Datenschutz

Cookies helfen uns, unsere Website besser auf Ihre Interessen und Bedürfnisse abzustimmen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzrichtlinie einverstanden.

So planen Sie als Wohneigentümer Ihren Nachlass

Planen Sie Ihren Nachlass lieber früher als später. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Besonders, wenn Sie Wohneigentum besitzen. Wir haben zusammengestellt, auf was Sie achten sollten, damit die Erbteilung nicht zur Belastungsprobe wird.

Testament
Planen Sie Ihren Nachlass lieber früher als später.

(rh) Wenn es um die Erbschaft geht, geraten sich Erben gerne in die Haare. Vor allem, wenn nicht nur Bargeld oder Wertschriften vererbt werden, sondern ein Haus oder eine Wohnung. Planen Sie Ihren Nachlass darum lieber früh als zu spät oder gar nicht. So regeln Sie, wer was erbt, und vermeiden Streit, weil alles geregelt ist. Der Hauseigentümerverband Schweiz empfiehlt diesen Fünf-Punkte-Plan, der sich in der Praxis bewährt hat.

Schritt 1: Ausgangslage erfassen

Zuerst muss die Ausgangslage erfasst werden. Dazu gehören unter anderem der familiäre Hintergrund, der Güterstand (Errungenschaftsbeteiligung, Gütergemeinschaft oder Gütertrennung), bisherige Massnahmen in der Nachlassplanung wie Ehevertrag, Erbvertrag oder Testament, ein Verzeichnis aller Vermögenswerte sowie ein Verzeichnis aller Schenkungen und Erbvorbezüge. Wichtig ist auch, ob und wie die Schenkungen oder Erbvorbezüge bei der Erbteilung berücksichtigt werden müssen (siehe «Wohneigentum abtreten ohne Streit in der Familie»).

 

Schritt 2: Höhe der Erbschaft ermitteln

Dann muss ermittelt werden, was beziehungsweise wie viel vererbt wird. Bei Eheleuten braucht es dafür eine güterrechtliche Auseinandersetzung. Bei dieser werden die in die Ehe eingebrachten oder während der Ehe gekauften Vermögenswerte auf die Eheleute aufgeteilt. Entscheidend für die Erbteilung ist der Güterstand:

  • Wenn Ehepaare nichts anderes vereinbaren, gilt die Errungenschaftsbeteiligung. Die Ehepartner trennen ihre Vermögen und bleiben Eigentümer ihres Eigenguts. Das sind Vermögenswerte, die sie in die Ehe einbringen, erben oder geschenkt bekommen. Alles, was sie während ihrer Ehe gemeinsam sparen, gilt als Errungenschaft und wird bei der Erbteilung fifty-fifty geteilt. Das gilt auch für Beiträge in die 3. Säule.

  • Für die Gütergemeinschaft müssen Ehepaare einen Ehevertrag abschliessen. Die Gütergemeinschaft unterscheidet Eigengut der Partner und Gesamtgut des Paares. Zum Gesamtgut zählen Einkommen und Vermögen, die nicht vom Gesetz (persönliche Gegenstände) oder vom Ehevertrag dem Eigengut zugeschlagen werden. Das Gesamtgut gehört beiden und wird bei der Erbteilung fifty-fifty aufgeteilt.

  • Am einfachsten ist die Gütertrennung. Weil die Ehepartner Eigentümer ihrer eigenen Güter sind, gibt es keine gemeinsamen Güter aufzuteilen. Wenn die Ehefrau stirbt, gehen ihre Güter in die Erbteilung – und die Güter des Ehemannes werden nicht angerührt. Oder umgekehrt. Auch für die Gütertrennung müssen Ehepaare einen Ehevertrag abschliessen und notariell beurkunden lassen.

Schritt 3: Erben bestimmen

Nun geht es darum festzustellen, wer erben soll. Am besten spielt man durch, was geschieht, wenn die Erbschaft ohne Testament oder Erbvertrag geteilt wird. Wer wären die gesetzlichen Erben, wer wäre pflichtteilgeschützt, wie hoch wären diese Pflichtteile? Das Erbrecht geht von der Stammesordnung aus, der Parentelenordnung, und unterteilt die Blutsverwandten in drei Stämme:

  • 1. Stamm: Nachkommen des Erblassers und alle Personen, die von diesen Nachkommen abstammen.

  • 2. Stamm: Eltern des Erblassers und alle Personen, die von diesen Eltern abstammen.

  • 3. Stamm: Grosseltern des Erblassers und alle Personen, die von diesen Grosseltern abstammen.

Neben den Blutsverwandten sind überlebende Ehepartner und überlebende eingetragene Partner gesetzlich erbberechtigt. Ehepartner und eingetragene Partner sind gleichberechtigt, das Gesetz behandelt sie gleich. Wie viel sie erben, hängt von der Familiensituation ab. Wichtig: Das Gesetz regelt das Konkubinat nicht, auch das Erbrecht nicht.

Schritt 4: Massnahmen einleiten

Mit dieser Auslegeordnung können Sie die individuellen Massnahmen einleiten. Wenn Sie Ihren Nachlass individuell regeln wollen, haben Sie diese Möglichkeiten:

  • Sie setzen ein Testament auf und begünstigen einzelne Erben, ohne die Pflichtteile anderer Erben zu verletzen (freie Quote).

  • Sie schliessen einen Ehevertrag ab und begünstigen Ihre Partnerin oder Ihren Partner maximal oder räumen ihr beziehungsweise ihm das Nutzungsrecht am Haus ein.

  • Sie setzen einen Erbvertrag auf und verteilen Ihr Erbe unabhängig von Pflichtteilansprüchen oder anderen Bestimmungen. Der Erbvertrag geht am weitesten und muss darum von allen Erben unterzeichnet und öffentlich beurkundet werden.

Schritt 5: Willensvollstrecker einsetzen

Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr letzter Wille so umgesetzt wird, wie Sie sich das vorstellen, sollten Sie einen Willensvollstrecker einsetzen. Besonders, wenn die Familienverhältnisse verzwickt oder die Vermögensverhältnisse komplex sind. Sinnvollerweise beziehen Sie den Willensvollstrecker in die Nachlassplanung mit ein, damit er auf die Massnahmen (Testament, Ehevertrag, Erbvertrag) Einfluss nehmen und sich rechtzeitig auf die Erbteilung einstellen kann.

Wer erbt, wenn es keine Nachkommen gibt?

Wenn Alleinstehende ohne Nachkommen sterben, kommt die Stammesordnung (siehe «Schritt 3: Erben bestimmen») zum Zug. So will es das Erbrecht.

  • Zuerst der 2. Stamm (Eltern des Erblassers und alle Personen, die von diesen Eltern abstammen: Brüder, Schwestern, Nichten, Neffen),

  • dann der 3. Stamm (Grosseltern des Erblassers und alle Personen, die von diesen Grosseltern abstammen: Onkel, Tante, Cousinen, Cousins usw.).

Das sind unter Umständen Menschen, die der Erblasser nicht gekannt oder, schlimmer noch, nicht gemocht hat. Darum sollten auch Alleinstehende ohne Nachkommen einen Erbvertrag oder ein Testament aufsetzen.

Wenn keine Erben auffindbar sind, erlassen die Behörden einen Erbenaufruf, beispielsweise im Amtsblatt oder in Zeitungen. Falls sich niemand innerhalb eines Jahres meldet, geht der Nachlass in der Regel an den Kanton oder die Gemeinde, in dem oder in der der Erblasser zuletzt gewohnt hat. Falls sich innerhalb von zehn Jahren doch noch ein Erbe meldet, hat dieser einen Rückforderungsanspruch.

Zusätzliche Informationen

istockphoto Artikel drucken