Mietkaution: Depot oder Bürgschaft?

Die Schweizer sind bekanntlich ein Volk von Mietern. Rund zwei Drittel der Bevölkerung lebt in einem Mietverhältnis. Die allermeisten leisten dem Vermieter bei Mietantritt eine Sicherheit in Form eines Gelddepots oder einer Bürgschaft. Der Vorteil einer solchen Sicherheitsleistung ist für die Vermieter unbestritten – für Mieterinnen und Mieter haben beide Formen Vor- und Nachteile.

Die Höhe der Sicherheitsleistung richtet sich nach der Höhe des Mietzinses.
Die Höhe der Sicherheitsleistung richtet sich nach der Höhe des Mietzinses.

(stö) Laut Obligationenrecht (OR 257e) darf sich die Mietzinskaution bei Wohnungen höchstens auf den dreifachen Betrag der Bruttomiete belaufen. Die Kaution ist entweder auf ein Sperrkonto einzuzahlen oder in Form einer Bürgschaft zu gewährleisten und dient der Sicherstellung von Mietzinszahlungen und der Deckung von Schäden am Mietobjekt infolge übermässiger Abnützung.

Depot darf bis zu einem Jahr zurückbehalten werden

Bei Beendigung des Mietverhältnisses werden Mietzinsdepots in der Regel nach Abnahme der Wohnung umgehend ausbezahlt bzw. das Sperrkonto vom Vermieter freigegeben, worauf der Mieter sich das Geld überweisen lassen kann. Streng rechtlich darf der Vermieter jedoch das Depot bis maximal ein Jahr nach Beendigung des Mietverhältnisses zurückbehalten, anschliessend hat der Mieter automatisch Anspruch darauf. Der Mieter wiederum darf über die Zinsen verfügen und muss sich an den Kosten zur Kontoführung nur mit maximal 50 Franken im Jahr beteiligen. Höhere Verwaltungsbeiträge gehen zulasten den Vermieter.

Immer beliebter: Bürgschaft statt Depot

Nebst der klassischen Form eines Sperrkontos hat sich in den letzten Jahrzehnten die Bürgschaft etabliert. Hier bezahlt der Mieter keine Depotleistung mehr, sondern der jeweilige Anbieter bürgt für den zwischen Vermieter und Mieter vereinbarten Betrag. Für diese Sicherheit hat der Mieter jährlich eine Prämie zu entrichten. Berechtigte Forderungen des Vermieters werden vom Bürgen ausbezahlt, dieser fordert anschliessend den entsprechenden Betrag vom Mieter zurück.

Schutz für den Vermieter

Da es sich um eine Sicherheitsleistung handelt, ist eine Mietzinskaution – in Form eines Depots oder einer Bürgschaft – transparent und leicht verständlich. Der Vermieter erhält einen Schutz vor ausbleibenden Mietzinszahlungen oder Schäden. Die Höhe der Sicherheitsleistung richtet sich nach der Höhe des Mietzinses, d.h. für günstigere Wohnungen muss eine entsprechend tiefere Depotleistung erbracht bzw. Bürgschaft abgeschlossen werden.

Bürgschaft: Kapital bleibt verfügbar

Der fraglos grosse Vorteil einer Bürgschaft liegt darin, dass nicht ein Betrag in der Höhe mehrerer Monatsmieten aufgebracht werden muss, um die Sicherheit zu leisten. Dies hilft vor allem finanzschwachen Mietern, sich trotz wenig Kapital um eine Wohnung bewerben zu können. Auch fällt eine finanzielle Doppelbelastung weg, falls das Mietzinsdepot von der alten Wohnung noch nicht freigegeben worden und für die neue Wohnung bereits wieder ein Depot fällig ist.

Dem stellen sich auch die Banken nicht entgegen, da das Geschäft mit Mietzinsdepots für sie wenig attraktiv und in Anbetracht der verhältnismässig tiefen Beträge mit hohem administrativem Aufwand verbunden ist.

Mietzinsdepot: Tief verzinst

Der grösste Nachteil für Mieter beim Mietzinsdepot liegt darin, dass ein Teil ihres Kapitals blockiert ist und dies erst noch zu schlechten Zinsen. Dazu kommt – wie bereits erwähnt – eine allfällige Doppelbelastung durch zwei Mietzinsdepots im Falle eines Umzugs. Unter Umständen kann eine solche Belastung die finanziellen Möglichkeiten von Mietern übersteigen.

Bürgschaft: Verhältnismässig hohe Kosten

Bei der Bürgschaft wiederum fallen verhältnismässig hohe Gebühren an. Nicht umsonst rät der Mieterinnen- und Mieterverband jenen, welche die Mittel für eine Kaution nicht aufbringen können, das erforderliche Geld im Familien- oder Freundeskreis auszuleihen. Dem wiederum sollte aber eine Güterabwägung vorangehen, denn wenn es um Geld geht, haben schon viele Freundschaften und Familienbanden ein jähes Ende gefunden.

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