Architektur-Reportage: Umbau Theater Matte

Im Berchtoldhaus im Berner Mattequartier entsteht ein neues Theaterlokal. Im Herbst 2010 nimmt der Verein Theater Matte dort seinen Betrieb auf. Noch ist der Umbau des Theaters nicht abgeschlossen. Das Resultat ist aber bereits vielversprechend.

Im Zuge der Umbauarbeiten ist der Schriftzug «Berchtoldstube» in «Berchtoldhaus» abgeändert worden.
Im Zuge der Umbauarbeiten ist der Schriftzug «Berchtoldstube» in «Berchtoldhaus» abgeändert worden.

Anblick des Berchtoldhauses in der Mattenenge 1 beim Läuferplatz in Bern erstaunt die Tatsache, dass das historisch wirkende Gebäude Baujahr 1962 hat. Erst wenn man das Haus mit der auffälligen Wandmalerei des Berner Künstlers Oskar Weiss betritt, erkennt man, zum Beispiel an den Bodenfliesen, den für die 60er Jahre typischen Charme.

Das Haus liegt in der Denkmalschutzzone «untere Altstadt». Bei der Innenrenovation wurden aber keine Arbeiten ausgeführt, die denkmalpflegerisch relevant geworden wären.

Erst wenn man das Haus mit der auffälligen Wandmalerei des Berner Künstlers Oskar Weiss betritt, erkennt man, zum Beispiel an den Bodenfliesen, den für die 60er Jahre typischen Charme.
Erst wenn man das Haus mit der auffälligen Wandmalerei des Berner Künstlers Oskar Weiss betritt, erkennt man, zum Beispiel an den Bodenfliesen, den für die 60er Jahre typischen Charme.

Bauherrschaft und Besitzerin des Berchtoldhauses ist die Gemeinnützige Baugenossenschaft Bern. Langjährige Mieterin und auch Betreiberin des Restaurants «Berchtoldstube» war die Kirchgemeinde Nydegg. Nun teilen sich der Besuchsdienst Bern und der Verein Theater Matte den als Foyer benutzbaren Eingangsbereich, die Küche und die Toiletten im Erdgeschoss. In den beiden Untergeschossen befinden sich die Räumlichkeiten des Theaters: der Theatersaal, Büroräume sowie die Künstlergarderobe mit Schminkplätzen und dem Requisitenlager und eine Pausenbar für die Theatergäste. Die Macher des Theater Matte unter der Leitung von Livia Anne Richard, Markus Maria Enggist, Annemarie Morgenegg, Hank Shizzoe und Fredi Stettler, die auch die Macher des Theater Gurten sind, haben im Berchtoldhaus nun einen neuen zentralen Standort gefunden. Auch der Vizepräsident der Bauherrschaft, Peter Jordi, freut sich, die Räumlichkeiten einem Theater zur Verfügung stellen zu können und so das Kulturangebot in der Matte zu bereichern.

Neue Akustik und Optik

Vorher - nachher: Der Theatersaal und die Bühne, einst für Aufführungen der Kirchgemeinde genutzt, haben durch den Umbau einen neuen Charakter erhalten.
Vorher - nachher: Der Theatersaal und die Bühne, einst für Aufführungen der Kirchgemeinde genutzt, haben durch den Umbau einen neuen Charakter erhalten.

allem der Theatersaal und die Bühne, einst für Aufführungen der Kirchgemeinde genutzt, haben durch den Umbau einen neuen Charakter erhalten. «Der Raum brauchte eine neue Ausstrahlung», beschreibt Markus Maria Enggist, Schauspieler und technischer Leiter des Theaters Matte, die Bestrebungen der baulichen Veränderungen. Für Enggist war elementar, dass für die Bühne und Bühnenvorhänge nur die Farbe schwarz die gewünschte Wirkung erzielen kann. Auch die vormals tiefergehängte Bühnendecke wurde entfernt. Die neue Licht- und Tontechnik-Regie findet vor der Bühne in der ehemaligen Orgelpumpe ihren idealen Platz. Zur Verbesserung der Akustik wurde über die nun weiss gespritzte Decke zudem eine akustische Isolation geschoben.

Die dunkelroten raumhohen Samtvorhänge vermitteln dem Raum bereits viel Theatralik.
Die dunkelroten raumhohen Samtvorhänge vermitteln dem Raum bereits viel Theatralik.

Eine optisch starke Veränderung im Theatersaal konnte auch durch die Demontage der schwer wirkenden Deckenleuchter erreicht werden. In Kürze wird für die neue Saalbeleuchtung eine Lichtanlage mit neun LED-Spot-Leuchten installiert, die es erlaubt, den Raum in verschiedene Farben zu tauchen. «Die Lichtstimmung im Zuschauerbereich ist uns sehr wichtig», erklärt Enggist dazu. Noch fehlen sowohl die Tribüne als auch die Saalbestuhlung. Die dunkelroten raumhohen Samtvorhänge vermitteln dem Raum aber bereits viel Theatralik.

Pausenbar im Luftschutzraum

«Die grössten Veränderungen fanden zweifellos unter Putz statt», erläutert Bauleiter Simon Büschlen vom Architekturbüro Weiss und Kaltenrieder in Bern den Umbau. Sämtliche elektrischen Anlagen und Anschlüsse mussten den neuen Anforderungen entsprechend erweitert werden. Die Umnutzung eines Luftschutzraumes zur Pausenbar für die Theaterbesucher konnte wirkungsvoll umgesetzt werden. So kaschiert der satt blaue Anstrich der Decke und des obersten Teils der Wände subtil die vielen Leitungen und Rohre. Und die schweren Luftschutztüren, deren Entfernung sehr aufwändig geworden wäre, wirken schon fast wie Stilelemente und sorgen für eine besondere Atmosphäre in der Bar

Durch den Standort in einem urbernischen Quartier wie der Matte, wird in den Produktionen des Theaters Matte meist Berner Mundart gesprochen.
Durch den Standort in einem urbernischen Quartier wie der Matte, wird in den Produktionen des Theaters Matte meist Berner Mundart gesprochen.

Mundart in der Matte

Eine Herausforderung des Umbaus bestand darin, die Zugänge zu den Kellerräumen der privaten Wohnungsmieter der oberen Stockwerke des Berchtoldhauses zu separieren. Büschlen: «Wir haben mit allem Mieterparteien und der Bauherrschaft Lösungen gesucht und gefunden». Auch Enggist empfand die aktive Mitgestaltung an den baulichen Prozessen als Vorteil und ist zufrieden mit dem Ergebnis. Er freut sich auf die erste Theatersaison der Theaters Matte, die am 23. Oktober beginnt. Inhaltlich werden die Produktionen oft gesellschaftspolitische oder sozialkritische Themen ansprechen, in der Regel in Berner Mundart. Durch den Standort in einem urbernischen Quartier wie der Matte, liege es, laut Enggist, auf der Hand, dass vor allem Mundart gesprochen werde.

Das Programm und weitere Informationen finden Sie unter www.theatermatte.ch.

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