Wärmeschutzsysteme für Gebäude

Ende Frühjahr wird bisweilen noch geheizt; danach folgen bis September die warmen Tage. Damit der Wohnkomfort nicht unter unberechenbarem Wetterstress leidet, wird der sommerliche Wärmeschutz immer wichtiger.

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(knü) Vorschläge für das «Bauen, wenn das Klima wärmer wird», haben Gebäudeforscher bereits vor acht Jahren vorgelegt. Neuste Messreihen belegen nun, wie sehr das einheimische Klima inzwischen aufgeheizt ist. Bis 1990 stieg die  Durchschnittstemperatur fast nur in den klassischen Sommermonaten Juni, Juli und August über 14 °C. Seither sind die Mittelwerte auch im Mai und im September darüber geklettert. Und ebenso spürbar zugenommen hat die Anzahl der Tage, an welchen das Thermometer einen Hitzewert über 30 °C anzeigt. Gleich geblieben sind dagegen die Ideen, wie ein Wohnhaus vor Überhitzung geschützt werden soll. Massnahmen sowohl konstruktiver als auch technischer Art bieten gemeinsam den besten sommerlichen Wärmeschutz. Konkret sind dafür die Speichermasse des Gebäudes, der Fenster- und Verglasungsanteil sowie allfällige Sonnenschutzsysteme Ausschlag gebend. «Wichtig ist jedoch, dass weder die Energieeffizienz noch der passive Solargewinn einer Gebäudehülle dadurch negativ beeinflusst werden», ergänzt Heinrich Huber, Leiter der Minergie-Agentur Bau, das Anforderungsprofil.

Baumasse als Speicher

Die Wärmespeicherfähigkeit des Gebäudes hängt wesentlich von den verwendeten Baustoffen ab. Ideal sind massive Betondecken oder Backsteinwände; ebenso puffern nicht überdeckte Zementunterlagsböden den Wärmeeintrag von aussen nach innen besser ab. Holzfassaden und -wände sind dagegen leicht; die potenzielle Masse zur Wärme- oder Kältespeicherung reduziert. Zusätzliche Schutzsysteme helfen aber nicht nur bei Holzhäusern, das Innere jederzeit angenehm kühl zu halten. «Zu empfehlen sind daher bewegliche und einfach steuerbare Elemente wie Rafflamellenstoren», rät Minergie-Agentur-Leiter Huber. Dennoch gehören auch Rollläden und Markisen zu denjenigen Sonnenschutzsystemen, welche als Minergie-Modul erhältlich sind und die hinsichtlich Robustheit und Energiedurchlass höheren Ansprüchen genügen. Ein hoher Fensteranteil mit grossformatigen Verglasungen erhöht die Gefahr, dass der Sonnenschutz den passiven Solargewinn beträchtlich mindern kann; auf feste oder starre Beschattungseinrichtungen ist daher zu verzichten. Bei Stoffstoren ist die Windfestigkeit hingegen nicht immer gegeben.

Geringer Energiedurchlass, flexible Steuerung

Wichtige Qualitätskriterien für Sonnenschutzsysteme sind der Sichtkontakt nach aussen sowie der Blendschutz. Eine weitere Beurteilungsgrösse stellt der g-Wert dar. Ist dieser möglichst gering, wird der Gesamtenergiedurchlass reduziert und viel Sonnenenergie kann von aussen nicht durch das transparente Bauteil in das Gebäudeinnere gelangen. Die Wirksamkeit der Sonnenschutzsysteme hängt allerdings auch von der Bedienbarkeit ab: Flexible Lamellen lassen sich jederzeit am jeweiligen Sonnenstand ausrichten. Storen mit Automatikantrieb sollen zudem fassadenweise gesteuert werden können, damit ausreichend Tageslicht ins Gebäudeinnere einfallen kann.

Ein aussenliegendes Sonnenschutzsystem ist grundsätzlich effizienter als innenliegende Modelle. Letztere sind meistens kostengünstiger, aber lassen im Vergleich dazu dreimal mehr Energie passieren, weil sich die äussere Fensterscheibe erhitzt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden bilden innenliegende Sonnenschutzsysteme oftmals die einzige erlaubte Variante. Alternativ dazu lassen sich Fenster mit integriertem Sonnenschutz einbauen, in deren Scheibenzwischenraum sich Jalousien oder Scheibenschutzgläser befinden.

Diese geschichtete Sonnenschutzversion scheint sich als sogenannte Closed-Cavity-Fassade insbesondere bei Bürogebäuden durchzusetzen. Dabei handelt es sich um einen zweischaligen Aufbau der Aussenhülle: Die äussere Schale ist einfach verglast, dann folgt ein hocheffizientes bewegliches Sonnenschutzsystem. Den Abschluss nach innen bilden derweil 2-fach oder 3-fach verglaste Fenster. So bleibt die Wärme im Sommer trotz voll verglaster Fassade und im Gegensatz zum Licht auf jeden Fall draussen.

Übersicht Sonnenschutzsysteme

Beweglicher Sonnenschutz   Fester Sonnenschutz   Gebäude
Aussenliegend Innenliegend Zwischen den Gläsern Getönte Gläser Vordächer
Lamellen, Raffstoren, Markisen   Lamellen, Gitter, Folien Reflexion der Sonnen-strahlen Über den Fensteröffnungen
Windlasten und Witterung ausgesetzt Vor Witterung geschützt Vor Witterung geschützt   Windlasten und Witterung ausgesetzt
Hoher Wärmeschutz im Gebäudeinnern Heizt Innenräume zusätzlich auf Hoher Wärmeschutz im Gebäudeinnern   Wärmeschutz abhängig von  Jahreszeit, Sonnenstand und Grösse des Vordachs
Montage an denkmalgeschützten Gebäuden oftmals untersagt Bei denkmal-geschützten Gebäuden möglich Vermeidung von Wärmebrücken   Montage an denkmal-geschützten Gebäuden oftmals untersagt

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