Wahl des richtigen Mediators

Als neutraler Gesprächsleiter setzt sich der Mediator oder die Mediatorin mit allen beteiligten Parteien an einen Tisch, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Lesen Sie, worauf es bei der Wahl des richtigen Mediators ankommt und weshalb sich Mediation nur zögerlich durchsetzt.

Der Mediator hat als neutraler Dritter die Aufgabe, die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien zu fördern.
Der Mediator hat als neutraler Dritter die Aufgabe, die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien zu fördern.

(ves/mei) Der Mediator hat als neutraler Dritter die Aufgabe, die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien zu fördern. Er ist interessenunabhängig, allen Parteien gleichermassen verpflichtet und sorgt für einen fairen und transparenten Ablauf der Mediation. Ausgebildete Mediatoren sind oft in der Wirtschaft oder in der Verwaltung tätig und beschäftigen sich mit der Führung und Schulung von Personal.

Bei der Wahl des Mediators sollte man verschiedene Punkte beachten:

  • Hat die Fachperson eine qualifizierte Ausbildung absolviert (Fachhochschule, Verband etc.)?
  • Besitzt die Fachperson Erfahrung in dem Bereich, um den es geht?
  • Sind die Spesen- und Honoraransätze transparent?
  • Ist die Fachperson in rechtlichen und/oder psychosozialen Belangen ausgebildet? Das kann je nach Situation und Thema von Vorteil sein.

Einen Mediator finden

Einen Mediator oder eine Mediatorin findet man im Internet auf der Homepage von Koordination Mediation Schweiz. Über eine Suchmaske erhält man je nach Kanton und Verbandszugehörigkeit eine Liste mit in Frage kommenden Personen. «Aufgeführt sind nur solche, welche die eineinhalbjährige Fachhochschulausbildung abgeschlossen haben und sich ständig weiterbilden», sagt Martin Zwahlen, Geschäftsführer des Schweizerischen Dachverbands Mediation und Inhaber einer Anwalts- und Mediationspraxis. Er rät, bei der Auswahl aufs Bauchgefühl zu hören und einem Mediator oder einer Mediatorin nach einem ersten Gespräch wieder abzusagen, falls man sich eine Zusammenarbeit nicht vorstellen kann. Wer nicht sicher ist, ob Mediation überhaupt das Richtige ist, kann sich beim Schweizerischen Dachverband Mediation unter Telefon 0800 001 444 zu einer kostenlosen Sprechstunde in seinem Kanton anmelden.

Günstiger als ein Gerichtsprozess

Wie lange es dauert, bis eine Einigung erzielt wird, hängt einerseits von der Komplexität des Konflikts ab, andererseits von der Kompromissbereitschaft der Parteien, sagt Zwahlen. Er rechnet im Schnitt mit fünf bis zehn Stunden zu einem Stundenansatz von 250 Franken. Ähnlich klingt es bei Annemarie Lehmann, Mediatorin und Anwältin bei Krneta Gurtner, die mit demselben Ansatz arbeitet: Ihre Klienten benötigen eine bis zwölf Sitzungen, um zu einer Einigung zu gelangen. Ein Mediationsverfahren ist deshalb nicht zwingend günstiger als ein Gerichtsprozess. Berücksichtigt man allerdings alle Kosten – von den Anwaltskosten über Gutachten und das Weiterziehen des Urteils bis hin zum Bundesgericht – sowie die immateriellen Kosten, schneidet das Mediationsverfahren besser ab.

So gut, dass sich manche Anwälte damit ins eigene Fleisch schneiden, würden sie mit Gerichtsverfahren doch wesentlich mehr verdienen. Für Zwahlen ist dies aber auch ein Grund dafür, dass sich die Mediation trotz ihrer unbestrittenen Vorteile noch nicht in dem Mass durchgesetzt hat, wie sie dies verdient. Lehmann sieht auch einen gewissen Obrigkeitsglauben vieler Menschen als Hindernis für die breite Etablierung der Mediation. Hinzu kommt, dass Mediation unbequem ist: Die beiden Parteien müssen sich miteinander auseinandersetzen und können das Problem nicht an ihren Anwalt delegieren. «Allerdings liegt genau hier auch die Stärke der Mediation», sagt Lehmann.

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