Hinterlüftete Fassadensysteme

Die Fassade macht das Haus: Sie bestimmt den ästhetischen Eindruck und schützt vor Wind und Wetter. Hinterlüftete Konstruktionen sind etwas aufwändiger, aber bieten dafür langlebigen Schutz.

Hinterlüftete Fassaden erlauben eine grosse Vielfalt bei der Gebäudebekleidung.
Hinterlüftete Fassaden erlauben eine grosse Vielfalt bei der Gebäudebekleidung.

(knü) Es war ein Schüler Le Corbusiers, der Häuser neuartig einzukleiden begann. In den 1930er Jahren baute der Schweizer Architekt Albert Frey das «Haus Aluminaire», das er mit einer Hülle aus Aluplatten und Stoffbahnen umgab. 80 Jahre später haben damals ungewohnte Materialien ihren festen Platz im architektonischen Ausdrucksprogramm. Gebäude mit vielfältigen und verspielten Fassaden sind zum Selbstverständnis für das moderne Siedlungsbild geworden. Zum einen sind unzählige Abdeckvarianten möglich: Faserzement, Granit, Glas, Kunststoffe, Metall oder Holz. Zum anderen sind die Materialien kaum erkennbar, weil sie entweder mit beliebiger Farbe und Struktur versehen oder mit filigranen Ornamenten bedruckt sind. Die Hochschule Luzern hat sogar ein Forschungsprojekt für textile Hausfassaden lanciert.

Unbegrenzte Gestaltungsvielfalt

Doch damit nicht genug: Immer häufiger werden die Aussenwände neuer Gebäude mit Solarpanels überdeckt, was technoid aussehen mag, aber wesentlich hilft, sich vor Ort mit erneuerbarer Energie einzudecken. Das Konstruktionsprinzip, das hinter diesen vielfältigen Gebäudehüllen steckt, ist jedoch immer das gleiche: «Eine hinterlüftete Fassade erlaubt eine schier unbegrenzte Vielfalt bei der Gebäudebekleidung», sagt Kurt Diethelm, Geschäftsleiter der Diethelm Fassadenbau AG und Mitglied des Schweizerischen Fachverbands für hinterlüftete Fassaden (SFHF).

Widerstandsfähige Konstruktion

Unabhängig davon, ob die Materialwahl ästhetisch, funktional oder ökologisch bestimmt wird: Die Konstruktion bürgt vor allem für langlebigen Schutz. Im Vergleich zur Kompaktfassade, bei welcher Dämmplatten - meistens aus Kunststoff - direkt auf die rohe Aussenwand geklebt werden, ist die hinterlüftete Fassade zwar etwas aufwändiger und daher teurer, aber mechanisch widerstandsfähiger. Dämmschicht und äussere Verkleidung sind deutlich voneinander getrennt und halten Abstand von bis zu 5 cm. «Im Zwischenraum kann die Luft frei zirkulieren, wodurch die Feuchtigkeit der Aussenwand besser reguliert wird», erklärt SFHF-Mitglied Diethelm. Das wirkt sich bis ins Gebäudeinnere aus, in dem die hinterlüftete Fassadenkonstruktion ein komfortables Raumklima sicherstellen kann.

Thermische Trennung

Aufgebaut sind hinterlüftete Fassaden jeweils nach dem 4-Schichten-Prinzip: Aussen an die tragende Wand – gemauert, aus Beton oder Holzständern – folgt die Dämmschicht und darüber ein Geflecht aus Holz- oder Metallleisten: die Unterkonstruktion mit dem Hinterlüftungsraum. Darüber wird die vierte und letzte Schicht gelegt; das Fassadenkleid wird jeweils an die Unterkonstruktion vorgehängt. Um Wärmebrücken zu verhindern, wird das Hängegeflecht thermisch mit Kunststoffelementen von der rohen Gebäudehülle getrennt. Ohne ausreichendes Trennen kann die Wärmedämmfähigkeit einer Aussenwand um bis zu 50 % reduziert werden, warnen Fassadenspezialisten.

Vorteilhaft ist die hinterlüftete Fassade auch bei der Sanierung eines Gebäudes einsetzbar. Sie lässt sich problemlos am bestehenden Mauerwerk montieren, und zugleich bietet sie ausreichend Platz, um zusätzliche Sonnenschutzsysteme oder haustechnische Installationen anzubringen. Wird nachträglich sogar eine kontrollierte Lüftung eingebaut, «werden die Lüftungskanäle in die abgedeckte Dämmschicht integriert», sagt Fassadenbauer Kurt Diethelm. Anders – ohne hinterlüftete Fassade und mit vertretbarem Aufwand – wäre das Nachrüsten von Altbauten oft nicht bezahlbar.

ImagePoint (Jo Montana) Artikel drucken