Hausbau: Wer haftet für die Baustellensicherheit?

Baustellen bergen viele Gefahren. Bei der Sicherheit stehen Bauherren, Planer, Unternehmer und Arbeiter gleichermassen in der Pflicht. Wer haftet, im Falle eines Unfalls auf der Baustelle?

Bei der Sicherheit auf der Baustelle stehen Bauherren, Planer, Unternehmer und Arbeiter gleichermassen in der Pflicht.
Bei der Sicherheit auf der Baustelle stehen Bauherren, Planer, Unternehmer und Arbeiter gleichermassen in der Pflicht.

(stö) In der Schweiz erleidet jeder fünfte Bauarbeiter jährlich einen Unfall. Zwar ist die Zahl der Unfälle im Bauhauptgewerbe – proportional zur Zahl der Beschäftigten – in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent zurückgegangen, aber im Vergleich zu anderen Tätigkeiten ist die Unfallrate auf dem Bau nach wie vor sehr hoch.

Sicherheit betrifft alle

In die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Bau sind sämtliche Beteiligten involviert: die Baufirmen und deren Mitarbeiter, aber auch die Bauherrschaft und die Planer stehen in der Verantwortung. Bauarbeiten müssen so geplant werden, dass das Sicherheitsrisiko möglichst gering gehalten werden kann. Dies betrifft beispielsweise die Errichtung von Gerüsten, Geländern oder Abdeckungen von Bodenöffnungen etc.

Besonders herumliegende Gegenstände werden häufig zu Stolperfallen. Eine tadellose Organisation auf dem Bau trägt daher viel zur Minimierung von Unfällen bei. Hinzu kommt, dass das Thema Sicherheit mit der Schlüsselübergabe nicht erledigt ist; vielmehr muss für künftige Unterhalts- und Reinigungsarbeiten die Sicherheit ebenfalls gewährleistet sein. Ebenso müssen Baustellen nach aussen gegen unbefugten Zutritt geschützt werden.

Richtiges Verhalten und geeignete Ausrüstung

Auf das richtige Verhalten und die richtige Ausrüstung der Bauarbeiter entfällt fraglos der grösste Anteil der Unfallprävention. Geeignete Kleidung wie ein Schutzhelm, festes Schuhwerk, Handschuhe oder – je nach Einsatz – Kleidung in Signalfarben sollten auf jeder Baustelle eine Selbstverständlichkeit sein. Richtiges Verhalten heisst allem voran, keine unnötigen Risiken in Kauf zu nehmen und den Sicherheitsaspekten trotz Termin- und Konkurrenzdruck Vorrang einzuräumen.

Viele Baufirmen haben in der Zwischenzeit erkannt, dass eine ausgeprägte Sicherheitskultur auf dem Bau kein Hindernis, sondern ein Wettbewerbsvorteil ist, da möglichst tiefe Unfallkosten die Rechnung entlasten. Entsprechend werden die Mitarbeitenden geschult und unterstützt.

Schutzmassnahmen gehören in den Werkvertrag

Es gibt eine Vielzahl von gesetzlichen Vorschriften und anerkannten Regeln der Baukunde in Normen, die vom Unternehmer und der Bauleitung zu beachten und durchzusetzen sind. Dabei sind die Bauarbeiten-Verordnung des Bundes und die EKAS-Richtlinien (Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit) besonders zu beachten.

In erster Linie ist es Pflicht des Unternehmers als Arbeitgeber, die Vorschriften zu erfüllen und die Sicherheit seiner Arbeitnehmer zu gewährleisten. Die Bauleitung hat die Arbeiten hinsichtlich der Durchsetzung der Sicherheitsvorschriften zu überwachen. Wie weit sie dabei gehen muss, geht aus ihren Rechten und Befugnissen, insbesondere aus dem Weisungsrecht hervor, das ihr gemäss Vertrag mit dem Bauherrn zusteht. Allgemein kann festgehalten werden, dass der Bauleitung zugemutet wird, dass sie im Rahmen ihrer allgemeinen Kontrollpflicht erkennt, was einer Fachperson allgemein auffallen muss.

Art. 104 der SIA-Norm 118 bestimmt die gemeinsame Pflicht des Unternehmers und der Bauleitung, für die Sicherheit aller am Bauwerk Beschäftigten zu sorgen. Der Personenkreis geht somit über die eigenen Arbeitnehmer des Unternehmers und der Planer hinaus. Zu den am Bauwerk Beschäftigten zählen auch der Bauherr und seine Hilfspersonen, die auf der Baustelle zu tun haben.

Baustellenbesucher versichern

Während die Bauarbeiter selber durch die Unfallversicherungen versichert sind, stellt sich bei Unfällen von Besuchern auf der Baustelle die Haftpflichtfrage. Gemäss Art. 107 der SIA Norm 118, (allgemeine Bedingungen für Bauarbeiten) vereinbaren der Bauherr und der Unternehmer untereinander, welche Haftpflichtversicherung die Folgen von Besucherunfällen deckt und auch, wer für die Führung von Besuchern im Einzelfall verantwortlich ist. Dies kann die Bauherren- oder die Betriebshaftpflichtversicherung des Unternehmers sein. Versicherer bieten auch eine spezielle Besucherunfallversicherung an, die bei Unfällen für die Haftung aufkommt.

Treffen Bauherr und Unternehmer keine Vereinbarung über die Versicherung von Besuchern, trifft den Unternehmer aufgrund seiner allgemeinen Fürsorgepflicht die Versicherungspflicht für Besucherunfälle.

Auf der Baustelle sind auch Bauherren oder Baustellenbesucher einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt und deshalb angehalten, sich mindestens mit Sicherheitshelm und sicheren Schuhen auszurüsten.

Bauherrenhaftpflichtversicherung

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Als Bauherr können Sie haftbar gemacht werden, wenn Dritte auf Grund Ihrer Bautätigkeiten Schaden erleiden. Die Bauherrenhaftpflicht kümmert sich in einem solchen Fall um die Wiedergutmachung von Personen- und Sachschäden Dritter.

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