Bauherrenbegleitung: Auf dem Weg zum Kraftwerk

Das Haus von Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli ist zwar noch lange nicht bezugsbereit. Aber ein Teil ist schon bald in Betrieb: Die Photovoltaikanlage speist demnächst Strom ins Netz ein.

Dietrich Bögli hilft bei der Installation der Module der Photovoltaikanlage von jura-energie.ch mit.

(msc) Als Omen für die Energieproduktion auf dem Einfamilienhaus von Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli soll der erste Tag gelten, an dem der Bauherr und Jean Oppliger von jura-energie.ch Photovoltaik-Module auf das Dach buckelten: Es war ein strahlend schöner Oktobertag. Am zweiten Tag hingegen – als die Anlage fertig montiert wurde – hätte sie eher wenig Strom ins Netz eingespiesen: Das Balancieren in der Höhe war eine heikle und nasse Angelegenheit, und die bereits befestigten Module funktionierten vor allem als Regenschutz fürs noch nicht gedeckte Dach.

Die rund 55 m² Solarzellen werden gut 6000 Kilowattstunden Strom im Jahr ins Netz einspeisen.

Sonne für Strom...

Mit einer Fläche von etwa 55 m² werden die Solarzellen aber demnächst zünftig Strom produzieren. «Wir rechnen mit gut 6000 Kilowattstunden pro Jahr. Das sollte mehr als doppelt so viel sein, wie wir voraussichtlich selbst brauchen werden», sagt Dietrich Bögli. Eine solche Anlage hat natürlich ihren Preis: Fr. 78 000.- bezahlen die Bauherren in Utzenstorf dem Lieferanten, inklusive Montage. Müsste der Strom zum bisher üblichen Preis von 15 Rappen pro kWh ins Netz eingespiesen werden, wäre dies eine rein ideelle Investition.

Die Bauherren haben aber das Glück, in den Genuss der kostendeckenden Einspeisevergütung des Bundes zu kommen.

Die Bauherren haben aber das Glück, in den Genuss der kostendeckenden Einspeisevergütung des Bundes zu kommen. Diese wird ab Anfang 2009 erstattet und ist bei der Anlage in Utzenstorf «wirklich kostendeckend», wie Dietrich Bögli errechnet hat. Da sie in die kleinste Kategorie fällt und zudem ins Dach integriert ist, gibt es den Höchstbeitrag von 90 Rappen pro kWh. «Nach 20 Jahren Betrieb wäre die Anlage amortisiert – aber die Betriebsdauer ist natürlich die grosse Unbekannte: Die Frage ist, wie stark die Leistung der Solarzellen abnehmen wird.» Zwei Zähler im Haus messen den Stromfluss: Einer zeigt, was durch die Photovoltaikanlage ins Netz eingespiesen wird. Diesen Strom müssen die Bernischen Kraftwerke (BKW) abnehmen, abgerechnet wird aber über die Nationale Netzgesellschaft (Swissgrid). Den anderen Zähler hat jeder Stromnutzer im Haus: Er registriert, was die Bauherren verbrauchen.

... und für Wärme

Elektrizität ist aber nicht das einzige, was die Sonne auf Lutstorfs und Böglis Haus produzieren wird. Neben der Photovotaikanlage bedecken 10 m² Kollektoren das südgerichtete Dach. Sie heizen das Brauchwarmwasser auf und ergänzen Heizung. «Im Sommer werden wir sicher einen Überschuss an Wärme haben», meint Dietrich Bögli. In der Übergangszeit dürfte die Solarwärme teilweise zum Heizen reichen; schliesslich nutzt das Minergie-P-Haus – das P steht für die passive Energienutzung – auch noch die direkte Sonneneinstrahlung, die durch die grossen Fenster an der Südseite fällt und im Boden gespeichert wird.

Der Stückholzofen «Momo» von Tiba mit Anschluss ans Heizsystem.

Ergänzung mit Holz

In den kalten Tagen ergänzt ein Stückholzofen im Wohnbereich die Heizanlage. Der Ofen ist wie der Kreislauf der Kollektoranlage an den Speicher angeschlossen. Heidi Lutstorf und Dietrich Bögli haben das Modell «Momo» von Tiba gewählt. «Mit Wasserheizsystemen gibt es nicht so viele Öfen – und dieser hat uns wegen des schlichten Designs überzeugt», sagt Lutstorf. «Momo» sieht aus wie ein moderner Schwedenofen, soll aber über den integrierten Wasserwärmetauscher 70% der Wärme ans Heizungssystem abgeben und 30% direkt an die Umgebung. Insgesamt könnte das Einfamilienhaus von Lutstorf und Bögli eine positive Energiebilanz erreichen, also ein kleines Kraftwerk werden – dann nämlich, wenn die Menge des nicht gebrauchten eingespiesenen Stroms die mit dem Holz zugeführte Energie übertrifft

Zusätzliche Informationen

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