Nachhaltige Immobilien als Mehrwert

Investitionen in die Ökologie sollen sich auch ökonomisch auszahlen. Der Immobilienmarkt hat sich daran gemacht, diesen Beweis zu erbringen.

Von der grünen Welle kann auch die Umwelt profitieren, denn ein nachhaltiges Gebäude hat tatsächlich umfassende Qualitäten vorzuweisen.
Von der grünen Welle kann auch die Umwelt profitieren, denn ein nachhaltiges Gebäude hat tatsächlich umfassende Qualitäten vorzuweisen.

(knü) Dass herausragend inzwischen auch nachhaltig meint, beweist das bald höchste Gebäude der Schweiz. Das Gebäude ragt er in voller Höhe – nämlich 126 Meter – in den Zürcher Himmel. Und bereits von Anfang an war geplant, den gläsernen Wolkenkratzer so umweltschonend wie möglich zu realisieren. Gemäss Peter Lehmann, Chief Investment Officer, Swiss Prime Site (SPS) erfolgt die Energieversorgung CO2-neutral. Doch damit nicht genug: Zusätzlich ist das Zürcher Hochhaus mit einem Nachhaltigkeitszertifikat ausgezeichnet. Zwar ist es nicht das hierzulande bestens bekannte Minergielabel. Dafür entspricht das Gebäude als eines der ersten in der Schweiz den umfassenden Anforderungen des US-amerikanischen Immobilienstandards LEED (Leadership in Energy and Environmental Design).

Umfassende Beurteilung

Ein Gebäude nach dem US-Label LEED sei ganzheitlicher als für den Minergie-Standard zu beurteilen. Doch der Grund für das Zertifikat ist tatsächlich weniger der hohe Grad an Energieeffizienz als vor allem ökonomisch bedingt: Banken und Versicherungen denken «grün» und verlangen bei Immobilien deshalb oft sogar minimale Nachhaltigkeitsstandards. Denn die Rechenmethoden haben sich unter den Marktteilnehmern offensichtlich den politischen Diskussionen angenähert: Nachhaltige Immobilien bedeuten Mehrwert und versprechen damit höhere Erträge. Private Bauherrschaften erstellen aus diesem Grund immer häufiger ein Minergiehaus. Und auch die professionellen Investoren legen zunehmend Wert auf zertifizierte Geschäftsimmobilien und deren hohe Renditeaussichten.

Umwelt profitiert von grüner Immobilienwelle

Von der grünen Welle kann dabei auch die Umwelt profitieren, denn ein nachhaltiges Gebäude hat tatsächlich umfassende Qualitäten vorzuweisen. Für das US-Label LEED sind neben einem geringen Energiebedarf vor allem auch ein sparsamer Umgang mit dem Wasser, der mit dem öffentlichen Verkehr direkt erreichbare Standort oder auch eine hohe Benutzerqualität bedeutsam. Zum Vergleich dazu beschränkt sich das Minergiezertifikat hauptsächlich auf eine Bewertung des geringen Energiebedarfs respektive auf hohe Dämmstandards und passive solare Energiegewinne. Insofern hat sich auch unter Bau- und Energiefachleuten eine gewisse Skepsis über das inländische Gebäudelabel Minergie breit gemacht. Denn wie sieht eigentlich die Gesamtbilanz für ein Passivhaus aus, das weit abseits liegt, und daher nur mit eigenem Auto und grossem Spritverbrauch erreicht werden kann?

Nachaltigkeit als messbarer Wert

Eine mögliche Antwort darauf könnte der ESI-Indikator geben, der das Risiko misst, welcher Wert das nachhaltige Objekt auf Grund langfristiger Entwicklungen gewinnt. Gemäss Beat Ochsner, Gruppenleiter Immobilienbewertung bei KPMG Real Estate, ist der Economic Sustainability Indicator (ESI) nämlich das weltweit einzige unabhängige Instrument, womit der wertmässige Einfluss der Nachhaltigkeit bemessen werden kann, während andere Instrumente die Nachhaltigkeit nur in Form eines Ratings angeben. Entwickelt wurde es an der Universität Zürich vor vier Jahren. Und seither haben einige grosse Immobilienbesitzer Interesse daran gezeigt, ihre gesamten Portfolios damit zu bewerten. Die ersten Tests waren erfolgreich. Aber trotzdem lässt der Durchbruch auf sich warten. Zwar sei die Immobilienbranche nach wie vor an grünen Investitionen interessiert, meldet KPMG-Bewertungsexperte Ochsner. Zudem hätten viele Immobilienfirmen und Banken inzwischen eigene Systeme erarbeitet. Doch ein Grund für die momentane Zurückhaltung sei, dass der Bewertungsaufwand eher grösser sei als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig seien viele Investoren noch unsicher, welches Nachhaltigkeitsverfahren sich am Markt durchsetzen könne.

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