Architektur-Reportage: Wohnen mit der Sonne

Eine Solarhaus-Siedlung im solothurnischen Riedholz zeigt, wie vielseitig die Kraft der Sonne mit einer ökologischen und schnörkellosen Bauweise im Minergie-P-Standard genutzt werden kann.

(mei) Die geschwungene Silhouette der Solarhaus-Siedlung Bodenrain in Riedholz ist bereits aus der Ferne erkennbar: Zwei lange Gebäudereihen mit grossen, sich über vier Etagen erstreckenden Fensterfronten prägen das Bild auf der Südseite, während die Fassade im Norden bescheidene Dimensionen annimmt. Womit wir bereits bei einem Kernpunkt der Solargebäude angelangt sind, der auch für die vierte, am Jurasüdfuss gelegene Überbauung des Architekturbüros Aarplan kennzeichnend ist: Der Lage an einem Südhang.

Pufferzonen zur Temperaturregeulierung

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Die Wintergärten auf der Südseite fungieren als Pufferzone.

Die Hanglage ist Voraussetzung für ein weiteres Merkmal der Gebäude, eine zwei Seiten umfassende Pufferzone, die für ausgeglichene Raumtemperaturen unerlässlich ist. Sie besteht aus Wintergärten auf der Südseite und Naturkellern auf der Nordseite. «Im Winter sorgen die Wintergärten mit ihrer Glasfassade für die nötige Erwärmung, während im Sommer die kühle Luft in den Naturkellern einer Klimaanlage gleich kühlend wirkt», bringt Ronald Huber von Aarplan das Konzept auf den Punkt. Damit das Konzept funktioniert, braucht es eine Lüftung, die je nach Saison – und Tageszeit – entweder Luft vom Wintergarten oder vom Naturkeller her ansaugt und durchs Haus führt, eine gute Beschattung im Sommer sowie Baumaterialien, die sich für eine starke Wärmespeicherung eignen. «Unsere Solarhäuser werden in Massivbauweise mit Beton und zementösen Unterlagsböden erstellt», erläutert Huber das 1993 eingeführte und seither weiterentwickelte System.

Soll es einmal wärmer sein, kommt ein mit Gas betriebener Ofen zum Einsatz, der den Raum innert einer halben Stunde um einige Grade aufheizen kann.
Soll es einmal wärmer sein, kommt ein mit Gas betriebener Ofen zum Einsatz, der den Raum innert einer halben Stunde um einige Grade aufheizen kann.

Wärme, Strom und Warmwasser

Dank diesem ausgeklügelten Konzept ist das Minergie-P-zertifizierte Gebäude selbst in der kalten Jahreszeit bei diffusem Licht angenehm warm, obwohl man nicht darum herumkommen wird, Socken und Pullover zu tragen. Und weil dies zwar ökologisch sinnvoll, aber vom Empfinden her nicht immer komfortabel genug ist, befindet sich in zwei Stockwerken je ein mit Gas betriebener Ofen, der die Wärme direkt in den Raum abgibt und ihn so innert einer halben Stunde um einige Grade aufzuheizen vermag. Die Nutzung der Sonnenenergie im Solarhaus ist aber mit der Raumerwärmung noch lange nicht erschöpft: Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach produziert ca. einen Drittel des benötigten Stroms. Das Warmwasser wird zu ca. 70% durch Sonnenkollektoren erwärmt.

Hart, aber herzlich

Sanfte Töne sorgen für ein Gefühl der Wärme.
Sanfte Töne sorgen für ein Gefühl der Wärme.

Der Innenausbau in den Solarhäusern erfolgt gemäss den Wünschen der Bauherren und kann individuell gestaltet werden. Mit einem gezielten Farb- und Materialeinsatz lässt sich so auch dem rau-grauen Look, der sich aus der Kombination von Beton und ebenfalls grauem Unterlagsboden sowie dem einfachen Ausführungsstandard, wie er etwa bei den Elektroanschlüssen zum Ausdruck kommt, eine weiche Seite abgewinnen. Eine Zartheit, die gewollt sein kann: Die Bauherrin und Eigentümerin eines der Solarhäuser besitzt eine Vorliebe für ein natürlich wirkendes Ambiente mit warmen, weichen Tönen, die dem Haus einen erdigen Charakter verleihen. So nämlich lautet das Resultat des von der Farbgestalterin Lisa Freiburghaus entwickelten Colorisa-Tests, mit dem sie die Wünsche ihrer Kunden in einem Farbenschlüssel sowie in Form- und Stilvorgaben für Materialien erfasst und auf diese Weise für einen roten Faden in der Einrichtung sorgt.

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Sanfte Töne sorgen für ein Gefühl der Wärme.

Grundlage für das Colorisa-Instrument sind Stimmungsbilder, mit denen die Bauherrin für jeden Raum das gewünschte Ambiente zum Ausdruck bringt. So sollte im offenen Wohn- und Küchenbereich ein Gefühl der Behaglichkeit und Wärme aufkommen, was seinen Niederschlag in sanften Rot- und Gelbtönen findet.

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Gelaugtes, weiss geöltes Eichenholz mit seinem verwitterten Look rundet den Innenausbau ab.

Im Schlafzimmer mit seinen kühlen, wenn auch immer noch zarten Blau- und Grüntönen herrscht hingegen eine leichtere Atmosphäre vor. So offenbart sich beim Gang durch das viergeschossige Haus ein stetiger Wechsel an Farbtönen und Farbintensitäten, der dank Freiburghaus dennoch eine Einheit bildet. Nicht zuletzt deshalb, weil einige Materialien immer wieder aufgegriffen wurden, so auch gelaugtes, weiss geöltes Eichenholz, dessen verwitterter Look die Einrichtung abrundet. Die Bauherrin ist denn auch mit der Zusammenarbeit zufrieden: «Diese Auswertung bot mir eine gute Orientierung, so dass ich in der Vielfalt der Möglichkeiten trotzdem rasch Entscheide fällen konnte.»

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