Grundriss optimal planen

Wie man sich bettet, so bequem liegt man. Und wie viel Platz man sich ergattern kann, so grosszügig wird gewohnt. Wohnungen mit gutem Grundriss zeigen aber, dass oft unnötiger Raum beansprucht wird.

Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person nimmt markant zu.
Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person nimmt markant zu.

(knü) Ob man Freunde zum Essen eingeladen hat oder es sich einen Abend lang ungestört auf dem Sofa gemütlich machen will: Beim Wohnen wird ausreichender Platz äusserst geschätzt, wobei das räumliche Empfinden sehr subjektiv und variabel zu werten ist. Ein messbarer Trend setzt sich dennoch durch: Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person nimmt markant zu. Seit 30 Jahren hat die pro-Kopf-Fläche in jeder Dekade um jeweils 5 m² zugenommen. Heute liegt der Wert bei rund 48 m²; und für das Jahr 2030 wird ein durchschnittlicher Wohnflächenbedarf von rund 55 m² pro Person vorausgesagt.

Doch ohne die Zeiten mit 10 m² bis 14 m² kleinen Zimmern herbeizuwünschen oder sich im kleinen Kämmerlein einigeln zu müssen: Gemütliches, bequemes und grosszügiges Wohnen ist auch in bescheidenen Verhältnissen möglich. Vor allem die intelligente Grundrissplanung erlaubt, kompakte Räume optimal zu nutzen – was einer mehrköpfigen Familie etwa eine gute Mischung aus Rückzugszonen und Gemeinschaftsflächen bieten kann. So klein wie möglich bauen, verringert zudem die Erstellungs- und Betriebskosten.

Nutzungsfläche umfassend bestimmen

Zwar sind minimale Raumhöhen zwischen 2,30 m und 2,40 m aus hygienischen Gründen gesetzlich vorgegeben. Und auch beim alters- oder behindertengerechten Bauen sind Grössen- und Flächenvorgaben zwingend einzuhalten. Doch wie gross eine Wohnung oder ein Haus sein darf, ist nicht normiert und wird meistens durch das verfügbare Budget bestimmt. Dennoch dürften Einfamilienhäuser mit einer Fläche zwischen 100 m² und 140 m² die grosse Mehrheit bilden. Zur Nutzfläche sind aber auch Reserveflächen, Erschliessungszonen oder der Stauraum zu zählen. Die innere Struktur verlangt jedoch immer eine klare Raumzuweisung: Wird zweistöckig gebaut, werden Schlafzimmer und Rückzugsorte oft im Obergeschoss platziert. Wohnräume oder die hauptsächlichen Aufenthaltsbereiche sind hingegen dort vorzusehen, wo die Sonne für viel Wärme und Licht sorgen kann. Tatsächlich beeinflusst der Grundriss den künftigen Energieverbrauch unmittelbar.

Thermische Zonen

Empfohlen wird, das Haus in thermische Zonen zu unterteilen. Im Idealfall lassen sich die Kernbereiche nach Süden – zur Wärme hin – ausrichten. Dagegen sind Räume mit geringerem Wärmebedarf vorteilhaft gegen Norden hin platziert. Unbeheizte Gebäudeteile, zum Beispiel das Treppenhaus oder ein Abstellraum, können die nördliche Grenze und dadurch eine Pufferzone gegen aussen bilden. Wichtig ist auch, die ständig beheizten Räume aneinanderzulegen, so dass die Energiebezugsfläche kompakt gehalten werden kann. Und obwohl gefangene Badezimmer oft nicht zu vermeiden sind, ist zu beachten, dass diese Räume später mit einigem Energieaufwand belüftet und beleuchtet werden müssen. Aus Komfortgründen lohnt es sich jedoch, Badezimmer und WC zu trennen und separate Räume vorzusehen.

Offen oder geschlossen?

Offene Wohn- und Essbereiche haben sich in den letzten Jahren zum unverzichtbaren Wohnstandard entwickelt. Doch bisweilen sind die einzelnen Räume wieder für sich konzipiert: Da sich eine Familie am häufigsten beim Essen trifft, werden vermehrt grosse und geschlossene Küchen gewünscht. Derweil zieht man sich im Wohnzimmer gerne in die ruhige Nische zurück. Nicht nur die Kinder werden grösser und beanspruchen mehr eigenen Platz, sondern auch die Erwachsenen ändern ihren Raumbedarf respektive wollen im Alter nicht plötzlich vor unnötigen Hürden stehen. Wichtig ist daher, Grundrisse flexibel zu gestalten: Gleich grosse Zimmer erlauben eine variable Nutzung und leichte Trennwände sind baulich einfach zu verändern. Doch bei der optimalen Grundrissplanung sind auch Grenzen zu erkennen. So ist das Nebeneinander von Kinderzimmer und Heimbüro oft nur mit Bedacht zu wählen – will man sich beim Wohnen nicht allzu schnell gestört fühlen.

Definitionen:

Hauptnutzfläche (HNF): Gesamte bewohnbare Fläche einer Wohnung ohne Wände, Abstellräume oder Keller. Oft auch als (Netto-)Wohnfläche bezeichnet.

Nebennutzfläche (NNF): Fläche aller Nebenräume wie Estrich oder Keller.

Nettogeschossfläche: Zur Nettogeschossfläche gehören die Flächen aller beheizten Wohnräume, welche mit einem Bodenbelag belegt werden könnten. Aber Achtung: Auch Flächen unter der Küchenkombination, unter der Badewanne und unter Einbauschränken gehören dazu.

Bruttogeschossfläche (BGF): Flächendefinition zur Berechnung der Ausnützungsziffer, in den kantonalen Baugesetzen definiert; keine Relevanz für Mieter und Immobilienkäufer.

Energiebezugsfläche (EBF): Summe aller ober- und unterirdischen Geschossflächen, die innerhalb der thermischen (gedämmten) Gebäudehülle liegen und für deren Nutzung ein Beheizen oder Klimatisieren notwendig ist.

Buchtipps

«Der optimale Grundriss», Bettina Rühm, DVA 2004

An mehr als 50 Häusern wird gezeigt, welche Arten von Grundriss für welche Nutzergruppen besonders vorteilhaft sind. Es wird erläutert, worauf es bei der Planung von Grundrissen ankommt (Erschliessung, Zuordnung und Grösse von Räumen, Belichtung und Besonnung, Wirtschaftlichkeit). Die deutsche Autorin ist Architektin und ausschliesslich publizistisch tätig.

«Lust auf Wohnen», Holly Becker, Joanna Copestick; Callwey 2011

Über 1000 Ideen, Wohn- und Lebensräume unterschiedlicher Grösse zu gestalten. Joanna Copestick ist Innenarchitektin und beitreibt in England eine Einrichtungsfirma. Daneben hat sie sich als Fachautorin international einen Namen gemacht, mit den Schwerpunktthemen sind Wohndesign, Innenarchitektur und Familienleben.

Zusätzliche Informationen

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