Hausbau mit Lehm

Dank guter Eigenschaften wie dem Vorkommen an Ort und der Regulation der Luftfeuchtigkeit wird Lehm wieder öfter im Bau eingesetzt.

Lehm ist ein hervorragender Wärmespeicher.
Lehm ist ein hervorragender Wärmespeicher.
Fachwerkhäuser in Guntalingen.
Fachwerkhäuser in Guntalingen.

(msc) Mit Lehm wird seit Jahrtausenden und auf der ganzen Welt gebaut – beispielsweise besteht die Chinesische Mauer im Kern zu einem grossen Teil aus Lehm. Auch in der Schweiz kommt der Baustoff schon lange zum Einsatz: Im Fachwerkbau (Riegelhaus) etwa wurde das Holzgerüst mit Lehm und einem Zuschlag wie zum Beispiel Holzgeflecht ausgefacht.

Positiv für Raum und Umwelt

Die Erfolgsgeschichte des Naturbaustoffs hat verschiedene Gründe – unter anderem auch solche, die ihn in jüngster Zeit wieder vermehrt zum Einsatz kommen lassen – vor allem wegen ökologischen Kriterien und dem Raumklima. Folgende Eigenschaften zeichnen Lehm als Baumaterial aus:

  • Lehm kann mit einfacher Technik dort verwendet werden, wo er vorhanden ist – sofern die Qualität stimmt. Wenn zudem die Trocknung auf natürliche Weise erfolgt, hat der Baustoff dank der geringen Herstellungsenergie eine hervorragende Schadstoff- und Energiebilanz; ein Lehmhaus benötigt zur Herstellung etwa 1/20 der Energie eines konventionellen Hauses.
  • Lehm schafft ein gutes Raumklima. Er reguliert die Luftfeuchtigkeit, indem er Wasserdampf aufnimmt und bei trockener Luft langsam wieder abgibt. Zudem bindet er schlechte Gerüche wie Küchengerüche oder Zigarettenrauch.
  • Lehm lässt sich leicht reparieren und kann etwa bei einem Abbruch eines Objekts vollständig wieder verarbeitet werden.
  • Dank dem hohen Rohgewicht bietet Lehm einen guten Schall- und Trittschutz und erreicht mit Zuschlagstoffen (Sand, Stroh, Blähton) gute Wärmedämmwerte.
  • Lehm eignet sich dank der einfachen Handhabung für Selbstbauprojekte und lädt zur kreativen Gestaltung ein.
Massivlehmsteine (Adobe) sind wie Backsteine zu vermauern, am besten mit Lehmmörtel.
Massivlehmsteine (Adobe) sind wie Backsteine zu vermauern, am besten mit Lehmmörtel.

Vielfältig im Einsatz

Der Baustoff aus der Erde wird in verschiedener Weise eingesetzt. Er eignet sich für tragende Wände (bedingt), für die Dämmung von Innen- und Aussenwänden (letzteres mit Wetterschutz), als Wärmespeicher oder einfach als Verputz, Mörtel oder Anstrich. Entsprechend gross ist das Angebot an unterschiedlichen Formen:

  • Massivlehmsteine (Adobe) sind wie Backsteine zu vermauern, am besten mit Lehmmörtel. Sie können für wärmespeichernde und schalldämmende Innenwände oder als Innenschale im Holzrahmenbau verwendet werden und eignen sich für tragende Wände.
  • Stampflehmmauern (Pisé) entstehen durch Feststampfen (bei uns meist mit Hand- oder Pressluftstampfer) in einer Schalung. Sie können eine tragende Funktion übernehmen, sind gute Speicherwände und weisen mit ihrer unregelmässigen Struktur einen speziellen Charakter auf.

  • Stroh- und Holzlehmsteine sind mit Stroh, Holzhäcksel, Hobel- oder Sägespänen angereichert und bieten sich an für wärme- und schalldämmende Aussen- und Innenwände im Holzskelett oder als Innendämmung einer Aussenwand.

  • Flechtwerk mit Strohlehmbewurf wird vor allem bei Renovationen von Ausfachungen (Riegelhaus) eingesetzt.

  • Lehmbauplatten können beispielsweise gut verwendet werden, um eine Wandheizung oder in einer Dachschrägenverkleidung die Lattung zu beplanken und verputzen.

  • Lehmputz, Lehmmörtel und Anstriche eignen sich, um im Gebäudeinnern Gerüche zu binden und die Luftfeuchtigkeit auszugleichen. Dazu sollten sie höchstens mit reinen Naturfarben (mineralisch) gestrichen werden. Nicht angewendet werden sollte Lehmputz im Spritzwasserbereich.
Ideale Kombination: Niedrigenergiehaus mit Lehmmauern.
Ideale Kombination: Niedrigenergiehaus mit Lehmmauern.

Gute Kombination mit Minergie

In Häusern, wo nicht nur der Baustoff, sondern auch der Energiehaushalt ökologisch sein soll, eignet sich Lehm ebenfalls. Dies sagt Arwed Junginger, Architekt und Vorstandsmitglied des Schweizer Fachverbandes IG Lehm. Gerade in gut gedämmten Bauten wie etwa Minergiehäusern, wo Frischluft über eine Komfortlüftung zugeführt wird, seien Lehmmauern mit ihrer feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaft ideal. Und in Passivhäusern können sie gut als Wärmespeicher eingesetzt werden.

Kostet ein Haus mit Lehm mehr oder weniger als ein konventionell gebautes? Das lasse sich nicht generell beziffern, sagt Arwed Junginger. Wenn der Bauherr oder die Bauherrin alles von Fachleuten ausführen lässt und nicht selber auf der Baustelle mitarbeitet, rechne man mit rund 10 % höheren Kosten. Wenn aber Eigenleistungen erbracht werden – wofür sich der Naturbaustoff anbietet –, dürfte es eher günstiger werden.

Roland Hüsser/GmbH für Baukunst, Arwed Junginger/AAB - Atelier Atelier für Architektur + Bauökologie, hausinfo Artikel drucken