Die intelligentesten Häuser der Welt

Sie tragen vielversprechende Namen wie «Apartimentum», «Aktivhaus» oder «Haus der Zukunft». Die Rede ist von intelligenten Gebäuden, die ihrer Zeit in vielen Bereichen voraus sind. Wir sagen Ihnen, welche Vorteile sie für ihre Bewohner und die Umwelt haben.

Zu den aktuell smartesten Gebäuden gehört das „Apartimentum“ in Hamburg.
Zu den aktuell smartesten Gebäuden gehört das «Apartimentum» in Hamburg.

Eines der aktuell smartesten Gebäude entstand im Auftrag von Xing-Gründer Lars Hinrichs. Schauplatz ist ein 1908 erbautes Haus in Hamburg-Rothenbaum mit dem bedeutungsvollen Titel „Apartimentum“. Anfänglich sollte das Objekt ein herkömmliches Mietshaus werden, doch im Laufe der Zeit reiften innovative Ideen, um dem Gebäude mit der gründerzeitlichen Fassade im Inneren Besonderheit zu verleihen. Leitidee bei der Modernisierung war die Steigerung des Wohnkomforts, denn den Nutzenden sollen möglichst viele Entscheidungen abgenommen werden. Voraussetzung dafür ist eine allumfassende Vernetzung. Das Smartphone dient als zentrales Steuerungselement und zur Identifizierung der Bewohnenden. Benachrichtigungen über eingetroffene Pakete oder fehlende Lebensmittel sind damit mobil einsehbar. Aufzüge, Lampen und Türen lassen sich ebenfalls damit bedienen. Waschmaschine und Heizung können bereits von unterwegs justiert werden. Der Knopfdruck am Gerät erübrigt sich somit. Die Daten der Mieter werden verschlüsselt in einer Cloud gespeichert und dienen nicht zur Profilbildung der Nutzer.

Weitere Innovationen geplant

Die Geräte sind mit Batterien ausgestattet, so dass bei einem Stromausfall auf keinen Komfort verzichtet werden muss. Darüber hinaus ist ein Photovoltaik-Speicher geplant. Weitere technische Innovationen sind bereits in der Planung. So könnten beispielsweise im Fussboden integrierte Waagen oder smarte Badezimmerspiegel den Komfort in den Wohnungen zukünftig erhöhen. Auch Duschen mit Wasserwiederaufbereitung könnten integriert werden. Mit Joulia ist in der Schweiz bereits eine Dusche mit Wärmerückgewinnung verfügbar. 

Aktives Haus

Das Aktivhaus B10 in Stuttgart gehört zu den ersten realisierten Bauten mit Gebäudesteuerung. Der von Werner Sobek geprägte Begriff Aktivhaus bezeichnet Gebäude, die eigens oder im Verbund mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Das 2014 fertiggestellte und zu Forschungszwecken initiierte Projekt erzeugt etwa das Doppelte des Energiebedarfs aus nachhaltigen Quellen. Mit dem Energieüberschuss werden zwei Elektroautos betrieben. Nach Abschluss der Forschungsphase sollen die gewonnen Erkenntnisse entsprechend eingesetzt werden. 

Das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt entstand in Brütten.
Das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt entstand in Brütten.

Energieautarkes Mehrfamilienhaus

Das von der Umwelt Arena Spreitenbach initiierte und 2016 fertiggestellte Projekt «Haus der Zukunft» in Brütten ist das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt. Nach der Messephase des vergangenen Winters bestätigten sich die simulierten Werte. So verbrauchten die Bewohner lediglich 2200 kWh pro Wohnung/Jahr. Die prognostizierte Stromlücke von 10 Prozent wird mit eigens produziertem Wasserstoff abgedeckt. Die Strom-zu-Wasserstoff-Technik (Power-to-Gas) ermöglicht eine langfristige Speicherung der überschüssigen Energie.

Die vorgesetzten Fassadenelemente bestehen aus Photovoltaikplatten und sind in Ihrer Funktion nicht erkennbar. Die verwendeten Photovoltaikfassadenplatten vermitteln den Eindruck einer gewöhnlichen Hausfassade und rufen keine Spiegelungen hervor. Die Fassadenmodule mit Dünnschichtsolarzellen liefern einen Teil der Gesamtenergieproduktion. Das Dach ist zusätzlich mit monokristallinen Solarzellen bestückt.

Die über ein Gebäudeleitsystem erfassten und ausgewerteten Energieströme stellen die optimale Steuerung des Hauses sicher. Somit sind die Bewohnenden stets über die Energieverbräuche informiert und können aktiv darauf reagieren. Grundsätzlich steht den Bewohnenden für ihr Leben im Haus (inklusive Haushalt und Mobilität) ganzjährig nur so viel Energie zur Verfügung, wie das Haus aus der Sonne gewinnen und speichern kann. Die Entertainmentsysteme und die Computer der Nutzer sollen soweit möglich durch aktive Information und Beratung auf einen minimalen Energieverbrauch optimiert werden.

Das Mehrfamilienhaus in Brütten setzt darüber hinaus auf eine energieeffiziente Fortbewegung. Allen Mietenden soll demnach ein Elektro- und ein Bio- / Erdgasauto zur Verfügung stehen. Die gebäudeeigene PV-Anlage erzeugt den dafür notwendigen Strom. Das Biogas für den Treibstoff wird extern aus organischen Abfällen über ein Kompogasgärverfahren gewonnen und kann an einer entsprechenden Erdgastankstelle bezogen werden.

Zusätzliche Informationen

HGEsch, Hennef, René Schmid Architekten AG Artikel drucken