Moderne Gebäudefassaden

Fassaden machen Häuser: Das umgewandelte Sprichwort gilt für Gebäude mehr als jenes mit den Kleidern für Menschen. Ob hinterlüftet und aus Holz, aus Klinker oder mit Wärmedämmung: Die Fassade bestimmt nicht nur das Aussehen, sondern hängt eng mit der ganzen Konstruktion und dem Energiehaushalt eines Gebäudes zusammen.

Egal, wie sie aussehen, woraus sie bestehen und wie sie konstruiert sind: Fassaden müssen eine ganze Reihe von Funktionen erfüllen.
Egal, wie sie aussehen, woraus sie bestehen und wie sie konstruiert sind: Fassaden müssen eine ganze Reihe von Funktionen erfüllen.

(msm) Alles nur Fassade: Dieses geflügelte Wort wird der Aussenhaut von Bauten nicht gerecht. Hinter bzw. in einer Fassade kann sehr vieles stecken – und sie kann gegen aussen sehr vielfältig in Erscheinung treten. Damit ist schon gesagt, wie das umfassende Thema eingeteilt werden kann: In die eigentliche Hauptsache, nämlich die Konstruktionsweise, und ins Äusserliche, nämlich das Material und Aussehen der äussersten Hülle.

Egal, wie sie aussehen, woraus sie bestehen und wie sie konstruiert sind: Fassaden müssen eine ganze Reihe von Funktionen erfüllen:

  • vor Sonne, Wind und Wetter schützen
  • vor Kälte und Hitze schützen (dämmen)
  • das Aussehen des Gebäudes prägen
  • Schallschutz bieten
  • den Feuchtigkeitsaustausch gewährleisten

Gemäss eigener Mitteilung der Hochschule Luzern, Abteilung Technik und Architektur, befindet sich dort der grösste Fassadenprüfstand Europas. Das Kompetenzzentrum Fassaden- und Metallbau entwickelte eine Prüfkammer mit 2.5 m Tiefe und einer Öffnung von 8 x 12 m. Getestet werden Bauteile auf ihre Luftdurchlässigkeit, Schlagregendichtheit und Widerstand gegen Windlast.

Einschalig, zweischalig, vorgehängt

Wenn mit Fassade wirklich nur die äusserste Hülle eines Gebäudes gemeint ist, hängt deren Konstruktion – mitunter wörtlich – mit der Aussenmauer zusammen. Beim einschaligen oder monolithischen Mauerwerk ist die Wand zugleich tragend und dämmend. Zweischalige Mauern bestehen aus einer Primärfassade, der tragenden Wand (meist innen) und einer Sekundärfassade, der äusseren Hülle. Gegenüber der einschaligen Konstruktion weist die zweischalige eine bessere Wärmedämmung auf.

Vorgehängte, hinterlüftete Fassaden schliesslich hängen – die Bezeichnung sagt es schon – an der tragenden Aussenmauer des Gebäudes. Meist handelt es sich um eine Konstruktion mit Dämmung, Luftschicht und Aussenhülle. Diese Fassadenart eignet sich gut bei der Sanierung älterer Bauten.

Für die verschiedenen Konstruktionsarten gibt es je verschiedene mögliche Materialien – und dort wiederum praktisch unzählige Farben, Ausführungen und Kombinationsmöglichkeiten. Mit anderen Worten: Bei der Fassade ist fast alles möglich.

Putz, Klinker, Stein, Ziegel

Bei ein- oder zweischaligen Aussenmauern ist der Rau- oder Glattputz eines der am häufigsten eingesetzten Materialien. Farblich ist alles möglich. Neben den traditionellen Mörtelputzen gibt es auch Wärmedämmputze, die einen dämmenden Unterputz und einen wasserabweisenden Oberputz vereinen. Putzfassaden haben eine lange Lebensdauer, sind je nach Ausführung relativ pflegeleicht und günstig.

In verschiedenen Regionen bestimmen Fachwerk- oder Riegelhäuser mit ihrer Kombination von tragenden Holzbalken und unterschiedlichen Ausfachungen das Ortsbild. Auch Ziegel-, Stein- oder Klinkerfassaden trifft man mitunter gehäuft an. In guter Ausführung sind sie praktisch wartungsfrei und sehr langlebig. Zwar mögen die Kosten für eine Erstellung zu Beginn eher höher sein als beim Verputzen. Im Lauf der Jahre kann es sich aber auszahlen: Eine verputzte Fassade ist schmutzempfindlicher und muss häufiger gereinigt, gestrichen oder gar repariert werden.

Holz, Metall, Glas, Kunststoff

Holz wird nicht nur bei Konstruktionen und als Energielieferant (wieder) vermehrt verwendet, sondern auch bei Fassaden. Die guten Eigenschaften des natürlichen Werkstoffs mögen dazu beitragen: Holz isoliert und schützt, ist ökologisch und natürlich und nicht zuletzt sehr gut zu verarbeiten. Häufig sind vorgehängte, hinterlüftete Fassaden mit einer Lattung auf dem Mauerwerk – oft mit einer Wärmedämmung aufgefüllt –, auf der die äusseren Holzlatten, -bretter oder -schindeln angebracht werden. Das Holz kann behandelt werden mit Lasur, Lack oder Ölfarbe. Will die Bauherrschaft auf eine Behandlung verzichten, muss witterungsbeständiges Holz zum Einsatz kommen, beispielsweise Lärche. Bei unbehandeltem Holz wird mit einer nicht ganz genau voraussehbaren Veränderung der Oberfläche durch die äusseren Einflüsse gerechnet.

Insbesondere die vorgehängten Konstruktionen erlauben aber auch eine Vielzahl anderer Materialien als äusserste Gebäudehülle. Metall, Glas, Kunststoff, Faserzement, Schiefer oder Kunststein bieten reiche Gestaltungsfreiheiten und viele Kombinationsmöglichkeiten – wobei auch die Gestaltungsfreiheit der Kosten gegen oben praktisch unbeschränkt ist.

Grün- und Energiefassaden

Wem Holz noch zu wenig naturnah ist, der kann auch eine richtig grüne Gebäudehülle wachsen lassen. Eine mit Kletterpflanzen begrünte Fassade bietet durchaus Vorteile: Die Pflanzen produzieren Sauerstoff und binden Staub und Kohlenmonoxid. Die untergründige Fassade sollte aber mit Rankhilfen und einem hervorragenden Putz geschützt werden.

Schliesslich finden Energiefassaden immer mehr Verbreitung. Diese passen sich wechselnden Klima- und Lichtverhältnissen an und senken zugleich den Energieverbrauch im Haus. Allein dieser Art Gebäudehülle könnte ein sehr umfangreiches Kapitel gewidmet werden: Es existieren beispielsweise Fassaden mit Fotovoltaik, konstruktiv bedingter Heizung bzw. Kühlung, Abluftfassaden oder Kombinationen verschiedener Elemente.

Zusätzliche Informationen

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