Architektenvertrag nach SIA abschliessen

In guten Zeiten die Zusammenarbeit mit dem Architekten vertraglich regeln, damit man als Bauherr für schlechte Zeiten gerüstet ist: Am einfachsten geht's mit dem Mustervertrag des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA).

02_architektenvertrag_quer
Der Architektenvertrag regelt die Punkte, die zwischen Bauherren und Architekten zu Streitigkeiten führen können.

(mei) Ob Projektumfang, Bauleitung oder Termine, ob Honorarabrechnungen, Teuerungsanpassung oder Versicherungen: Der Architektenvertrag regelt die Punkte, die zwischen Bauherren und Architekten zu Streitigkeiten führen können. Weil der Inhalt eines Architektenvertrags nicht durch das Gesetz vorgegeben wird, hat der SIA einen Mustervertrag herausgegeben. Er nennt sich «Vertrag für Architekturleistungen Nr. 1002» und basiert auf der SIA 102, der «Ordnung für Leistungen und Honorare der Architektinnen und Architekten». Der Mustervertrag dient den Parteien als Orientierung, und führt auf 15 Seiten auf, wie die Leistung des Architekten im Detail aussieht. «Der Mustervertrag regelt die Zusammenarbeit auf eine Weise, die sich für viele Situationen eignet. Der Vertrag sollte aber im Einzelfall stets von einem Baujuristen auf das jeweilige Bauprojekt angepasst werden», sagt Walter Maffioletti, juristischer Berater des SIA.

Die Kosten im Griff haben

Maffioletti rät allen Bauherren zum Abschluss eines Architektenvertrags. «Der Aufwand für die Vertragsprüfung ist im Vergleich zu den Kosten, die aufgrund eines mangelhaften Vertrags anfallen, gering», meint der Rechtsanwalt. Der Vertrag kann zwar nicht jedes Detail regeln, leiste aber gute Dienste, was gerade auch bei den Kostenprognosen vorteilhaft sei. Kostenüberschreitungen führen am häufigsten zu Auseinandersetzungen zwischen Bauherr und Architekt, sagt Lukas Manuel Herren, Sekretär des Hauseigentümerverbands Bern und Umgebung: «Ein Bau erfordert seitens der Bauherren eine grosse Vorstellungskraft, damit sie die Wirkung von grossflächigen Farben und Materialien visualisieren können. Zudem ist eine sorgfältige Betreuung durch den Architekten notwendig, damit den Bauherren die Konsequenzen ihrer Entscheide bewusst sind.» Ist dies nicht gegeben, kommt es zu Planänderungen, was bei einem laufenden Projekt mit hohen Kosten verbunden sein kann.

Wahl des Architekten wichtig

Herren empfiehlt nebst dem Abschluss eines Architektenvertrags, der insbesondere bei komplexen Bauvorhaben Sinn mache, bereits bei der Wahl des Architekten grosse Sorgfalt walten zu lassen. So solle man nicht einfach einen Architekten aus dem Telefonbuch wählen, sondern Referenzen einholen, damit es gar nicht erst zu unliebsamen Überraschungen kommt. «Manche Architekten erstellen grossartige Konzepte, eignen sich jedoch nicht für die Bauleitung. Bei den Referenzen scheidet sich schnell die Spreu vom Weizen», weiss Herren. Zu Vorsicht mahnt er hingegen bei vorgängigen Freundschaften zwischen einem Bauherrn und einem Architekten, da man hier oft befangen sei und deshalb nicht entschieden genug auftreten könne. Weil der Architektentitel in der Schweiz nicht geschützt ist, empfiehlt Maffioletti zudem, vor einem Vertragsabschluss die Qualifikationen des Architekten zu prüfen oder einen Architekten zu beauftragen, der Mitglied beim SIA ist.

ImagePoint (gpichler.com) Artikel drucken