aus geölter Eiche gefertigt, für die Decke kam Fichtenholz zum Einsatz, und die Wände innen bestehen aus gestrichenen Gipsplatten.
Der Boden ist im ganzen Haus aus geölter Eiche gefertigt, für die Decke kam Fichtenholz zum Einsatz, und die Wände innen bestehen aus gestrichenen Gipsplatten.

Auch konstruktiv ist das Gebäude zeitgemäss: Das Einfamilienhaus wurde im Holzständerbau mit vorfabrizierten Wandelementen und mit einer Fichtenschalung nach hohen energieeffizienten und ökologischen Anforderungen gebaut und entsprechend mit dem Label Minergie-P-Eco zertifiziert. Eine Bauweise, welche lediglich die gesetzlichen Minimalanforderungen erfüllen würde, kam nie in Frage: Die Bauherren, die Architekten Franziska und Ralph Schmidt und die Thuner Firma Impuls Holzbau Schreinerei, die das Gebäude als Holzelementbau geplant und ausgeführt hat und auch die Bauleitung übernahm, waren sich von Beginn weg einig, dass in Sachen Energie und Ökologie so optimiert wie möglich gebaut werden sollte.

Die Beheizung und Warmwasseraufbereitung erfolgt über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe und soll nun noch mit einem Schwedenofen für die wenigen Eistage im Jahr ergänzt werden, sagt Thomas Benz: «Der Ofen war zwar von Anfang an im Heiz-Konzept enthalten, doch wir wollten erst einen Winter lang schauen, wie es sich ohne zusätzliche Wärmequelle anfühlt. In den wirklich sehr kalten Tagen und Nächten haben wir festgestellt, dass die Wärmepumpenheizung aufgrund ihrer Dimensionierung an ihre Grenzen stösst und es zwar nicht kalt ist im Haus, aber auch nicht mehr ganz so behaglich, wie wir es gerne hätten.»

Individualität auch im Innenbereich

Die Küche wurde von der Thuner Firma Impuls Holzbau Schreinerei aus Fichtenholz mit beschichtetem Linoleum auf Mass gefertigt.
Die Küche wurde von der Thuner Firma Impuls Holzbau Schreinerei aus Fichtenholz mit beschichtetem Linoleum auf Mass gefertigt.

Individuell ist auch das mit viel Holz ausgestattete Innenleben des Gebäudes. Die Küche etwa wurde von Franziska Schmidt entworfen und von Impuls Holzbau Schreinerei aus Fichtenholz mit beschichtetem Linoleum auf Mass gefertigt. Die Abdeckungen sind aus Naturkunststein hergestellt. Für Böden und Decken kamen im Haus durchwegs geölte Eiche bzw. gestrichene Fichte zum Einsatz.

An der Wand im Wohnbereich hängt ein Kunstwerk der mexikanischen Textilkünstlerin Carmen Tejada, der Mutter der Bauherrin.
An der Wand im Wohnbereich hängt ein Kunstwerk der mexikanischen Textilkünstlerin Carmen Tejada, der Mutter der Bauherrin.

Der Essbereich befindet sich zusammen mit der Küche im Erdgeschoss. Der Wohnbereich liegt wegen der Topographie des Geländes etwas tiefer und bietet einen schönen Blick in den grossen Garten, in dem sich auch ein Baumhaus befindet. An der Wand hängt ein Kunstwerk der mexikanischen Textilkünstlerin Carmen Tejada, der Mutter von Gabriela Tejada. Dieser Teil des Gebäudes ist nicht unterkellert.

Treppe auf Mass.
Treppe auf Mass.

Leicht und geschwungen sollte die Treppe sein, welche die drei Stockwerke miteinander verbindet. Um diesem Wunsch nachzukommen, wurde dieses Modell eigens auf Mass angefertigt – ein weiteres Beispiel für die Liebe zum Detail, die in diesem Gebäude überall zu finden ist. Stäbe und ein Glaseinsatz sorgen für den nötigen Schutz und lassen gleichzeitig viel Licht nach unten fliessen.

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