Modelle für die Berechnung von Architekturleistungen

Bauen ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Eine gründliche Planung erlaubt eine entsprechend gut koordinierte Ausführung. Es lohnt sich daher schon für kleinere Vorhaben, einen Architekten beizuziehen und sich seine Leistungen vorgängig offerieren zu lassen. In unserem Beitrag erfahren Sie die gängigsten Verrechnungsmodelle für Architekturaufwendungen.

Es lohnt sich schon für kleinere Vorhaben, einen Architekten beizuziehen und sich seine Leistungen vorgängig offerieren zu lassen.
Es lohnt sich schon für kleinere Vorhaben, einen Architekten beizuziehen und sich seine Leistungen vorgängig offerieren zu lassen.

(stö) Für die Verrechnung von Architekturleistungen gibt es keine Vorschriften, d.h. es sind lediglich die allgemeinverbindlichen Regelungen des Obligationenrechts wie z.B. einfacher Auftrag oder Werkvertrag massgebend.

SIA-Norm 102 am meisten gebräuchlich

Wenn ein Architekt Mitglied des Berufsverbandes SIA ist (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein), wird er in der Regel nach der entsprechenden SIA-Norm 102 abrechnen. Das Architektenhonorar beträgt einen bestimmten Prozentsatz, z.B. 10 – 20 Prozent, der gesamten Bausumme.

Der Planungs- und Baubegleitungsprozess gliedert sich in mehrere Stufen auf, die mit unterschiedlichen Koeffizienten gewichtet werden. Diese werden vom SIA jährlich neu festgelegt.

Verrechnungsstufen nach SIA

Die verschiedenen, auf 100 Prozent aufgerechneten Stufen sind:

  •        Vorprojektphase
  •        Projektphase
  •        Vorbereitung der Ausführung
  •        Ausführungsphase
  •        Abschlussphase

Hierbei umfasst die Ausführungsphase, also das Ausstellen von Unternehmer- und Lieferantenverträgen, die definitiven Ausführungspläne, die gestalterische Leitung sowie die Bauleitung bereits knapp die Hälfte der in Rechnung gestellten Leistungen. Derweil werden die Vorprojektphase (Problemanalyse, Studium von Lösungsmöglichkeiten und Vorprojekt mit Grobschätzung der Baukosten und Termine) derzeit mit knapp 10% und die Abschlussphase mit knapp 5% gewichtet.

Dieses Vorgehen erlaubt einerseits eine detaillierte Aufschlüsselung der zu erbringenden Leistungen. Gleichzeitig kann der Architekt auf diese Weise Teilrechnungen (Anzahlungen) für erbrachte Leistungen im vereinbarten Umfang stellen.

Ideal: Pauschalhonorar

Wo möglich und sinnvoll sollte die Bauherrschaft auf Grundlage der obigen Berechnungen mit dem Architekten ein Pauschalhonorar vereinbaren. Ein pauschal vereinbarter Betrag gewährt in Bezug auf die Kosten in jedem Fall eine grössere Planungssicherheit.

Honorar nach Aufwand: Offerte einholen

Wenn die SIA-Norm 102 nicht angewendet werden kann oder sich Bauherrschaft und Architekt auf ein anderes Verrechnungsmodell einigen, wird oftmals nach Aufwand, also nach Arbeitsstunden und Einsatz von Technik zu einem entsprechenden Ansatz abgerechnet. Hierfür sollte unbedingt eine Offerte eingeholt werden, zumal auch bei kleineren Bauvorhaben seitens des Architekten ein beträchtlicher Aufwand entstehen kann. So kann z.B. die Digitalisierung eines einfachen Anbaus bereits verhältnismässig hohe Kosten verursachen.

Mehrkosten: Unklarheiten vorbeugen

Bauen ist oftmals mit Unwägbarkeiten verbunden. Änderungen an der Ausführung können für den Architekten Mehrkosten zur Folge haben, welche er – je nach vertraglicher Vereinbarung – in Rechnung stellt. Auch bei Pauschalhonoraren kann die Abgeltung möglicher Mehrkosten Vertragsbestandteil sein. Es lohnt sich daher zusammen mit dem Architekten genau zu definieren, welche Leistungen mehrkostenberechtigt sind, ob beispielsweise der Einbau eines teureren Geschirrspülers als ursprünglich vorgesehen der Bausumme zugeschlagen und womöglich zu einem höheren Mehrkostenansatz prozentual in Rechnung gestellt werden kann.

Wann beginnt ein Auftrag?

Auch lohnt es sich zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt zu definieren, in welchem rechtlichen Verhältnis Bauherrschaft und Architekt zueinander stehen. Sollte ein Projekt nicht zur Ausführung gelangen, für das der Architekt aber bereits bestimmte Vorleistungen ohne Vertrag erbracht hat, können daraus komplizierte rechtliche Forderungen entstehen, die sich mit einer von vornherein geklärten Rechtslage verhindern liessen.

Fazit

Das Verhältnis zwischen Bauherrschaft und Architekt ist ein Vertrauensverhältnis. Je klarer der Auftrag und dessen Abrechnung definiert sind, desto besser können sich die beiden Parteien dem eigentlichen Zweck ihrer Zusammenarbeit, nämlich dem Bau oder Umbau eines Gebäudes zuwenden und dabei sicher sein, dass das Vertrauensverhältnis nicht durch unklare Vereinbarungen in Mitleidenschaft gezogen wird.

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