Neues Energiegesetz und die Folgen für Hauseigentümer

Die Schweizer Stimmbevölkerung hat sich im Mai für das revidierte Energiegesetz entschieden. Erneuerbare Energien und Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz werden damit eine zunehmend bedeutende Rolle im Energiesystem der Schweiz einnehmen. Auch für Hauseigentümer ergeben sich wichtige Änderungen.

Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie sieht bis 2035 eine Erhöhung der Energieeffizienz von Häusern sowie eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien vor.
Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie sieht bis 2035 eine Erhöhung der Energieeffizienz von Häusern sowie eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien vor.

Mit dem Ja zum revidierten Energiegesetz haben die Schweizer Stimmberechtigten einer Neuausrichtung in der Energieversorgung des Landes zugestimmt. Das Votum von rund 58 Prozent der Stimmbevölkerung bedeutet eine Zusage an Regierung und Parlament, die Ziele der Energiewende zu verfolgen. 

Weiteres Vorgehen

Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie sieht bis 2035 unter anderem eine Erhöhung der Energieeffizienz von Häusern und Fahrzeugen sowie eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien vor. Entsprechende Richtwerte für den durchschnittlichen Energie- und insbesondere den Stromverbrauch pro Person sowie für die inländische Produktion aus erneuerbaren Energiequellen werden definiert (siehe unten stehende Tabelle). Auch zeitlich beschränkte Förderprogramme und ein Verbot zum Bau neuer Kernkraftwerke sind Bestandteil. Das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 umfasst folgende drei Stossrichtungen:

  • Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz:
    • Gebäude
    • Mobilität
    • Industrie
    • Geräte
  • Massnahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energien:
    • Förderung
    • Verbesserung rechtlicher Rahmenbedingungen
  • Atomausstieg:
    • Keine neuen Rahmenbewilligungen
    • Schrittweiser Ausstieg – Sicherheit als einziges Kriterium

Mit den dazugehörigen Verordnungen tritt das revidierte Energiegesetz voraussichtlich Anfang 2018 in Kraft. Der Wegfall des Atomstroms könnte mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien kompensiert werden. Neben dem ersten Massnahmenpaket werden laut Swissolar beispielsweise weitere Preissenkungen bei der Photovoltaik und steigende Preise am Strommarkt diese Entwicklung unterstützen. Dennoch wird die Schweiz auch und insbesondere in den Wintermonaten auf Importe angewiesen sein, wenn die Atomkraftwerke dereinst vom Netz gehen. 

Was sich für Hauseigentümer ändert

  • Energetische Sanierungen

    Hauseigentümer, die energetische Sanierungen in Angriff nehmen, können gemäss dem revidierten Energiegesetz weiterhin Förderbeiträge beanspruchen. Mittel stehen im Rahmen des von Bund und Kantonen im Jahr 2010 lancierten Gebäudeprogramms, welches ursprünglich Ende 2019 auslaufen sollte. Mit der Annahme des revidierten Energiegesetzes wird das Gebäudeprogramm nun gemäss Beschluss des Parlaments fortgesetzt. Das Programm wird weiterhin von kantonalen Beiträgen und von den Einnahmen aus der CO2-Abgabe finanziert. Neu verfügt das Programm jedoch über mehr Geld: Bis zu 450 Millionen Franken pro Jahr können aus der auf fossilen Brennstoffen erhobenen CO2-Abgabe dafür verwendet werden. Bisher galt eine jährliche Obergrenze von 300 Millionen Franken. 

  • Steuerliche Auswirkungen

    Neben der Weiterführung des Gebäudeprogramms können Hauseigentümer fortan von erweiterten Steuererleichterungen profitieren. Steuerabzüge für Sanierungsausgaben konnten bisher nur im Jahr der Sanierung geltend gemacht werden. Neu kann diese Entlastung auch in den zwei darauf folgenden Steuerperioden in Anspruch genommen werden. Eine weitere Neuerung ermöglicht es zudem, die Abbruchkosten für die Erstellung eines Ersatzneubaus von den Steuern abzuziehen, wenn dadurch der energetische Standard im Vergleich zum ersetzten Altbau verbessert wird.  

  • Netzzuschlag

    Als eine Belastung für das Portemonnaie von Hausbesitzern enthält das revidierte Energiegesetz eine Erhöhung des Netzzuschlags von aktuell höchstens 1,5 Rappen pro Kilowattstunde (Rp/kWh) auf bis zu 2,3 Rp/kWh. Diese Erhöhung  ist allerdings befristet und kann vom Bundesrat angepasst werden. Der Bundesrat argumentierte im Abstimmungsbüchlein, dass die Zusatzkosten aufgrund des Netzzuschlags durch Energieeinsparungen kompensiert werden könnte. Nur die Zeit wird zeigen, ob dieser Ausgleichseffekt tatsächlich eintritt. 

  • Einspeisevergütungssystem

    Weitere Änderungen ergeben sich für Besitzer von Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien, die eine Förderung für die Einspeisung der produzierten Energie erhalten könnten. Die bisherige kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) wird überführt in ein Einspeisevergütungssystem, das auch die Selbstvermarktung durch den Anlagenbesitzer beinhaltet. Das bedeutet: Wer zukünftig eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert, muss den Strom selber am Markt verkaufen. Ausnahmen von der Direktvermarktungspflicht können zugelassen werden, wenn der Aufwand der Betreiber für die Direktvermarktung zu gross wäre. Voraussetzung für die Teilnahme am Einspeisevergütungssystem ist eine installierte Leistung der Photovoltaikanlage von mindestens  30 Kilowatt.

    Beträgt die Leistung der Photovoltaikanlage weniger als 30 Kilowatt, haben die Besitzer im Prinzip Anspruch auf einen Investitionsbeitrag, der sowohl für die Anschaffung als auch für erhebliche Erweiterungen oder Erneuerungen der Anlage beantragt werden kann. Diese Einmalvergütung beläuft sich auf maximal 30 Prozent der bei der Inbetriebnahme massgeblichen Investitionskosten von Referenzanlagen. 

  • Smart Meter

    Im Bereich der Haustechnik treibt das revidierte Energiegesetz eine digitale Modernisierung voran:  Vom vorgesehenen Ersatz mechanischer Stromzähler durch Smart Meter werden Hauseigentümer allerdings –zumindest in finanzieller Hinsicht – nicht direkt tangiert. Denn die Kosten dafür trägt der jeweilige Verteilnetzbetreiber

Ziele und Richtwerte des ersten Massnahmenpakets

Quelle: Bundesamt für Energie
Massnahme Senkung gegenüber Stand im Jahr 2000  
  im Jahr 2020 im Jahr 2035
Durchschnittlicher Energieverbrauch pro Person 16% 43%
Durchschnittlicher Stromverbrauch pro Person 3% 13%
  Durchschnittliche inländische Produktion  
  im Jahr 2020 im Jahr 2035
Erneuerbare Energien ohne Wasserkraft 4'400 GWh 11'400 GWh
Wasserkraft - 37'400 GWh

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