Hausbau mit natürlichen Stoffen

«Zurück zur Natur»: Die Rückbesinnung auf natürliche Materialien macht auch vor dem eigenen Haus nicht halt, ganz im Gegenteil: Naturbaustoffe liegen ebenso im Trend wie biologisches Essen oder erneuerbare Energien.

Naturbaustoffe liegen ebenso im Trend wie biologisches Essen oder erneuerbare Energien.
Naturbaustoffe liegen ebenso im Trend wie biologisches Essen oder erneuerbare Energien.

(stö) Umweltbewusstes Bauen bezieht sich nicht einzig auf den ökologischen Einsatz von Energie und Ressourcen, vielmehr sollte sich auch die Materialwahl an der Wohngesundheit orientieren. Zwar sind die Zeiten, als man sich im Innern eines Gebäudes sprichwörtlich vergiften konnte (Stichwort Asbest), glücklicherweise vorbei. Trotzdem lohnt es sich, bei Neubauten und Sanierungen von Altbauten gesundheitlichen Aspekten Rechnung zu tragen. Für grössere Vorhaben empfiehlt es sich, Fachleute beizuziehen, denn nicht alle natürlichen Baustoffe verfügen über die gleichen Eigenschaften wie ihre «chemisch versetzten» Konkurrenten.

Fachstellen geben Auskunft

Der Einsatz von Naturbaustoffen gilt als Voraussetzung für gesundes Wohnen und Nachhaltigkeit. Als Naturbaustoffe gelten laut Definition Materialien, die den Anforderungen der «Baubiologie» – der Lehre der ganzheitlichen Beziehung zwischen dem Menschen und der von ihm bebauten Umwelt – entsprechen. Bei der Beurteilung der Umweltverträglichkeit ist der ganze Kreislauf eines Produkts – von der Herstellung über die Verwendung bis hin zur Entsorgung – zu berücksichtigen.

In der Schweiz besteht noch keine Zertifizierungsstelle für Naturbaustoffe. Anders in Deutschland, wo sich das «natureplus»-Label schon seit geraumer Zeit etabliert hat und an dem sich ebenfalls einige Schweizer Hersteller orientieren.

Mit der Schweizerischen Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie (SIB) existiert eine Fachstelle, welche sich mit der nachhaltigen Wechselwirkung Mensch – Bauwerk befasst. Auch der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat mehrere Instrumente und Dokumentationen für Planer und Bauherren herausgegeben, die sich um das ökologische Bauen drehen (insbesondere die Dokumentation SIA D 093 «Deklaration ökologischer Merkmale von Bauprodukten nach SIA 493»).

Natürliche Baustoffe existieren sowohl für den Aussen- als auch den Innenbereich und decken das ganze Spektrum vom Boden über Wände bis zur Decke ab.

Eine Auswahl an Naturbaustoffen:

  • Bodenbeläge aus Holz (auch Parkettböden), Linoleumbeläge und Teppiche
  • Dachziegel, zu deren Herstellung ausschliesslich Ton, Lehm, Quarzsand und Wasser verwendet worden ist.
  • Mauer- und Mantelsteine wie Hochlochziegel, Holzspan-Mantelsteine, Porenbetonsteine und Porenelemente auf Basis von Kalk-, Kalkzement- oder Zementmörtel sowie Lehm
  • Mörtel, Kleber und Putze aus natürlichen Materialien wie Kalk, Lehm etc.
  • Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Flachs, Hanf, Hobelspäne, Holzfasern, Roggen, Schafwolle, Kork oder Zellulose
  • Dämmstoffe aus mineralischen Rohstoffen wie expandiertes Naturgestein, Blähton, Blähglas, Mineralschaumplatten oder Dämmstoffe aus Schaumglas
  • Farben, Lacke und Lasuren wie z.B. Dispersionsfarben aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen oder mineralische Wandfarben
  • Holz / Holzwerkstoffe wie Bau-Spanplatten, Holzfaserplatten, Massivholz, Möbel-Spanplatten, Grobspanplatten (OSB-Platten) oder Sperrholzplatten
  • Trockenschüttungen als Isolation für Böden, Wände, Decken aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen wie Cellulose oder Gesteinsgranulaten
  • Trockenbauplatten oder ganze Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) aus Naturbaustoffen wie Holzfasern, Kork, Hanf, Schilf oder auch Gräser
  • Klebstoffe und Abdichtungen aus natürlichen Rohstoffen wie Stärke, Cellulose, Dextrine (Stärkegummi) oder Proteine.

Vorteile von Lehm und Kalk

Eine regelrechte Wiederauferstehung erfahren seit einigen Jahren Produkte aus Lehm und Kalk. Materialien, die schon von unseren Urahnen für Wohnbauten verwendet wurden. So lassen sich aus Lehm beispielsweise Mauersteine, Mauermörtel, Grund-, Deck- und Streichputze herstellen. Nebst den positiven Auswirkungen auf das Raumklima wird vor allem dem Lehm die Eigenschaft zugeschrieben, den Einfluss von hochfrequenten Strahlen zu reduzieren. Kalk wiederum gilt als antibakteriell und gleichzeitig als äusserst taugliches Mittel gegen Schimmelbefall.

Die Vorteile von natürlichen Baustoffen haben ihren Preis. Wie bei vielen anderen Bio-Produkten sind auch biologische Baustoffe tendenziell teurer, was nicht zuletzt mit der kleineren Serienproduktion zusammenhängt. In die Kostenberechnung sollten jedoch auch «weiche Faktoren» wie Behaglichkeit, Gesundheit und Nachhaltigkeit miteinbezogen werden.

 

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