Hausbau mit Recyclingmaterialien

Baustoffe und ganze Bauteile lassen sich teilweise wieder- und weiterverwenden. Das Recycling ist zum normalen Geschäft mit bereits benutzten Wertstoffen geworden.

Baustoffe und ganze Bauteile lassen sich teilweise wieder- und weiterverwenden.
Baustoffe und ganze Bauteile lassen sich teilweise wieder- und weiterverwenden.

(knü) Abfall ist nicht einfach kurzlebige Wegwerfware, sondern regt vielmehr die Phantasie beim Haus bauen an. Im US-Bundesstaat Texas ist eine Öko-Initiative daran, Wohnhäuser aus einem vielfältigen Gebrauchtwarenlager zu erstellen. Verwendet werden Bilderrahmen, Kronkorken oder Autoschilder; mehr als ein Dutzend solcher Recyclinghäuser in der Kleinstadt Huntsville ziehen nun auch Touristen an. Nur in die Normandie fahren muss, wer Ferien in einem Earthship-Haus mit hohem Recyclinganteil verbringen will. Die Aussenhülle bilden dabei abgenutzte Autoreifen, welche zur Wärmedämmung mit  Erde gefüllt sind. Aber auch hierzulande hat die Baubranche bislang weggeworfene Wertstoffe als wieder verwendbare Ressourcen neu entdeckt. So wird Beton vermehrt mit dem Material von abgerissenen Häusern vermischt, was für die Qualität von Neubauten gleichwertig ist. Insbesondere lassen sich Mischabbruch sowie Gestein aus dem Bauaushub derart aufbereiten, dass es problemlos als Kiesersatz verwendet werden kann. Recycling- oder RC-Beton enthält zwischen 25 und 50 % derartiges Rückbaumaterial und eignet sich für alle betonierten Bauteile am Einfamilienhaus, vom Keller über das Sockelgeschoss bis zu den Zwischendecken.

Recyclingbeton schont Kiesvorkommen

Ökologisch bietet Recyclingbeton mehrere Vorteile: Die Verwendung von Mischabbruch- und Betongranulat schont natürliche Kiesreserven. Der kurze Weg zwischen Abbruch, Aufbereitungsanlage und Neubau reduziert die graue Energie. Und ausserdem verkleinert sich der Bedarf an Deponievolumen, weil Rückbaumaterial wieder in den Baustoffkreislauf eingeschleust wird. Würde jedes betonierte Gebäude zur Hälfte mit Recyclingbeton erstellt, würden in der Schweiz jährlich fast 10 Millionen Tonnen natürliches Gestein gespart. Zur Erfüllung des Minergie-Eco-Standards ist der Einsatz von Beton nur in der Recyclingvariante erlaubt. Das wiederverwendete Material muss jedoch aus einem nahen Betonwerk stammen, damit der Stoffkreislauf regional geschlossen wird.

Dämmstoffe mit hohen Recyclinganteilen

Auch beim Dämmen sind immer häufiger Recyclingmaterialien gefragt: Glaswolle wird grösstenteils aus Altglas hergestellt. Steinwollebahnen besitzen zumindest gewisse Anteile an alten wieder eingesammelten Produkten. Beinahe vollständig aus Altpapier hergestellt sind dagegen Zelluloseflocken, die in den Hohlraum einer Holzwand eingeblasen werden. Allerdings enthält die Zellulose häufig Brandhemmstoffe, die chemisch nicht unproblematisch sind. Insofern kann das Bauen mit Recyclingmaterial den Ressourcenkonsum zwar gesamthaft minimieren. Weitere ökologische Belastungen lassen sich damit aber nur bedingt verhindern. Bisherige Abfälle lassen sich aber nicht nur wieder verwenden, sondern auch – ohne grossen Zusatzaufwand – weiter verwenden.  

Brockenhaus-Prinzip für Baustellen

Bereits gebrauchte Bauteile oder haustechnische Anlagen bietet zum Beispiel das Dutzend Bauteilbörsen in der Deutsch- und Westschweiz feil. Das Angebot besteht aus einem reichhaltigen Fundus an Werkstoffen, Bauteilen und anderweitigen Ausstattungsgegenständen: aus Parkettböden, Fenstern, Türen, Aufzügen, sanitären Anlagen oder Heizkörpern, die vorgängig geprüft und qualitativ in einwandfreiem Zustand sind; Occasions-Haushaltsgeräte werden bisweilen mit Garantie verkauft. Betrieben werden die regionalen Bauteilbörsen durch gemeinnützige Institutionen, die jede Baustelle gemäss Brockenhaus-Prinzip nach wieder verwertbaren Teilen durchsuchen. Die Nachfrage nach der Bauteilbörse ist derart gross, dass gesuchte Ware fast nur auf Bestellung gefunden werden kann. Einzelne Bauteile werden zudem auf einer eigenen Webbörse ausgestellt.

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