Vorsicht: Natürlich gestrichen!

Naturfarben haben gegenüber konventionellen, synthetisch hergestellten Farben zahlreiche Vorteile: Sie geben nicht nur keine giftigen Dämpfe ab und sind geruchsärmer, sie sind auch gut für das Raumklima, wirken antistatisch, sorgen für ein warmes und natürliches Erscheinungsbild und können wieder in den natürlichen Kreislauf eingegliedert werden.

Eine wirkliche Naturfarbe zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Rohstoffe aus pflanzlichen oder mineralischen Quellen stammen.
Eine wirkliche Naturfarbe zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Rohstoffe aus pflanzlichen oder mineralischen Quellen stammen.

(pg) Die Wand frisch gestrichen, die Holzwand lasiert, alles präsentiert sich strahlend neu - und in der ganzen Wohnung riecht es nach Farbe, nach Lack und Lösungsmitteln. Kopfschmerzen oder gereizte Atemwege und Augen sind mögliche Beschwerden. Diese Erfahrung haben die meisten Heimwerker schon gemacht und auch diejenigen, die sich das Eigenheim vom Malermeister haben erneuern lassen.

Jedoch riecht es nicht nur. Konventionelle Farben aus synthetisch hergestellten chemischen Materialien enthalten Binde- und Lösungsmittel, die über lange Zeit an die Umwelt abgegeben werden, auch dann noch, wenn wir sie nicht mehr am Geruch erkennen.

Konkurrenz durch Naturfarben

Synthetikfarben haben allerdings starke Konkurrenz bekommen. Natürlichkeit und Nachhaltigkeit sind auch im Malerei-Bereich zu einem guten Verkaufsargument geworden und entsprechend drängen immer mehr Hersteller auf den Markt, die zur Verschönerung und Dekoration unserer Wohnräume Naturfarben anbieten.

Mit gutem Grund: Die Geschichte der Naturfarben reicht Jahrtausende zurück und ist an Höhlenmalereien genau so zu bestaunen wie in an grossartigen Bauwerken späterer Epochen, wo mit Kalk- und später Silikatfarben eine hohe Haltbarkeit und gute Pigmentaufnahme erreicht wurde.

Naturfarbe ist nicht gleich Naturfarbe

Der Durchbruch der gängigen Kunststoff-Dispersionsfarben erfolgte in den 1950er und 1960er Jahren. Diese werden zwar bis heute in riesigen Mengen produziert, aber in Zeiten, in denen mehr Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit gelegt wird, steigt die Nachfrage nach Naturfarben. Doch wo Naturfarbe drauf steht, ist nicht immer Naturfarbe drin. Da der Begriff rechtlich nicht genau geregelt ist, werden oftmals Begriffe wie «Bio», «Natur» oder «Öko» auf den Farbbehältern verwendet, auch wenn nur der Anteil Lösungsmittel reduziert oder einzelne synthetische Komponenten durch natürliche ersetzt wurden.

Natürlich bis zum biologischen Abbau der Farbreste

Doch die Definition der Naturfarben ist umfassender: Eine wirkliche Naturfarbe zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Rohstoffe aus pflanzlichen oder mineralischen Quellen stammen. Beispiele sind Leinöl, Baumharze oder Kalk. Die Farbe ist ungiftig, enthält keine Lösungsmittel. Die Herstellung erfolgt umweltschonend, Vertrieb wie auch Verarbeitung sind ökologisch. Und wenn es sich um eine 100-%ige Naturfarbe handelt, ist sie auch vollständig biologisch abbaubar. Die Farbresten können kompostiert, Farbbehälter und Pinsel mit Wasser gereinigt werden.

Naturfarben sind in erster Linie daran zu erkennen, dass sämtliche Inhaltsstoffe deklariert werden. Dadurch haben zum Beispiel Allergiker die Möglichkeit, Materialien mit Inhaltsstoffen, auf die sie reagieren, auszusortieren. Fehlt die Deklaration oder sind auch Elemente wie Fungizide, Blei oder Kunststoffe aufgeführt, handelt es sich nicht um Naturfarben. Für den Laien ist die Bestimmung wirklicher Naturfarben schwierig, eine eingehende Beratung durch Fachleute in den Verkaufsstellen empfiehlt sich.

Hohe Anforderungen

Die Anforderungen, die an Naturfarben gestellt werden dürfen, sind die gleichen wie an Dispersions- oder Lackfarben. Sie sollen gute Deckeigenschaften aufweisen, einfach zu verarbeiten sein und schnell trocknen. Gegenüber künstlichen Farben haben Naturfarben aber zahlreiche Vorteile. Sogenannte «diffusionsoffene» Naturharz-, Silikat- und Kalkfarben lassen die Unterlage aus Putz, Stein oder Holz atmen und sorgen so für ein gutes Raumklima. Sie wirken antistatisch, Staub wird also nicht angezogen, sondern fällt zu Boden.

Spezielle Ansprüche werden an Farben für den Aussenbereich gestellt. Sie sind durch Wind und Wetter, Feuchtigkeit und grosse Temperaturschwankungen höheren Belastungen ausgesetzt. Auch hier bieten die atmungsaktiven Eigenschaften von Silikat- oder Naturharzfarben Vorteile, weil die Bausubstanz schneller wieder trocknen kann.

Natürlicheres Erscheinungsbild

Innen wie aussen zeigen sich aber auch im Erscheinungsbild die Vorteile von natürlichen Farben. Farben oder Farbmischungen, wie sie in der Natur vorkommen, verbreiten eine wärmere Atmosphäre als künstlich hergestellte Farbtöne. Ein natürliches Farbbild ist garantiert.

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