Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energiequellen

Wer Strom aus erneuerbaren Energiequellen produziert, kann sich um eine kostendeckende Einspeisevergütung für die Nettoüberschüsse bewerben. Kleine Solaranlagen erhalten alternativ dazu eine Investitionsbeihilfe.

Besitzer von Photovoltaikanlagen haben seit Anfang 2009 Anspruch auf eine kostendeckende Einspeisevergütung.
Besitzer von Photovoltaikanlagen haben seit Anfang 2009 Anspruch auf eine kostendeckende Einspeisevergütung.

(msc) Besitzer von Photovoltaikanlagen und anderen Kraftwerken (Wind, Biomasse, Wasserkraft, Geothermie) haben grundsätzlich Anspruch auf eine kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) – vorausgesetzt, sie liefern den gesamten produzierten Strom an die Netzgesellschaft ab. Ziel der KEV ist, die noch nicht rentable Produktion von Strom aus erneuerbaren Energieträgern zu entschädigen und zu fördern. Damit soll der Anteil erneuerbarer Energien gesteigert werden; seit 2006 ist der Produktionsertrag aus neuer erneuerbarer Energie beinahe verdoppelt worden. Ohne Wasserkraft liegt der Anteil des Ökostroms an der Schweizerischen Gesamtproduktion allerdings erst bei knapp 4 %. Das Fördermodell bei Photovoltaikanlagen ist per 2015 aufgeteilt worden: Betreiber von Kleinanlagen, typischerweise auf dem eigenen Hausdach, dürfen mit einer einmaligen Investitionsentschädigung rechnen; bei grösseren Solarstromanlagen werden jährliche Gutschriften auf den Produktionserträgen ausbezahlt. Zudem gilt: Bei den angemeldeten Anlagen wird eine Warteliste geführt, auf der gegen 40’000 Projekte aufgeführt sind. Die meisten davon sind allerdings Photovoltaikanlagen. Aufgrund der bestehenden Zusagen sind die KEV-Mittel von jährlich 750 Mio. Franken bis 2018 reserviert; bis dahin besitzen Neuanmeldungen nur mehr geringe oder keine Aussichten auf einen positiven KEV-Förderbescheid.

Wer erhält wie viel?

Die Förderung wird nach Leistungsstärke der zur KEV angemeldeten Photovoltaikanlagen vollzogen:

  • PV-Anlagen mit einer Leistung unter 10 kW erhalten eine einmalige Investitionsvergütung. Diese beträgt rund 30 % der Gesamtausgaben.
  • Betreiber von neuen Photovoltaik-Anlagen mit Leistungsbereich zwischen 10 kW und 30 kW können die Einmalvergütung oder die kostendeckende Einspeisevergütung wählen.
  • Grossanlagen werden nach dem bisherigen Fördermodell, über die kostendeckende Einspeisevergütung, längerfristig während der Produktionszeit abgegolten.

Ablauf der Vergütung

Im Sommer 2015 befanden sich über 30'000 Photovoltaik-Projekte auf der Warteliste, welche alternativ von der Einmalvergütung profitieren können. Sobald der Gesuchsteller die Inbetriebnahme der Anlage nachweist, soll die Einmalvergütung so rasch wie möglich ausbezahlt werden. Das Prozedere für die KEV-Gutsprache bleibt aber vom Anmeldedatum abhängig. Die Wartezeit kann wie bisher mehrere Jahre betragen. Die kostendeckende Einspeisevergütung wird mit abgestuften Tarifen berechnet. Die Abstufungen berücksichtigen Art und Grösser der Produktionsanlage.

Einmalige Vergütungstarife für Strom aus Photovoltaikanlagen

     

Anlagekategorie

Grundbeitrag in Fr.

Leistungsbeitrag in Fr./kW

Angebaut / freistehend

1'400

850

Integriert

1'800

1'050

     

KEV-Tarife für Strom aus Photovoltaikanlagen

Quelle: Bundesamt für Energie (BFE)
Anlagekategorie Grössenklassen in kWp Investitionskosten gemäss Referenz-Offerten in Fr./kWp Tarife ab Oktober 2015 (Neuanlagen) in Rp./kWh
Freistehend 10-30 7’000 23.8
  30-100 6’500 19.8
  100 - 1'000 6'000 19.2
  > 1'000   17.2
Angebaut 10-30 8'500 20.4
  30 - 100 8'000 17.7
  100 - 1'000 7'500 17.6
  > 1'000   24.0
Integriert 10 - 30 10'100 20.1
  30 - 100 9'100 25.3

Für Wohneigentümer weiterhin interessant dürfte in den meisten Fällen jeweils die kleinsten Anlagen der Kategorien «angebaut» und «integriert» sein. Um die Leistung von 1 kWp (Kilowatt Peak) zu erreichen, ist mit modernen Solarzellen eine Fläche von rund 8 m2 notwendig. Diese produziert jährlich etwa 950 kWh Strom. Am besten bezahlt wird die erzeugte Energie aber  bei einer integrierten PV-Anlage: Diese übernimmt neben der Stromproduktion auch eine Bauteil-Funktion, zum Beispiel als Ersatz der Ziegel auf dem Dach, oder als Fassadenelemente an der Hauswand respektive als Beschattungselement.

«Angebaut» sind Anlagen, die am Gebäude montiert werden, ohne eine zusätzliche Funktion zu übernehmen.
«Angebaut» sind Anlagen, die am Gebäude montiert werden, ohne eine zusätzliche Funktion zu übernehmen.

«Angebaut» sind Anlagen, die am Gebäude montiert werden, ohne eine zusätzliche Funktion zu übernehmen. In die Kategorie «freistehend» dürften schliesslich vor allem kommerzielle Anlagen fallen, das Kraftwerk auf dem Mont Soleil beispielsweise gehört dazu. Da immer leistungsfähigere Solaranlagen entwickelt werden, passt sich die Vergütung mit den Jahren nach unten an. Massgebend für die Anpassung sind die Leistungen einer Referenzanlage auf dem jeweils neusten Stand.

Finanzierung durch Strombezüger

Zur Finanzierung der kostendeckenden Einspeisevergütung können maximal 1,4 Rappen pro Kilowattstunde auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze geschlagen werden. Den Aufschlag können die Netzbetreiber auf die Endkunden überwälzen – die Strombezüger finanzieren also die Einspeisevergütung. Damit stehen jedes Jahr rund 750 Millionen Franken zur Verfügung. Diese Summe wird auf die verschiedenen Energieträger folgendermassen verteilt:

  • Wasserkraft: 50%
  • Photovoltaik: 30%
  • Windenergie: 30%
  • Geothermie: 30%
  • Biomasse: 30%

SSES (Karl-Heinz Hug, Brigitte Marassi) Artikel drucken