Bauherrenbegleitung: Der Innenausbau

Angesicht der vielen Angebote ist ein Innenausbau eigentlich alles andere als einfach. Dank klaren Vorstellungen, Budgets und weiteren Rahmenbedingungen ging es bei Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli aber relativ zackig.

Wer für ein neues Haus den Innenausbau bestimmt, dem kann sehr schnell alles über den Kopf wachsen.

(msc) Badarmaturen, Kochplatten, WC-Schüsseln, Schubladengriffe, Plättligrössen, -farben und -mengen, Steamermodelle, Wandfarben, Bodenvarianten in Holz, Kork, Stein, Kunststoff, Keramik – wer für ein neues Haus den Innenausbau bestimmt, dem kann sehr schnell alles über den Kopf wachsen.

Bei Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli war dieses Problem verhältnismässig klein, und zwar aus verschiedenen Gründen: Sie hatten recht klare Vorstellungen ihrer Wünsche, teilten Entscheidungen auf, weitere Einschränkungen gab es durch die Budgets, und nicht zuletzt ist in einem Minergie-P-Haus nicht ganz alles empfehlenswert.

Anhydrit ist pflegeleicht, einfärbbar, kann abgeschliffen und geölt werden.

Der Boden

«Ganz am Anfang dachten wir: Natürlich nehmen wir einen Parkettboden», sagt Heidi Lutstorf. Dieser bietet in einem Passivhaus aber zu wenig Wärmespeicher. In Frage kamen dann fugenlose Böden wie Euböolith, Marmoleum oder Anhydrit. Diese Varianten schaute sich Lutstorf bereits im Juli an, unter anderem zusammen mit dem Architekten Hansruedi Bader in einem bestehenden Einfamilienhaus. Hier ging es dann recht schnell: Ein paar Fotos, umhergehen, schauen – und die Lehrerin war bald überzeugt. «Jetzt hat es sich geklärt: Ziel erreicht», sagte sie lachend zu Bader.

Für den mineralischen Anhydrit, der als Unterlagsboden auf beiden Etagen gegossen wird, spricht in den Augen der Bauherren vieles: «Er ist geeignet für Minergie-P, man kann ihn abschleifen und ölen, einfärben, er ist pflegeleicht – und hat uns sehr gefallen», fasst Heidi Lutstorf zusammen. Und nicht zuletzt ist er auch relativ günstig. In ihrem Haus soll der Boden «anthrazitig, eher dunkel» werden. In den Kinderzimmern und im Schlafzimmer im Obergeschoss wollen sie auf den Anhydrit selbst einen Kork verlegen – «der ist weich, warm, natürlich und gefällt uns von der Farbe her», sagt Lutstorf.

Wände und Decken

Auch bei den Wänden bestimmt weitgehend Heidi Lutstorf: «Die Farbgebung ist eher meine Sache.» Im Erdgeschoss bleiben die Wände voraussichtlich weiss, im oberen Stock werden sie eventuell dezent bunt: «Für die Kinderzimmer kommt am ehesten ein Gelb- oder Grünton in Frage, im Schlafzimmer ist es noch unklar, vielleicht ein Erdton», sagt die Lehrerin. Das pressiere aber auch nicht, da die Hauseigentümer ja immer noch ummalen können, wann sie wollen. Eine Grundfarbe erhält der mineralische Abrieb auf den Gipsfaserplatten an den Wänden auf alle Fälle, Struktur hingegen kaum: Die Bauherren wollen einen feinkörnigen Abrieb.

Die Decke bildet im Parterre eine Sichtbalkenlage aus Fichtenholz, im Obergeschoss wird das Holz hell lasiert.

Die Küche in 3D-Visualisierung noch mit einem Hochschrank zu viel und einer etwas zu grossen Kochinsel.

Die Küche

Wie die Küche angeordnet wird, ist schon ziemlich lange klar. Im grossen Wohn-Ess-Kochbereich im Erdgeschoss des Hauses ist sie in einer Ecke angeordnet und zusätzlich mit einer Kochinsel ausgestattet. Von der ersten Wunschküche mussten die Bauherren aber ein paar Abstriche machen «Die Offerte lag fast das Doppelte über dem Budget», sagt Heidi Lutstorf lachend. Aber sie hätten eigentlich erwartet, dass ihr Budget von 22 000 Franken für ihre Wünsche eher zu knapp bemessen war. Jetzt gibt es einen Hochschrank weniger, keine Übergrössen, und die Kochinsel wurde etwas angepasst.

Aber zufrieden ist Lutstorf immer noch: «Mir war klar, dass die erste Variante nichts Definitives sein würde; ich bin gar nicht enttäuscht.» Beim Auswählen und Planen verglichen sie und Dietrich Bögli vor allem mit ihrer heutigen Küche: Sie schauten, was praktisch ist, was es nicht braucht, was welche Grösse hat. Die Farbe bestimmte wieder Lutstorf: Ein Burgunderrot wird die Fronten zieren. Als Abdeckung wählten sie geöltes Buchenholz. Geliefert wird die Küche von EK Küchen, eingebaut wird sie vom Schreiner Robert Jau aus Utzenstorf, der zusammen mit Dietrich Bögli auch noch andere Arbeiten am Haus übernimmt.

Bei den Armaturen haben sich die Bauherren für das Modell «Swisstop» entschieden.

Das Bad

Von Anfang an ziemlich einig waren sich die Bauherren auch beim Badezimmer: «Wir werden eher unkonventionelle Wege gehen, denn wir sind beide keine Plättli-Fans», sagt Dietrich Bögli. In den Nassbereichen sollen deshalb anstelle der üblichen Fliesen dreifach geölte Lärchenholzplatten zum Einsatz kommen – ein System, das Bögli bereits beim Renovieren der kleinen Mietwohnung im Bauernhaus seiner Eltern ausprobierte. Die zwei Lavabos im Bad werden ebenfalls in einer solchen Platte eingelassen. Da Lutstorf und Bögli auch Spiegelschränke und Schäftli unter den Lavabos nicht besonders mögen, werden sie den Spiegel direkt an der Wand anbringen und Tablare und eventuell ein Sideboard als Stauraum und Ablageflächen installieren.

Eingeschränkt wurde die Auswahl bei Wanne, Dusche, WC und Armaturen auch stark durch das Budget von Fr. 11 000.- für Bad im Obergeschoss und Dusche/WC im Parterre. «Wir waren bei Sanitas Troesch und bei Richner; es gibt ja wahnsinnige Sachen, aber wir wollten einfach etwas Schlichtes», erzählt Bögli. Die «normalen» Toiletten beispielsweise würden aber fast etwas versteckt in einer Ecke hinten präsentiert, beschreibt Lutstorf ihren Besuch in der Badausstellung. Die gewählten Elemente sind weiss, schlicht und im Vergleich zum Möglichen ziemlich günstig.

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