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Graue Energie wird mitgezählt

Nicht nur der Betrieb auch das Erstellen eines Gebäudes verbraucht Energie. Die graue Energie kann jedoch gezielt reduziert werden. Auf die Konstruktionsweise ist ebenso zu achten wie auf die Wahl der Baustoffe.

Die Wahl einheimischer Materialien wie Holz oder Schiefer spart oft nicht nur Energie, sondern auch Geld.
Die Wahl einheimischer Materialien wie Holz oder Schiefer spart oft nicht nur Energie, sondern auch Geld.

knü) Eine dick eingepackte Gebäudehülle soll den Abfluss von Heizwärme verhindern und helfen, Energie zu sparen. Doch neuere Studien zeigen: Je mächtiger die Dämmschicht ist, umso mehr Ressourcen wurden in das Bauprojekt gesteckt. Der energetische Erstellungsaufwand wird ebenfalls relevant. In eine Gesamtenergiebilanz muss deshalb auch der Aufwand für Baustoffe und deren Erzeugung, für die Transporte sowie die spätere Entsorgung des Gebäudes eingerechnet werden. Tatsächlich liegt der jährliche Energiebedarf für das Beheizen und die Wassererwärmung in einem sehr gut gedämmten Wohnhaus etwa gleich hoch wie die auf 60 Jahre verteilte graue Energie. Gemäss Michael Pöll, Mitarbeiter der Fachstelle nachhaltiges Bauen der Stadt Zürich, bleibt bei Energiesparhäusern bald nur noch die graue Energie, welche weiter gesenkt werden kann. Möglichkeiten dazu bietet etwa «die Wahl energiearmer Bauprodukte, am besten mit hohem Rezyklatanteil», so Michael Pöll. Mit Hilfe von Ökobilanzen lassen sich die ökologisch besten Materialien bestimmen. Der online-Bauteilkatalog (www.bauteilkatalog.ch) ist zudem ein wichtiges Planungsinstrument geworden, um den Energieinhalt und den CO2-Ausstoss einzelner Bauteile am Gebäude zu berechnen.

Langlebige Konstruktionen

Grundsätzlich bieten Wohnhäuser mit kompakter Form eine zweifach günstige Voraussetzung: zum einen, was den tiefen Heizwärmebedarf betrifft, und zum andern auch zu Gunsten des effizienten Materialaufwands. Im Weiteren lassen sich die meisten Ressourcen beim Hochbau durch langlebige Konstruktionen, Oberflächenmaterialien und einfache Installationsprinzipien schonen. Im Gegensatz dazu erhöhen komplizierte Fassaden und Dachaufbauten die graue Energie. Massive Tiefgaragen und Untergeschosse wirken sich ebenfalls negativ auf die Herstellungsbilanz aus. Die Gesamtenergiebetrachtung hilft bisweilen sogar, ökonomisch zu bauen: Kompaktfassaden brauchen weniger Herstellungsenergie und sind günstiger als vorgehängte Fassadensysteme. Zudem spart die Wahl einheimischer Materialien wie Holz oder Schiefer oft nicht nur Energie, sondern auch Geld.

Beim Ressourcen schonenden Bauen darf insbesondere die Zeit danach nicht vergessen gehen: Baustoffhersteller bieten immer häufiger ein Recycling ihrer Produkte an. Bauherrschaften achten mit Vorteil bereits beim erstmaligen Einbau auf einfach trennbare Konstruktionssysteme.

Funktionsbezogener Vergleich erforderlich

Speziell interessiert jedoch, weshalb Wohnhäuser mit hohen Effizienzstandards sowie alternativen Heizsystemen die Graue-Energie-Bilanz beeinflussen. Zum Beispiel durch den erhöhten Aufwand für das Dämmen. Die unterschiedlichen Materialien spielen eine wichtige Rolle: Geschäumte Kunststoffe, wie Polystyrolplatten oder Polyurethan-Dämmstoffe werden aus Rohöl hergestellt und besitzen daher einen höheren Anteil an grauer Energie als mineralische Dämmprodukte (Stein- und Glaswolle). Demgegenüber weisen Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen – Weichfaserplatten oder Zellulosefasern – die niedrigsten massenspezifischen Anteile auf. Doch ein solcher Vergleich ist mit Vorsicht zu geniessen: Dieselbe Dämmwirkung wird je nach Produkt mit unterschiedlichem Materialaufwand und variabler Dicke erreicht. Baustoffe dürfen einander nur funktionsbezogen gegenübergestellt werden. Dass sich das Dämmen – unabhängig der Produkte – trotzdem fast immer lohnt, hat Manfred Huber vom Architekturbüro Aardeplan berechnet: Der optimale Wärmeschutz darf eine bis zu 26 cm dick gedämmte Aussenwand beinhalten, «bis der Aufwand für die graue Energie unverhältnismässig ansteigt», so Hubers Befund.

Bezüglich haustechnischer Zusatzinstallationen gibt zudem der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) Entwarnung: Gemäss SIA-internen Berechnungen ist die graue Energie von Sonnenkollektoren spätestens nach 2½ Jahren amortisiert; danach wird «positive» Wärmeenergie geliefert. Derweil haben Photovoltaikzellen spätestens ab dem dritten Jahr ihre Herstellungsenergie wieder gut gemacht.

Produktedeklaration, Recycling und Eco-Zertifikat

Die graue Energie von einzelnen Bauteilen ist auch ein Mass für den Treibhauseffekt ihrer Produktion. Mehrere europäische Länder haben deshalb begonnen, für Bauprodukte die Deklaration von Umwelt- und Energieindikatoren zu verlangen. Hierzulande wird vor allem auch auf funktionierende Recyclingkanäle geachtet. Anbieter von Steinwolldämmstoffen nehmen beispielsweise das rückgebaute Material häufig zurück. Und immer öfter wird Recyclingbeton nachgefragt. Letzteres ist zudem zwingend, um das Minergie-Zertifikat mit dem Eco-Zusatz für Ressourcen schonendes Bauen ergänzen zu können.

ImagePoint (Hans Auer) Artikel drucken