Algen und Pilzen an Fassaden bekämpfen

Selbst die schönste Fassade bleibt nicht vor Algen und Pilzen geschützt. Feuchtigkeit fördert das Wachstum und erzeugt Verfärbungen am Gebäude. Bauliche Massnahmen und neuentwickelte Produkte können dagegen helfen.

Ein Algenwachstum ist von Feuchtigkeit abhängig.
Ein Algenwachstum ist von Feuchtigkeit abhängig.

(mb) Das Algen- und Pilzwachstum benötigt drei Bedingungen: Präsenz von Mikroorganismen, entsprechende Klimaverhältnisse und geeignete Nahrung. «Algen können überall entstehen, wo Feuchtigkeit auftritt. Sei es auf Gläsern oder Fassaden. Pilze brauchen zusätzlich zur Feuchtigkeit noch organischen Kohlenstoff», erklärt Biologe und früherer Empa-Forscher Paul Raschle. Dieser findet sich unter anderem in Dispersionsfarben und –Putzen. An hochgelegenen Orten sinkt die Anfälligkeit für den Bewuchs, weil die Kondensation abnimmt. In Tälern und Nebelgebieten erhöht sich dagegen die Wachstumswahrscheinlichkeit.

Auch materialspezifische Gründe, die Befeuchtungsdauer und die Gebäudecharakteristik beeinflussen das Wachstum. Algen gedeihen vorwiegend ohne direkte Sonneneinstrahlung, wodurch sonnenabgewandte Gebäudeseiten wie die Nord- und Nordostfassade anfälliger für den Bewuchs sind. Entgegen aller Annahmen hält das Tauwasser und nicht das Regenwasser die Fassaden lange feucht.

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Wärmebrücken im Bereich der Dübel zur Befestigung der Wärmedämmung verhindern Algenwachstum. Aluminiumschienen zur Wärmedämmbefestigung erzeugen ebenfalls Wärmebrücken.

Kompakte Gebäudehüllen unvorteilhaft

Wer ein energetisch hochwertiges Gebäude wählt, fördert das Algenwachstum. «Ab etwa 1990 wurden die Wärmedämmungen an den Fassaden zunehmend dicker. Als die Wärmedämmung davor noch  6 cm betrug, gab es noch kaum Algenbefall. Heute können Algen und Pilze bereits ab einer Dämmstärke von 8 cm bis 10 cm entstehen», erklärt Roland Büchli, Architekt und ehemaliger Empa-Forscher. Durch hochgedämmte Gebäudehüllen dringt weniger Wärme nach aussen. Die Fassaden besitzen somit eine tiefe äussere Oberflächentemperatur, wodurch sich Tauwasser an ihnen bildet. «Eine Unterkühlung der Aussenfassade findet nachts und vorwiegend von September bis April statt. Dabei sinkt die Temperatur der äussersten Schicht um bis zu 3° C unter die Aussenlufttemperatur», erklärt Paul Raschle. Besonders anfällig sind verputzte Aussenwärmedämmungen und hinterlüftete Fassaden.

Bei häufig schräggestellten Fenstern im Winter entsteht Tauwasser an den Fensterstürzen, das zur Bildung von Schwärzepilzen führt.
Bei häufig schräggestellten Fenstern im Winter entsteht Tauwasser an den Fensterstürzen, das zur Bildung von Schwärzepilzen führt.

Gegen das Wachstum

Hersteller suchten schliesslich nach Lösungen, die sich mit energieeffizienten Gebäuden vereinbaren. Biozide in Putzen und Farben verhindern einen Bewuchs. Sie geben jedoch keinen dauerhaften Schutz. Die Chemikalien werden vom Regen ausgewaschen, gelangen dadurch in die Gewässer und gefährden die darin lebenden Pflanzen und Tiere. 

Hydroaktive, zweilagige Fassadenbeschichtungen benötigen diesen Zusatzstoff nicht. Auf einer biozidfreien, kapillaraktiven Putzschicht befindet sich ein hydrophiler mineralischer Anstrich. «Mineralische Putze und Anstriche bieten einen grundlegenden Schutz gegen den Bewuchs, weil sie kapillaraktiv und diffusionsoffen sind. Sie nehmen die Feuchtigkeit kurzzeitig auf und geben sie später wieder ab. Eine Tropfenbildung wird dadurch vermieden», fasst Raschle zusammen. Auf hydrophoben Flächen bleibt das Tauwasser wegen des geringen Tropfengewichts länger liegen.

Neben Feuchtigkeit benötigen Schwärzepilze auch Nahrung, die sie unter anderem in Schmutzablagerungen auf porösen Putzen oder Betonoberflächen finden.
Neben Feuchtigkeit benötigen Schwärzepilze auch Nahrung, die sie unter anderem in Schmutzablagerungen auf porösen Putzen oder Betonoberflächen finden.

Bauliche Massnahmen

Eine ausreichende Balkonentwässerung und ein Spritzwasserschutz gehören zu den baulichen Massnahmen. «Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass ein Vordach etwa die dreifache Höhe seines Überstandes unterhalb des Daches schützt. An den Fensterbänken greift dasselbe Prinzip», erläutert Büchli. Gleichzeitig verhindern Vordächer abstrahlende Wärme. Der Dachüberstand ist daher bei energetischen Sanierungen um die Dicke der zusätzlich aufgebrachten Wärmedämmschicht zu ergänzen. Bewohner sollten längere Kippstellungen der Fenster im Winter vermeiden. Durch die warme ausströmende Luft, die an den kalten Sturzflächen kondensiert, entstehen neben einem hohen Energieverlust häufig Verfärbungen durch Algen oder Schwarzschimmelpilze. Hausbesitzer sollten sich laut Büchli mit einem allfälligen Bewuchs auseinandersetzen: «Chemikalien schützen nur mittelfristig gegen Algen und Pilze. Eine permanente Lösung gibt es hingegen nicht. Hausbesitzer müssen deshalb die Fassade in regelmässigen Abständen reinigen und neu streichen.»

Sanierung von Fassaden mit Algen und Pilzbefall

Ist die Fassade bereits grossflächig befallen, kann die Verunreinigung laut einem Merkblatt der Empa und in Absprache mit einem Experten entfernt werden. Im Vorfeld ist die Art des Bewuchses zu analysieren. Eine Nassreinigung mit Dampf oder Hochdruckwasserstrahl entfernt zunächst den losen Schmutz. Dabei sind Fassadenrisse vor übermässiger Wassereinwirkung zu schützen. Die gut getrocknete Fassade wird anschliessend mit handelsüblichen Produkten wie Algiziden gegen Algen und Fungiziden gegen Pilze entkeimt. Diese Produkte helfen ebenfalls bei einem punktuellen Bewuchs. In einem zweiten Schritt hilft hier jedoch eine harte Bürste zur Trockenreinigung. In beiden Fällen ist das Eindringen des Reinigungsmittels in den Boden zu vermeiden. Die anschliessend aufzutragende Grundierung sollte algen- und pilzwidrig sowie mit dem Untergrund verträglich sein. Ein dampfdiffusionsoffener Deckanstrich mit hydrophoben Eigenschaften verbessert die Langzeitwirkung des Algenschutzes.

Zusätzliche Informationen

Jürgen Blaich / Faktor Verlag AG Artikel drucken