Der Eigentümer als Bauleiter

Wohneigentümer und Wohneigentümerinnen sind in der Regel keine Baufachleute. Deshalb tun sie sich mit Renovationen, die sie selbst leiten, oftmals schwer. Unsere Tipps helfen weiter.

Schauen Sie den Handwerkern nicht dauernd über die Schultern - prüfen Sie aber, ob sie achtsam mit dem Material umgehen und sorgfältig arbeiten.
Schauen Sie den Handwerkern nicht dauernd über die Schultern - prüfen Sie aber, ob sie achtsam mit dem Material umgehen und sorgfältig arbeiten.

(mei) Welche Handwerker soll man nehmen, worauf muss man beim Offertvergleich achten, wie lassen sich nachträgliche «Mehrkosten» vermeiden? Mit solchen Fragen ist man beim Umbau plötzlich konfrontiert. Wer weiss, worauf er achten muss, erlebt später keine bösen Überraschungen. Wer ganz sichergehen will, dass der Umbau professionell durchgeführt wird, überträgt diese Aufgabe einem auf Umbau spezialisierten Architekten.

Auswahl der Handwerker

Das Branchenverzeichnis liefert einen Überblick über das Angebot an Handwerkern. Engagieren Sie wenn möglich einen Unternehmer aus Ihrer Region. Er ist auf einen guten Ruf mehr angewiesen als jemand, dessen Kunden vorwiegend aus einer anderen Gegend stammen. Zudem fallen lange Anfahrtswege weg. Dies ist auch bei allfälligen Garantiearbeiten ein Vorteil. Im Idealfall kennen Sie jemanden aus Ihrem Bekanntenkreis, der Ihnen einen Handwerker empfehlen kann. Je nach Projektgrösse kann es zudem ratsam sein, den Unternehmer im Betreibungsregister zu prüfen. Wichtig ist auch, dass Ihr Bauchgefühl Ihre Wahl unterstützt.

Offerten einholen

Holen Sie mehrere Offerten ein, um eine bestimmte Bandbreite an Angeboten zu erhalten. In der Offerte sollten die Anforderungen, Grösse und Form des Bauteils oder Gerätes, Raum und Masse sowie die Lieferfristen enthalten sein. Zudem muss ersichtlich sein, ob die Montage oder Installation inbegriffen ist (in der Regel ist dies der Fall).

Wenn Sie von jedem Unternehmen dasselbe offerieren lassen, ist der Preis der entscheidende Faktor bei der Auftragsvergabe. Ist ein Anbieter markant billiger als seine Mitkonkurrenten, ist jedoch Vorsicht geboten: Es könnte sich um einen unseriösen Anbieter handeln. Falls Sie von jedem Unternehmer ein anderes Angebot einholen, sollte der Mehrpreis für ein qualitativ hochwertigeres Gerät Ihren Bedürfnissen wirklich entsprechen.

Passen Sie auf, dass Sie nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: Vergleichen Sie die Preise pro Quadratmeter, nicht die Endpreise anhand der geschätzten Quadratmeter. Schauen Sie, ob die Mehrwertsteuer inbegriffen ist oder nicht.

Achtung: Bei einer Beratung ohne späteren Auftrag fällt in der Regel eine Entschädigung an, sofern dies vorher so vereinbart wurde.

Rechtliche Fragen

Bestätigen Sie den Auftrag mit einem Auftragsschreiben. Darin sollten der Auftrag selbst, die Offerte oder Besprechung (mit Datum), der Betrag und die Konditionen enthalten sein. Ein besonderes Augenmerk verlangt die Abgrenzung zwischen den Auftragsnehmern respektive der Arbeiten. Beispiel: Ofen und Kamin. Achten Sie darauf, dass Garantiefristen nach OR vereinbart werden oder – falls Sie einen Werkvertrag abschliessen – festgehalten wird, dass die SIA-Normen zur Anwendung kommen.

Um sich finanziell gegen Mängel abzusichern und das Risiko des Bauhandwerkerpfandrechts zu mindern, sollten Sie Zahlungen erst nach Abnahme leisten bzw. bei grösseren Aufträgen lediglich Akonto-Zahlungen vornehmen.

Kostenkontrolle

Der Rechnungsbetrag sollte dem Betrag in der Offerte entsprechen. Falls unvorhergesehene Umstände auftreten (beispielsweise ein schlechter Untergrund bei verdeckten Arbeiten), die zu Mehrkosten führen, muss der Handwerker Sie unverzüglich darauf aufmerksam machen. Bei geschätzten Beträgen aufgrund einer angenommenen Quadratmetergrösse darf die Endabrechnung jedoch eine Abweichung von bis zu 10 % aufweisen. Offerierte Einheitspreise (pro Quadratmeter) sind hingegen verbindlich.

Tipps und Tricks

So wird's billiger

  • Fragen Sie nach, welche Kosten in der Offerte nicht ausgewiesen sind: Sind z.B. Arbeit, Anfahrtsweg und Demontage inbegriffen?

  • Vergewissern Sie sich, welcher Stundenansatz für Regiearbeiten gilt.

  • Falls Sie handwerklich geschickt sind, können Sie unter gewissen Umständen Vor- oder Handlangerarbeiten übernehmen – klären Sie die Konditionen vorher ab.

Handwerker im Haus

  • Räumen Sie vor der Ankunft der Handwerker alles weg, was ihnen im Weg stehen könnte, und decken Sie die Böden und Wände ab.

  • Der Handwerker versteht mehr vom Fach als Sie – halten Sie sich mit Ratschlägen zurück.

  • Schauen Sie den Handwerkern nicht dauernd über die Schultern – prüfen Sie aber, ob sie achtsam mit dem Material umgehen und sorgfältig arbeiten.

  • Begutachten Sie Unterputz-Arbeiten vor dem Verputzen.

Hans Rausser und Gebäudeversicherung Bern Artikel drucken