In der Schweiz werden viel mehr Häuser verkauft als vermietet

Kaufen ist zwar langfristig günstiger als mieten. Trotzdem können oder wollen sich nicht alle Wohneigentum leisten. Auf was müssen Sie achten, wenn Sie einen Mietvertrag für ein Einfamilienhaus unterschreiben? Und wo finden Sie überhaupt Häuser, die vermietet werden?

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(rh) Trotz der rekordtiefen Hypothekarzinsen bleibt Wohneigentum für viele Schweizer ein unerschwinglicher Traum, weil sie zu wenig Eigenkapital besitzen und Immobilien zu viel kosten. Laut Fahrländer Partner Raumentwicklung ist der Transaktionspreis für ein neu gebautes Einfamilienhaus mit durchschnittlichem Ausbau seit dem Jahr 2000 um knapp 50 % gestiegen. In einzelnen Regionen wie am Genferseeufer haben sich die Preise sogar mehr als verdoppelt. Ein Trend, der sich in den letzten fünf Jahren beschleunigt und verstärkt hat.

Wer sich kein Wohneigentum leisten kann oder will, weil er beispielsweise einen längeren Auslandaufenthalt plant oder eine Ausbildung beginnt und sich darum nicht binden will, mietet eine Wohnung oder ein Haus. Eine Wohnung mieten ist bei uns gang und gäbe, aber ein Haus? Ein kurzer Blick an auf homegate.ch quantifiziert das Bauchgefühl: 1'146 Häuser sind zu vermieten, aber 14'750 Wohnungen, also knapp 13 Mal mehr. Dafür sind 10'971 Häuser zu verkaufen, also fast zehn Mal so viele als zu vermieten.

Unbedingt einen schriftlichen Mietvertrag abschliessen

Was unterscheidet, ausser der kleineren Auswahl, die Miete eines Hauses von der Miete einer Wohnung? Grundsätzlich nicht viel, mietrechtlich gar nichts. Im Prinzip muss, weder für das Haus noch für die Wohnung, ein Mietvertrag abgeschlossen werden. Ein schriftlicher Vertrag ist aber sehr zu empfehlen und gibt sowohl dem Vermieter als auch dem Mieter mehr Sicherheit. Der Inhalt kann von den Parteien frei vereinbart werden, solange sich der Vertrag zwingend an das Mietrecht hält, das im 8. Titel des Obligationenrechts enthalten ist.

Was gehört in einen Vertrag? Eine detaillierte Beschreibung des Objektes einschliesslich aller Nebenräume wie Garage oder Waschküche. Ausserdem Mietbeginn, Mietdauer (bestimmt oder unbestimmt), Kündigungsbestimmungen, Bruttomietzins beziehungsweise Nettomietzins und Nebenkosten. Dazu allfällige Sicherheitsleistungen und besondere Vereinbarungen. Zurück zur Frage, was einen Mietvertrag für ein Haus von einem Mietvertrag für eine Wohnung unterscheidet: einerseits die Mietdauer, andererseits die besonderen Vereinbarungen.

Auf Details achten und auf Nummer sicher gehen

Eine Mietwohnung ist ein Renditeobjekt und wird meistens unbefristet vermietet. Der Vertrag kann von jeder Vertragspartei auf den nächsten möglichen Kündigungstermin aufgelöst werden, wenn alle vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungsfristen eingehalten werden. Anders ein Haus, das in der Regel einer Privatperson gehört. Oft werden Einfamilienhäuser befristet vermietet, weil der Besitzer sein Haus später wieder selber bewohnen oder einem seiner Kinder überschreiben möchte. Der Mieter weiss also, woran er ist, und kann planen.

In der Rubrik «Besondere Vereinbarungen» ist es sinnvoll, festzuhalten, was zum sogenannt «kleinen Unterhalt» gehört. Laut Gesetz sind kleine Ausbesserungen Sache des Mieters: eine kaputte Sicherung oder einen undichten Duschschlauch ersetzen, einen Rolladengurt oder ein Türschloss reparieren lassen, Schnee und Eis vom Balkon räumen. Wer ein Haus mietet, muss mit mehr rechnen. Deshalb empfiehlt es sich, schriftlich zu vereinbaren, wer was übernimmt. Das schafft klare Verhältnisse und vermeidet unnötige Diskussionen um Geld.

Schwarze Bretter, Stammtisch oder Freunde von Freunden

Weil Häuser häufiger von Privatpersonen als von Anlegern vermietet werden, werden sie gerne an schwarzen Brettern oder in Lokalblättern ausgeschrieben. Schauen Sie sich also alle schwarzen Bretter an und lesen Sie jede Zeitung. Oder halten Sie Augen und Ohren offen: Viele Häuser werden gar nie ausgeschrieben, sondern unter der Hand vermietet, am Stammtisch, im Turnverein, an Freunde, an Freunde von Freunden. Falls Sie online suchen, richten Sie Suchabonnenten ein, die Sie alarmieren, sobald ein Haus auf den Markt kommt.

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