Bauherrenbegleitung: Gegossen, geschliffen und geölt

Dämmen, abdecken, giessen und dreimal schleifen und ölen mit grossen Wartezeiten dazwischen: Das Einbringen eines Anhydritbodens ist nicht ganz ohne. Und mit Glück kamen die Hausbauer in Utzenstorf um ein aufwändiges Wiederholen herum.

Der Anhydritboden im Wohnbereich vor dem dritten und letzten Mal Ölen.

(msc) Ursprünglich hatten sich die Bauherren einen Parkettboden vorgestellt. Schliesslich fiel die Wahl aber auf Anhydrit. So hat der Boden in Heidi Lutstorfs und Dietrich Böglis neuem Heim jetzt Gewicht – zumindest beim Einbau oder besser Einguss: 12 Tonnen Fliessanhydrit wurden laut Rolf Schafroth von der Firma Maxit im 5½-Zimmer-Haus eingebracht.

Anhydrit und Kork sind die Bodenmaterialien im Obergeschoss.

Anhydrit als Unterlage für Kork

Fast überall beträgt dabei die Dicke das Mindestmass von 30 mm. Bei einem dünneren Boden bestünde die Gefahr des Zerreissens. Einzig der Vorraum im Obergeschoss ist mit 41 mm Anhydrit bedeckt. So erreichen die leicht niedrigeren Zimmerböden mit dem anschliessend darauf montierten Kork dasselbe Niveau.

Dampfbremse schön verkleben.

Bodengiessen auf der Dampfbremse

Der ganze Boden brauchte bis zur Fertigstellung viel Zeit. Gegossen wurde er bereits Anfang November. Zuvor musste der rohe Holzboden aber präpariert werden: Die Bodenmacher verlegten 20 mm dicke Pavaboard-Dämmplatten und 22 mm Pavapor-Trittschalldämmung. Dann musste der gesamte Boden und jede noch so kleine Ritze mit der Dampfbremse – einem mit Alu kaschierten Papier – und Klebband abgedichtet werden

Den Fliessanhydrit einbringen.
Und die Luftbläschen aus der Masse vertreiben.

Luftbläschen vertreiben

Nach dem Giessen – mit genauer Messung der Dicke – rüttelte Adrian Imhof von Imhof Böden und Beläge den Fliessanhydrit mithilfe eines langen Stabes sorgfältig durch. Damit sollen Lufteinschlüsse verhindert werden, die vor allem bei kalten Temperaturen öfter aufträten, wie Imhof sagt. Das Gemisch aus Naturanhydrit (Calciumsulfat), Anhydrit, Sand, Gips und Wasser beginne dann bereits nach ein paar Stunden zu erhärten: «Nach einem Tag kann man darüberlaufen, und nach einer Woche ist der Boden teilbelastbar, das heisst, man kann beispielsweise eine Leiter daraufstellen», sagt der Bodenfachmann

Erst das dritte Mal ölen bringt die gewünschte dunkle Farbe.

Das Steinöl bringt die Farbe

Erst Ende Jahr ölte Imhof schliesslich das dritte und letzte Mal. Die anfänglich hellgraue Farbe verwandelte sich nach dem mehrmaligen Abschleifen und Behandeln des Boden mit von Naturpigmenten durchsetztem Steinöl in eine beruhigend wirkende anthrazit-farbene Oberfläche

Unsauberes Abdecken während Arbeiten an den Wänden hatte Flecken zur Folge - an diesen Stellen wurde das Öl nicht richtig angenommen.

Silikonrückstände verursachen Flecken

Völlig reibungslos lief die Sache nicht ab: Flecken in der Farbe riefen vor dem letzten Mal Ölen den Architekten und den Bodenmacher auf den Plan. «Die Wände wurden mit Silikonharzputz gemacht, dabei war der Boden nicht sauber abgedeckt. Silikonrückstände gerieten so auf den Boden, und an diesen Stellen wurde das gefärbte Öl abgewiesen», erklärt Adrian Imhof. Bei den betroffenen Stellen pinselt er Öl hin, um zu schauen, ob es noch immer nicht angenommen wird – was glücklicherweise nicht der Fall ist, wie sich nach wenigen Stunden zeigt. Imhof, der Architekt und Bauherr Dietrich Bögli atmen auf. Im schlimmsten Fall hätte der Bodenfachmann alles abschleifen und komplett neu ölen müssen – eine Arbeit von mehreren Tagen mit unerwünschter Zeitverzögerung und Mehrkosten als Folge. Denn das Öl sollte 10 Tage trocken können. «Wenn man vorher beispielsweise Möbel darauf herumschiebt, kann es sein, dass die Oberfläche wie Hobelkäse abgeraspelt wird», veranschaulicht Imhof. Und bis Ende Januar sollten die Bauherren einziehen können...

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