Denkmalgeschütztes Haus sanieren

Das Umbauen von «denkmalgeschützten» Häusern ist grundsätzlich gut möglich. Bauherren sollten die Denkmalpflege am besten so früh wie möglich miteinbeziehen. Was gebaut werden kann und welchen Anteil der Kosten die Denkmalpflege übernimmt, entscheidet sich von Fall zu Fall.

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Erweitertes und erneuertes Mehrfamilienhaus aus dem Jahre 1896 im Berner Breitenrainquartier. Die dunkle Dachwohnung konnte mit einem Neubaukubus erweitert werden mit der Forderung der Denkmalpflege, dass er strassenseitig nicht sichtbar sein darf.

(msm) Das Wichtigste vorneweg: Wer ein Haus umbauen bzw. renovieren möchte und sich nicht sicher ist, wie es um den Denkmalschutz steht, sollte sich als Erstes bei der Gemeinde erkundigen, ob es im Inventar der erhaltens- oder schützenswerten Objekte aufgeführt ist. Wenn das der Fall und es sogar als «K-Objekt» eingestuft ist, muss zwingend die Denkmalpflege beigezogen werden. «Im Idealfall sind dann bereits bei der ersten Besprechung mit den ersten Ideen der Bauherrschaft sowohl die Denkmalpflege als auch die Gemeinde vertreten», sagt Michael Gerber, Denkmalpfleger des Kantons Bern.

Kantonal geregelt

Die Denkmalpflege ist im Detail kantonal geregelt; im Kanton Bern sind die Bestimmungen auf das Denkmalpflegegesetz und die Baugesetzgebung aufgeteilt. Das Baugesetz beschreibt Baudenkmäler als Objekte und Ensembles, die einzeln oder als Gruppe wegen ihres besonderen kulturellen, historischen oder ästhetischen Wertes geschützt oder erhalten werden sollen. Auf Bundesebene gilt das Natur- und Heimatschutzgesetz. Es schreibt den Erhalt und den Schutz von Kulturdenkmälern und Ortsbildern vor.

Es gibt aber nicht einfach «denkmalgeschützte» Bauten, sondern verschiedene Abstufungen:

  1. Erhaltenswerte oder schützenswerte Objekte 

    Bauten, die mindestens 30 Jahre alt sind, können im Bauinventar des Kantons Bern als erhaltens- oder schützenswert bezeichnet sein. Gemäss Michael Gerber sind das etwa 11% aller Gebäude. Im Bauinventar sind zudem Baugruppen ausgeschieden – das ist wichtig für den zweiten Punkt. In einem Baubewilligungsverfahren können die Eigentümer einen Nachweis verlangen, dass das Objekt zu Recht ins Bauinventar aufgenommen wurde.

  2. K-Objekte 

    Unter den erhaltenswerten Bauten sind als K-Objekt (kantonales Objekt, rund 7% aller Gebäude) jene bezeichnet, die in Ortsbildschutzperimetern der Gemeinde und Baugruppen des Bauinventars stehen. Die als schützenswert eingestuften Bauten sind grundsätzlich alles K-Objekte. Das bedeutet, dass bei jedem Bauvorhaben zwingend die Denkmalpflege beigezogen werden muss.

    Bei erhaltenswerten Objekten, die keine K-Objekte sind, kann die Gemeinde selbst über Bauvorhaben entscheiden und bei Bedarf eine Fachstelle (Heimatschutz) beiziehen.

  3. Denkmalgeschützte Objekte 

    Die Bezeichnung «denkmalgeschützt» wird erst für Bauten verwendet, die formell unter Schutz gestellt sind, d.h. per Vertrag oder Regierungsratsbeschluss und im Grundbuch eingetragen. Dies gilt für etwa 1,6% aller Berner Bauten.

Gemeinsam Lösungen finden

Das frühe Beiziehen der Fachleute von der Denkmalpflege erleichtert den gesamten Ablauf eines Umbaus. Denn sie hat sich nach Gesetz in einem Fachbericht zum Vorhaben zu äussern, wenn das Baugesuch eingereicht wird. Erteilt wird die Bewilligung aber immer durch die Gemeinde oder den Regierungsstatthalter; dieser Entscheid kann denn auch aus triftigen Gründen von der Meinung des Fachberichts abweichen. Üblich ist aber in den meisten Fällen ein einvernehmliches Verfahren: «Idealerweise entwickeln wir ein Projekt gemeinsam mit dem Ziel, mit dem Baugesuch einfach den Fachbericht einreichen zu können – ohne Überraschungen für die Bauherrschaft», sagt Michael Gerber. Nur gerade in vier von tausend Fällen komme es zu Beschwerden im offiziellen Verfahren; «Wir gehen davon aus, dass wir Lösungen finden.»

Finanzielle Beiträge

Wenn die Denkmalpflege bei einem Umbauprojekt mitredet, gibt es in den meisten Fällen auch finanzielle Unterstützung. Beitragsberechtigt sind werterhaltende Arbeiten, nicht aber wertvermehrende. Grundsätzlich sei eine Mitfinanzierung bei allen Objekten des Bauinventars möglich, sagt Gerber: «Die Bauherren haben aber keinen Anspruch; die Fachstelle entscheidet, ob eine Unterstützung angebracht ist oder nicht.» Die Denkmalpflege bestimmt je nach Ortsbild und Gebäude einen Prozentsatz, der an die werterhaltenden Kosten übernommen wird. Wenn die beitragsberechtigten Kosten nach Erhebung durch die Fachstelle aus den Offerten beispielsweise insgesamt 100'000 Franken betragen, kann sich ein Beitrag 20'000 oder 40'000 Franken belaufen. «Es kann in einzelnen Fällen auch sein, dass wir Kosten vollständig übernehmen: Etwa wenn wir eine Inschrift erhalten wollen, die für die Bauherrschaft absolut nicht notwendig wäre», erklärt Michael Gerber. Zu beachten ist ausserdem, dass bei Beiträgen ab 5'000 Franken die formelle Unterschutzstellung durch Vertrag und Eintrag ins Grundbuch Bedingung ist.

Denkmalpflege und Ökologie

Forderungen der Denkmalpflege und Bestrebungen, ein Objekt energetisch und ökologisch zu optimieren, müssen einander nicht widersprechen, findet Michael Gerber: «Es gibt x Beispiele selbst von geschützten Objekten, wo Solarzellen oder -kollektoren installiert werden konnten.» Aber beispielsweise Riegelhäuser nach den jüngsten Normen möglichst gut zu isolieren, sei manchmal schon aus bauphysikalischen Gründen schlicht nicht möglich. «Es gilt, immer von Fall zu Fall zu entscheiden; es ist ein Zusammenspiel ganz vieler Faktoren», sagt Gerber. Da die Thematik in den vergangenen Jahren viel wichtiger geworden ist und sich rasant entwickelt hat, seien alle Beteiligten – von den Produzenten und Lieferanten über Baufachleute und Bauherren bis zur Denkmalpflege – «etwas überfordert». Aber: «Wir sind stark daran, Kontakte zu pflegen und Wissen zu erarbeiten.»

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