Bauherrenbegleitung: Leben im Krafthaus

Seit kurzem wohnt die Familie Bögli-Lutstorf, die ehemaligen «Bauherren in spe», in ihrem Einfamilienhaus in Utzenstorf. Zeit für eine erste Bilanz.

Kraftwerk und Kraftort in einem: Das Minergie-P-Eco-Haus produziert Energie und bietet den Bewohnern Raum zum Auftanken.

(mei) Mit ihrem Einfamilienhaus haben sich Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli nicht nur den Traum vom Minergie-P-Haus, sondern auch etliche ästhetische Wünsche realisiert. «Für mich war immer klar, dass unser Haus einmal Sichtbalken aufweisen müsste, damit man die Holzstrukturen gut sehen kann», meint Lutstorf. Diese Balken zieren nun die Decke im Wohn- und Essbereich.

«Auch bei der Fassade wussten wir sofort, was wir wollten. Wir entschieden uns für die Stülpschalung, gleich nachdem wir zum ersten Mal eine sahen», erzählt die Bauherrin. Bei dieser Schalung, die dem Schindel-Prinzip nachempfunden ist, läuft das Wasser gut ab. Das unbehandelte Lärchenholz weist so eine hohe Lebenserwartung auf und wird im Laufe der Jahre eine schöne Patina annehmen.

Fenster mit Aussicht

Für den Architekten Hansruedi Bader ist bei diesem Bau in optischer Hinsicht vor allem die Verwendung von natürlich strukturierten Materialien gelungen. Im feinkörnigen Bündner Putz an den Wänden sind noch die Streichbewegungen der Maler sichtbar, und auch der dunkel geölte Anhydritboden lässt die Grundstruktur erkennen. «Zusammen mit dem Holz, das wir für den Innenausbau verwendet haben, hat sich ein Haus ergeben, das man gerne berührt», meint Bader.

Bis zu den Sichtbalken beträgt die Raumhöhe 2,6 m, bis zur Decke sogar 2,82 m.

Wert gelegt hat Bader auch auf eine überdurchschnittlich grosse Raumhöhe, damit im Haus ein Gefühl von Weite entsteht. So ist ein Erdgeschoss entstanden, das vom Boden bis zum Anfang der Sichtbalken 2,6 m und bis zur Decke sogar 2,82 m hoch ist. Für das Obergeschoss wählten die Bauherren eine Höhe von 2,6 m.

Ein weiteres Merkmal des neuen Einfamilienhauses sind vier «Aussichtsfenster», die in der Küche, im Wohnzimmer, im Eltern-Schlafzimmer und im Bad zu finden sind. Die breiten, aber nicht hohen Fenster sind so platziert, dass man auf Augenhöhe gut hinaus schauen kann, ohne zugleich viel Einblick zu bieten. Für die Panoramafenster im Büro und im Eltern-Schlafzimmer wurde bewusst eine tiefe Brüstung gewählt. Würden die Fenster bis zum Boden führen, so entwiche gemäss Feng Shui viel Energie.

Mehr Komfort - und Kosten - gibt's dank den Schubladentablaren.

Im Budget geblieben

Das Budget von Fr. 570'000.- dürfte beim Bau weitgehend eingehalten worden sein. Die Schlussabrechnung ist allerdings noch offen, da noch nicht alle Handwerker abgerechnet haben. Klar ist allerdings, dass die Bauherren bei der Küche über dem ursprünglichen, mit Fr. 22'000.- eher tief angesetzten, Budget liegen. Der Grund dafür liegt teils in Wünschen nach mehr Komfort. Für die Küchenschränke hat Lutstorf statt den eigentlich vorgesehenen Tablaren so genannte Schubladentablare gewählt, die sich ausziehen lassen. Zudem werden sie beim Zurückschieben mittels «Slow-Motion»-Funktion abgebremst. Ein weiterer Grund für die Mehrkosten liegt in den zusätzlichen und breiteren Elementen.

Gesundes Krafthaus

Das neue Zuhause der Familie Bögli-Lutstorf ist eines der ersten Minergie-P-Eco-Einfamilienhäuser der Schweiz. Laut Bader fallen die Mehrkosten und die Mehraufwände für das Eco-Label minimal aus. «Wir haben maximal Fr. 2'000.- mehr ausgegeben als für ein reines Minergie-P-Haus», meint der Architekt, der bei all seinen Projekten grossen Wert auf eine ökologische Bauweise legt.

Das Haus, das mehr Energie produziert als konsumiert, ist laut dem Architekten im wahrsten Sinne des Wortes ein Krafthaus. «Das Gebäude ist ein Kraftwerk, arbeitet mit den Kräften der Natur und stellt für die Bauherren auch einen Kraftort dar, an dem sie ihre Batterien aufladen können», sagt Bader. Derzeit klappt dies allerdings noch nicht reibungslos, da die Stromfreischaltung noch nicht auf alle Geräte reagiert.

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