Standards für die Smart Home Kommunikation

Wer intelligent wohnen will, steht vor der Herausforderung, dass viele Standards in der Kommunikation von Geräten und Systemen auf den jeweiligen Hersteller zugeschnitten und mit anderen Systemen nicht kompatibel sind. Welche Lösung bietet sich für den Hauseigentümer?

Wer intelligent wohnen will, steht vor der Herausforderung, dass viele Standards in der Kommunikation von Geräten und Systemen auf den jeweiligen Hersteller zugeschnitten und mit anderen Systemen nicht kompatibel sind.
Wer intelligent wohnen will, steht vor der Herausforderung, dass viele Standards in der Kommunikation von Geräten und Systemen auf den jeweiligen Hersteller zugeschnitten und mit anderen Systemen nicht kompatibel sind.

(hm) «Intelligentes Waschen» heisst es in der Werbung – wer will da nicht mitmachen und «smart haushalten»?  Tatsächlich sind viele Geräte auf dem Markt, die sich für eine Vernetzung eignen, die meisten auch über ein Smartphone. Wer allerdings in die technischen Informationen von Anbietern und Verbänden eintaucht, konstatiert rasch, dass die Umsetzung im eigenen Haushalt nicht so einfach ist. Sobald Produkte verschiedener Anbieter im Haus sind, herrscht eine Art babylonische Sprachverwirrung. Denn die Kommunikationsstandards sind, abgesehen von Ausnahmen, auf den Hersteller zugeschnitten; sie sind «proprietär», wie Fachleute das nennen.

Kunden sind an Lieferanten gebunden

Die Empfehlung, möglichst alle Haushaltgeräte von ein und demselben Hersteller zu kaufen, schränkt die Auswahl empfindlich ein, bindet aber die Kunden an den Lieferanten. Auch deshalb versuchen Verbände, übergeordnete Standards zu etablieren, an die sich die Geräte-Industrie halten sollte. Mit dem Standard DLNA (Digital Living Network Alliance) ist dies halbwegs gelungen, allerdings für Unterhaltungs- und Bürogeräte. Video, Drucker, PC, Fernseher und selbstverständlich Smartphone lassen sich über DLNA vernetzen. Dabei verliert der PC an Bedeutung: Als Zentrale fungiert in der Regel der Fernseher, ein Tablet oder Smartphone, was deutlich weniger Strom braucht als ein Rechner – und Geräusche verursacht der Ventilator im PC auch noch! Ein gewählter Kommunikationsstandard ist mehr oder weniger unabhängig vom Übertragungsweg, eine Vernetzung sollte über Funk genauso gut klappen wie über übliche Kupferkabel («Telefonkabel») und Stromleitungen («Powerline»).

Vielzahl an Standards

Die Vielzahl an proprietären respektive regionalen Standards verunsichert die Hersteller. Denn noch ist offen, welche dieser Standards schliesslich eine grosse Verbreitung finden. Erst in ein paar Jahren dürfte das Rennen entschieden sein. Ist es «Home Connect» von Bosch und Siemens, Miele@home, «Qivicon» der deutschen Telekom oder «Allseen Alliance» von Elektrolux? In Anbetracht des unübersichtlichen Angebots macht V-Zug einen intelligenten Schritt zurück: ihre Geräte können über TCP/IP vernetzt werden. Dieses Internet Protocol aus den 1970-er Jahren ist der erfolgreichste Standard überhaupt und am weitesten verbreitet. Gut möglich, dass ein künftiger Standard auf TCP/IP basiert. Versuche von V-Zug mit Digitalstrom zur Steuerung ihrer Geräte sind ebenfalls am Laufen. Ein Ansatz mit viel Potenzial bietet die Firma Apple: Mit dem neuen Betriebssystem iOS 10 kann die Datenbank HomeKit über ein App angesteuert werden. Mit dieser Plattform HomeKit lassen sich viele elektronische Geräte bewirtschaften. Als Vorteil erweist sich, dass Apple informative Ratgeber zur Installation und zur Implementierung der Tools offeriert. Ein weiteres offenes und weit verbreitetes Kommunikationssystem bietet KNX, eine Plattform mit fast 400 Partnerfirmen. KNX ist funkfähig (KNX-RF für Radio Frequency) und für Powerline (KNX-PL) sowie Kupferleitungen (KNX-TP für Twisted Pair) geeignet.

Bluetooth mit Potenzial

Eine steile Karriere hat Bluetooth hingelegt, ursprünglich ein Industrie-Standard. Handynutzern ist der Funkstandard bekannt und ebenso den Besitzern von smarten Uhren. Doch im Smart Home ist Bluetooth kaum verbreitet. Der Grund: Weil Bluetooth über Funk kommuniziert, brauchen Schalter und andere Netzelemente keine Leitungen. Da sie aber für den Betrieb Strom verbrauchen, wäre der Hausbesitzer ständig am Batterien wechseln. Mit Bluetooth Low Energy soll dies anders werden, lässt die Bluetooth Special Interest Group verlauten. An Interesse fehlt es dem Verband nicht: 25‘000 Firmen sind beteiligt. Namensgeber ist der dänische König Harald Blauzahn, der vor mehr als tausend Jahren Teile von Norwegen und Dänemark vereinigte.

Was soll ein Hauseigentümer machen? 

Einige Vorteile bietet der pragmatische Ansatz. Falls die Hauseigentümerschaft einzelne Funktionen oder Geräte vernetzen respektive fernsteuern will, ist der proprietäre Standard des Herstellers ganz sicher geeignet. Eine umfassende Vernetzung lässt sich zwar mit Kommunikationstools oder Gates bewerkstelligen, der Aufwand ist aber für Einfamilienhäuser unverhältnismässig hoch. Vorerst dürfte also ein Gerätepark, der innerhalb verschiedener «Sprachinseln» kommuniziert, sprich Bereiche mit einem einheitlichen Standard, die Regel sein. Beispiel: Die Heizung, Wassererwärmung und der Sonnenstoren empfangen ihre Befehle über KNX, die Bürogeräte sind über ein LAN-Netzwerk verbunden und die Küchengeräte nutzen den Firmen-Standard des Herstellers.

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