So sparen Sie beim Hausbau

Beim Bauen lässt sich nicht nur viel Geld ausgeben. Mit einer guten Planung, der sorgfältigen Wahl der Partner und der Einschränkung der eigenen Wünsche beherzigen Sie wichtige Punkte, welche mithelfen, die Baukosten im Budget zu halten. Zudem sagen wir Ihnen, in welchen Bereichen Sie beim Hausbau besser nicht sparen sollten.

Eine gute Planung, die sorgfältige Wahl der Partner und die Einschränkung der eigenen Wünsche helfen mit, die Baukosten im Budget zu halten.
Eine gute Planung, die sorgfältige Wahl der Partner und die Einschränkung der eigenen Wünsche helfen mit, die Baukosten im Budget zu halten.

(aes) Wer hierzulande ein Einfamilienhaus baut, hat mit Kosten von einer halben bis zu einer ganzen Million zu rechnen – ohne Land und Umgebungsgestaltung. Bei einem mittleren Ausbaustandard macht das pro Kubikmeter Bauvolumen etwa 800 Franken, gegen oben ist die Skala offen. Angesichts dieser Zahlen stellt sich schnell die Frage, ob es nicht auch günstiger geht. Wo lassen sich Kosten sparen? Wo zahlt sich das Abspecken nicht aus? Der Zürcher Architekt Valentin Loewensberg rät potenziellen Bauherren, schon vor dem Bau die Grundsatzüberlegung anzustellen: Reicht das vorhandene Budget tatsächlich für ein Einfamilienhaus oder setzt man nicht lieber auf eine Eigentumswohnung? Laut Loewensberg kostet der Wohnraum im Einfamilienhaus nämlich fast doppelt so viel wie in einer Wohnung im Mehrfamilienhaus.

Wir nennen Ihnen drei wichtige Punkte, wie sich die Kosten beim Hausbau im Rahmen halten lassen:

  1. Sorgfältige Partnerwahl

    Wer sich für den Bau eines Einfamilienhauses entscheidet, hält am besten bereits bei der Planung die Kosten im Auge. Laut Hans Röthlisberger, selbständiger Architekt, Bauherrenberater und Autor, ist die Wahl eines kostenbewussten Architekten wichtig, wenn nicht gar entscheidend. Doch wie findet man heraus, wie preisbewusst ein Architekt ist? «Voraussetzungen sind, dass ein Architekt ein Grundinteresse am günstigen Bauen hat, sich im Kostenwesen gut auskennt und die Bauleitung möglichst im eigenen Büro betreibt», weiss Röthlisberger. Sei dies nicht der Fall, müsse ein externes Baumanagement bereits in der Entwurfsphase beigezogen werden. Loewensberg rät darüber hinaus, nebst dem Architekten auch Fachplaner und Unternehmer sorgfältig zu wählen.

  2. Wünsche im Zaum halten

    Die Bauherrschaft ihrerseits kann einiges dazu beitragen, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Wer seine Pläne im Verlauf des Baus laufend ändert, verursacht Mehraufwände für alle Beteiligten. Folglich ist es ratsam, sich Zeit zu nehmen für die Planung, damit man sicher ist, die richtige Lösung gefunden zu haben. Auch Extras gehen ins Geld: Nischen, Dachgauben oder Auskragungen lassen die Baukosten schnell in die Höhe schnellen, ebenso Experimente mit wenig bewährten Materialien und Technologien. Röthlisberger rät deshalb, bei einfachen, standardisierten Systemen und Produkten zu bleiben. Das heisst, einheitliche Türen-, Fenster- und Dachformen sowie die Beschränkung auf wenige und erprobte Materialien. «Es ist meistens keine gute Idee, das Bauen neu erfinden zu wollen», weiss der Bauherrenberater.

  3. Die Kunst des Weglassens

    Verzicht ist ein weiteres Mittel, um Kosten zu sparen. Wie viel Platz benötige ich wirklich? Wie viel Komfort kann ich mir leisten? Wer diese Überlegungen von Anfang an in die Planung einbezieht, fährt kostenmässig besser. Auch beim Innenausbau lässt sich sparen, doch das Potenzial relativiert sich schnell, macht dieser doch lediglich etwa ein Achtel der Erstellungskosten aus. Dennoch gibt es eine beträchtliche Preisspanne bei den Materialien, etwa bei Parkettböden. Auch bei Küchen und Bädern sind die Unterschiede gross. Bei Haushaltsgeräten und Armaturen lohnt es sich, genau zu überlegen, was man braucht. Will man eine Rainshower Duschbrause, die pro Minute 25 Liter Wasser verbraucht? Braucht es neben Backofen und Combisteam auch noch eine Wärmeschublade? Nutzt man den Tumbler tatsächlich? Kosten lassen sich auch mit einem Edelrohbau tiefer halten, bei dem etwa die inneren Oberflächen wie Wände und Decken unbehandelt bleiben.

Wo spart man besser nicht?

Experten raten ab, bei der Wahl des Energiesystems zu sparen, denn oftmals erweist sich dies längerfristig als Bumerang. Denn ein energieeffizientes Haus hält die Betriebskosten über die Jahre deutlich tiefer, was allfällig höhere Initialkosten in der Regel schnell wettmacht. Auch extremer Kostendruck auf die Handwerker ist laut Röthlisberger kontraproduktiv: «Der Handwerker muss am Auftrag auch etwas verdienen können. Ist der Werklohn zu tief, kann dies mangelhafte Qualität oder Verspätungen zur Folge haben, verbunden mit schwer nachvollziehbaren Nachforderungen.» Von der Beschaffung handwerklicher Leistungen und Produkte aus dem Ausland verspricht sich Röthlisberger nicht allzu viel. Ausnahmen könne man allerdings bei der Beschaffung von kompletten Typenhäusern etablierter ausländischer Anbieter mit Marktpräsenz in der Schweiz machen oder bei einfachen Produkten wie etwa keramischen Bodenplatten.

Was tun bei Budgetüberschreitung?

Liegt der Kostenvoranschlag trotz aller Sorgfalt über dem Budget, gibt's nur eines: Leistungen reduzieren, entweder beim Projektumfang oder beim Ausbaustandard. Dringend abzuraten ist eine Reduktion der Reserven, denn, so weiss Röthlisberger aus Erfahrung: «Die Kosten verschwinden nur temporär und tauchen während der Ausführung in der Regel wieder auf.»

Literatur zum Thema

«Mit wem baue ich? Bauausführung aus Bauherrensicht»

Autor: Hans Röthlisberger (2013), ca. 500 Seiten, Franken 145.­–

Der grösste Teil des Buches kann kostenlos unter www.roeplaner.ch gelesen werden, wo es auch bestellt werden kann.

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