Ökologische Dämmstoffe im Vergleich

Obwohl ökologische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen längst auch in ihren technischen Eigenschaften auf die Bedürfnisse am Bau optimiert sind, liegt der Marktanteil der ökologischen Dämmstoffe mit etwas mehr als 5% immer noch sehr niedrig gegenüber den synthetischen Dämmstoffen. Beim Einsatz ökologischer Dämmungen sind die Vor- und Nachteile gewissenhaft zu vergleichen und die Konstruktionsweisen auf die Besonderheiten der Materialien abzustimmen.

Holzfaserprodukte haben sich inzwischen als Dämmstoffe am Bau seit Jahrzehnten bewährt.
Holzfaserprodukte haben sich inzwischen als Dämmstoffe am Bau seit Jahrzehnten bewährt.

Ökologische Dämmstoffe

Die marktbeherrschende Position der synthetischen Dämmstoffe, wie Polystyrol, Styrodur, sowie Mineral- und Glaswolle besteht nach wie vor, obwohl in den letzten Jahren zahlreiche Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt und technisch optimiert wurden. Zu tief sitzen die Vorbehalte bei PlanerInnen und BauherrInnen gegenüber den vermeintlich nachteiligen Eigenschaften ökologischer Dämmstoffe. Konstruktions- und Verarbeitungsmängel müssen herhalten, um als Argumente gegen nachhaltige Dämmstoffe verwendet zu werden. So geistern immer noch Vorstellungen von selbstkompostierenden Dachdämmungen, von mottenzerfressenen Wanddämmungen und von durchsumpften Trittschallmatten aus ökologischen Materialien durch die Köpfe. Dabei schneiden ökologische Dämmstoffe, wie z.B. Holzfaser, Schafwolle, Flachs, Hanf, Zellulose, Kork auch im Vergleich ihrer physikalischen Eigenschaften, wie z.B. beim sommerlichen Wärmeschutz, deutlich besser ab als die synthetischen Vergleichsprodukte. Zudem ist allen eine bessere Ökobilanz mit geringerem Energiebedarf gemeinsam, sowie deutlich geringere gesundheitliche Beeinträchtigungen bei der Herstellung, bei der Verarbeitung, im Einbau, bei der Benutzung und in der Entsorgung. Lediglich die winterlichen Dämmwerte sind mit 0,04-0,05 W/m²K etwas nachteiliger als die Dämmfähigkeit synthetischer Dämmstoffe (0,035 W/m²K).

Doch wichtige Grundvoraussetzung für ein baubiologisch optimales Haus ist auch bei der Dämmstoffwahl der individuelle Vergleich der verfügbaren Materialien und die Entwicklung der technisch einwandfreien und optimalen Konstruktion im betreffenden Anwendungsfall.

Holzfaserdämmplatten

Holzfaserprodukte haben sich inzwischen als Dämmstoffe am Bau seit Jahrzehnten bewährt. Sie zählen zu den ökologischen und besonders wohngesunden Dämmmaterialien. Holzfaser- Dämmprodukte lassen sich für vielfältige Anwendungen miteinander kombinieren. Ihre diffusionsoffene Struktur garantiert bauphysikalische Sicherheit und bewirkt ein ausgeglichenes Raumklima. Aufgrund der niedrigen Wärmeleitfähigkeit bei zugleich hoher Wärmespeicherfähigkeit sparen mit Holzfaserdämmstoffen gedämmte Bauteile nicht nur im Winter Energie sondern schützen das Gebäude auch im Sommer vor der Überhitzung.

Holzfaserdämmplatten oder auch Weichfaserplatten werden aus Nadelholzabfall i.d.R. ohne Zusätze hergestellt. Sie bestehen fast ausschließlich aus Restholz, welches zerkleinert, zerfasert und anschließend unter Druck und Temperaturen um die 380 °C gepresst wird. Während dieses Vorgangs findet eine Verfilzung und Verklebung der Fasern durch die holzeigenen Harze statt. Beim Rohstoff handelt es sich in der Regel um unbehandelte Holzhackschnitzel, welche als Nebenprodukt bei der Holzbearbeitung anfallen.

Der Plattenverschnitt und Holzstaub kann wieder dem Produktionskreislauf zugeführt werden. Die Bindung der Platten beruht auf einer gezielten Aktivierung ihrer Eigenklebefähigkeit. Sonstige Bindemittel müssen nicht zugegeben werden, da die Fasern bei fachgerechter Verarbeitung eine exzellente Eigenklebefähigkeit besitzen. Die CO2-neutrale Holzfaserplatte eignet sich für vielfältigste Anwendungen als Dachdämmung, Wandplatte, Putzträgerplatte, Unterlagsboden, etc.. Sie ist einfach und angenehm zu verarbeiten.

Zellulosedämmung

Zellulose- Dämmung besteht zu ca. 82% aus Recyclingmaterial, nämlich aus geschreddertem Zeitungspapier. Das Material ist wieder verwendbar und deponiefähig. Bei der trockenen Aufbereitung des Zeitungspapiers zu Zellulosedämmstoff fallen keine unverwertbaren Abfälle an. Als Binde- und Brandschutzmittel werden 6% mineralische Bikofasern der Mischung hinzugefügt, die in einem grosstechnischen Prozess aus fossilen Brennstoffen hergestellt werden. Als weiteres Brandschutzmittel findet sich in der Zellulosedämmung 6% Borax-Decahydrat, ein weisser, fester und geruchsloser Stoff, der in der Umwelt zu natürlichem Borat zerfällt. Weitere 6% der Bestandteile ist Borsäure, die als Schimmelschutz beigefügt wird und bei der Verarbeitung nicht in die Atemwege gelangen soll, sowie nicht in Gewässer, Abwasser und Erdreich gelangen darf.

Das Altpapier wird in mehreren Stufen zerkleinert und im Wirbelstrom mit Borax und Borsäure vermengt. Dieses Gemisch, um die Bikomponentenfasern ergänzt, wird zu Platten gepresst, kurz erhitzt und formatiert. Durch die Hitze schmelzen die Außenbereiche der Faser und ermöglichen eine physikalische Bindung des Fasermaterials. Diese Herstellungsweise erfordert keine zusätzlichen Bindemittel. Es entstehen keine Abwässer und keine Produktionsabfälle, da sämtliche Verschnitte und Verpackungsmaterialien aus Papier wieder in den Prozess integriert werden können. Die Platten sind einfach verarbeitbar. Aufgrund der Beimengungen und feinen Faserbildung sollten zwischen Innenräumen und Zellulosedämmungen stets dichte Konstruktionen (z.B. verklebte Dampfbremsen) angeordnet sein.

Neben der Herstellung von Dämmplatten wird auch einblasfähiges loses Zellulose-Material in Säcken hergestellt. Mit Einblasdämmungen können Hohlräume zwischen Dachsparren oder Hohlwänden dicht und vollständig verfüllt werden. Da hierzu nicht die gesamte Konstruktion geöffnet werden muss, wird Einblasdämmung besonders auch in der Altbausanierung gerne angewendet. Inwieweit Zellulosedämmung mit Schwermetallen aus Druckerfarbe belastet ist, ist umstritten.

Schafwolle wird nach der Reinigung mit Seifen und Soda auf entsprechenden Maschinen zu Dämmfilzen, Matten, Trittschallplatten oder Stopfwolle weiterverarbeitet.
Schafwolle wird nach der Reinigung mit Seifen und Soda auf entsprechenden Maschinen zu Dämmfilzen, Matten, Trittschallplatten oder Stopfwolle weiterverarbeitet.

Schafwollmatten

Schafwolle wird seit ca. 15 Jahren als Dämmmaterial aufbereitet. Die Verarbeitung ist verhältnismässig einfach und energiesparend möglich. Aufgrund seiner Flexibilität eignen sich Schafwolldämmmatten besonders zum Einsatz in Holzkonstruktionen. Die Wärme und Schalldämmwerte sind gut aufgrund des Lufteinschlusses in den natürlichen Kräuselungen der Wollhaare. Schafwolle ist hygroskopisch und kann bis zu 30% ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen. Schafwolle hat eine hohe Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit, sowie geringe elektrostatische Aufladung. Schafwolle wird nach der Reinigung mit Seifen und Soda auf entsprechenden Maschinen zu Dämmfilzen, Matten, Trittschallplatten oder Stopfwolle weiterverarbeitet.

Gegen Mottenbefall muss sie geschützt werden, was meist durch die halogenorganischen Verbindungen Eulan oder Mitin erfolgt. Die Auswirkungen dieser Schutzmittel auf den Menschen sind derzeit noch unzureichend untersucht. Teilweise werden auch andere Schutzmittel, wie z.B. Borsalze verwendet, die aus baubiologischer Sicht derzeit als unbedenklicher eingestuft werden.

Manche Hersteller erhöhen die mechanische Stabilität von Schafwolldämmungen durch Beimengung von Stützfasergeweben aus Polyester. Der Primärenergiebedarf von Schafwolle wird mit 70-80 kWh/m³ angegeben. Die Herstellung von Mineralfaserdämmungen benötigt ca. 100-700 kWh/m³. Die ökologische Bilanz der Schafwolldämmung könnte noch besser ausfallen, wenn einheimisch verfügbare Wolle bevorzugt oder sogar ausschliesslich verwendet würde, da die meiste Wolle aus Massentierhaltung in Überseeländern, wie z.B. Australien, Neuseeland, Südafrika und Uruguay stammt. Zudem werden die Tiere in diesen grossen Herden fünf- bis sechsmal im Jahr in Pestizidbäder getaucht, um Milben, Läuse und Fliegenmilben zu vernichten. Um den Wollertrag zu erhöhen, werden den Tieren teilweise Antibiotika und Medikamente gegeben. Schafwolldämmungen werden in baubiologischen Sanierungen auch zur Speicherung von Formaldehyd eingesetzt.

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