Kinder in Mietwohnungen

Familien sind vor missbräuchlichen Kündigungen geschützt. So ist etwa eine Kündigung wegen eines schreienden Kleinkindes nicht zulässig.

Familien sind vor missbräuchlichen Kündigungen geschützt. So ist etwa eine Kündigung wegen eines schreienden Kleinkindes nicht zulässig.
Familien sind vor missbräuchlichen Kündigungen geschützt. So ist etwa eine Kündigung wegen eines schreienden Kleinkindes nicht zulässig.

(es) Familien in Mietwohnungen haben es häufig schwer: Die Gebäude sind nicht kinderfreundlich errichtet, die Spielmöglichkeiten ungenügend, nörgelnde Nachbarn ein Dauerproblem. Droht wegen Reklamationen vielleicht bald die Kündigung durch den Vermieter?

Nein, sagen Lehre und Rechtsprechung. Familien sind gut vor missbräuchlichen Kündigungen geschützt. Eine Kündigung ist zum Beispiel dann missbräuchlich, wenn sie ausgesprochen wird, weil der Mieter «Ansprüche aus dem Mietverhältnis» geltend macht (Artikel 271a des Obligationenrechts). Zu diesen Ansprüchen aber gehört, dass sich die Kinder in der Wohnung und Umgebung kindgerecht verhalten dürfen. Also auch einmal laut sein in der Mittagspause. Oder im Garten mit ihren Kameraden herumtollen. Und als Kleinkind in der Nacht schreien sowieso. Diese normalen Mietansprüche dürfen auch in Hausordnungen (die übrigens nur verbindlich sind, wenn der Mietvertrag ausdrücklich auf sie verweist) nicht verboten werden.

Genauso unzulässig sind Kündigungen, die den Mietern aufgrund ihrer geänderten Familienverhältnisse ins Haus flattern. Wer als kinderloses Paar Nachwuchs erhält, nach der Trennung als Einelternfamilie weiterlebt oder eine neue Partnerschaft eingeht, verursacht dem Vermieter damit «keine wesentlichen Nachteile» (OR Artikel 271a Buchstabe f). Wichtig ist in jedem Fall, eine missbräuchliche Kündigung innert 30 Tagen bei der örtlichen Schlichtungsstelle schriftlich anzufechten, ansonsten ist dieses Recht verwirkt.

Auch beim Wohnungsauszug sind Familien vor überzogenen Forderungen geschützt: Für normale Abnutzung ist keine Entschädigung fällig. Und diese ist bei Familien eben grösser als im Fall von kinderlosen Mietern. Bei unbestritten übermässiger Abnutzung (wie z. B. einer farbverschmierten Wand) ist zudem die Altersentwertung zu berücksichtigen: Die Entschädigung des Mieters reduziert sich um 10 Prozent pro Jahr bei einer Lebensdauer für Wandanstriche mit einer Lebensdauer von 10 Jahren. Die Lebensdauer von Einrichtungen von Wohn- und Geschäftsräumen kann in der vom Hauseigentümer- und Mieterverband gemeinsam erstellten paritätischen Lebensdauertabelle nachgeschlagen werden.

Zusätzliche Informationen

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