Der «kleine Unterhalt» in Mietwohnungen

Mieter haben eine Sorgfaltspflicht, sie müssen das Mietobjekt also sorgfältig behandeln. Aber wo gewohnt wird, da treten früher oder später auch kleinere oder grössere Mängel auf. Und oft sorgen die Kosten für die Reparatur und Unterhaltsarbeiten für Ärger. Welche Kosten muss der Vermieter, welche der Mieter übernehmen?

Im Rahmen des «kleinen Unterhalts» muss der Mieter kleine Mängel selber beheben und den Ersatz von kleineren Gegenständen selber bezahlen.
Im Rahmen des «kleinen Unterhalts» muss der Mieter kleine Mängel selber beheben und den Ersatz von kleineren Gegenständen selber bezahlen.

(pg) In der Schweiz wird jedes Jahr rund eine halbe Million Mal umgezogen. In den meisten Fällen wechseln Mieterinnen und Mieter ihr Domizil. Wenn nicht bereits während des Wohnens, so werden spätestens zum Umzugstermin kleinere oder grössere Schäden offensichtlich, die beim Gebrauch des Mietobjekts entstanden sind: abgeschlagene Ecken am Türrahmen, lose Schrauben und Verschlüsse, ein Spalt in der Scheibe oder der Klassiker schlechthin - das mit Eingebranntem verzierte Backblech. Wer in diesen Fällen für die Unterhalts- und Reparaturarbeiten aufzukommen hat, ist immer wieder Gegenstand von Streitigkeiten zwischen dem Mieter und dem Vermieter.

Mieter hat Anrecht auf Reparaturen und Unterhalt

Im Prinzip hat der Mieter ein Anrecht auf Reparaturen und Unterhalt des Mietobjektes. Sie gelten als Gegenpflicht des Vermieters für den zu bezahlenden Mietzins. Aber es gibt Ausnahmen. In den Allgemeinen Vertragsbedingungen zu den Mietverträgen heisst es in der Regel: «Der Vermieter ist verpflichtet, das Mietobjekt in gebrauchsfähigem Zustand zu erhalten und Mängel zu beheben. Vorbehalten bleibt die Behebung kleinerer Mängel, die dem Mieter obliegt.» Als Faustregel gilt, dass ein kleiner Mangel vorliegt, wenn eine Behebung nicht mehr als Fr. 100.- bis Fr. 200.- kostet.

Vermieter übernimmt schwere und mittelschwere Mängel

In die Praxis übersetzt heisst das, dass sich der Vermieter um den Schaden kümmern und den Fachmann aufbieten muss, wenn sich zum Beispiel die Tapete von der Wand löst oder der Kühlschrank den Geist aufgibt. Der Mieter muss die Beseitigung des Mangels aber vom Vermieter verlangen, am besten schriftlich.

Die Kostenübernahme durch den Vermieter gilt nur dann, wenn dem Schaden keine Verletzung der Sorgfaltspflicht des Mieters, eine übermässige Abnutzung oder ein Missgeschick zu Grunde liegt. In diesen Fällen muss der Mieter oder dessen Haftpflichtversicherung für die Kosten aufkommen.

Der «kleine Unterhalt»

Während in der Regel also der Vermieter für die grösseren Reparaturen oder den Ersatz von defekten Geräten sorgt, hat der Mieter kleinere Mängel selber zu beheben, und die Reparatur und den Ersatz von kleineren Gegenständen selber zu bezahlen. Dabei spricht man vom sogenannten «kleinen Unterhalt». Er beinhaltet beispielsweise das Anziehen von lockeren Schrauben, das Ölen von Scharnieren, das Ausbessern von Dübellöchern in den Wänden oder das Entstopfen von Abflüssen in Bad und Küche.

Kleinere Gegenstände wie das verschmutzte Backblech, allenfalls defekte Zahngläser oder Seifenschalen, undichte Duschschläuche oder der Filter des Dampfabzuges muss der Mieter ebenfalls auf eigene Kosten ersetzen. Dies gilt auch, wenn man viele Jahre in einer Mietwohnung gewohnt hat und die Lebensdauer der Gegenstände eigentlich abgelaufen ist.

Für Mieter ist es ausserdem wichtig zu wissen, dass sich ihre Pflicht zum «kleinen Unterhalt» auf die Räumlichkeiten beschränkt, die ausschliesslich ihnen zur Verfügung stehen. Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen im Treppenhaus, im Keller oder in der Einstellhalle gehen zu Lasten des Vermieters.

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