Mietwohnungen: Rauchen erlaubt

In der Schweiz kann man in den eigenen bzw. gemieteten Räumen tun und lassen was man will. Dies gilt auch für das Rauchen. Aber: Mitbewohner dürfen sich dadurch nicht eingeschränkt fühlen und für vergilbte Wände und Decken kann der Mieter beim Verlassen der Wohnung haftbar gemacht werden.

Dringt Rauch durch Abluftanlagen in eine andere Wohnung oder durch offen stehende Wohnungstüren in Allgemeinräume wie Treppenhäuser und Fluren, so können die anderen Mieter darauf bestehen, dass die Rauchemissionen eingeschränkt werden.
Dringt Rauch durch Abluftanlagen in eine andere Wohnung oder durch offen stehende Wohnungstüren in Allgemeinräume wie Treppenhäuser und Fluren, so können die anderen Mieter darauf bestehen, dass die Rauchemissionen eingeschränkt werden.

(stö) Mit Ausnahme eines kleinen – nein, nicht gallischen – Dorfes in Kalifornien existiert weltweit kein Rauchverbot für Mietwohnungen. Dies gilt auch für die Schweiz, und zwar selbst wenn der Mietvertrag ausdrücklich vorsieht, dass in einer Mietwohnung nicht geraucht werden darf. Die persönliche Freiheit, in den gemieteten vier Wänden hat in jedem Fall Vorrang und der Vermieter kann selbst ein schriftlich vereinbartes Rauchverbot nicht geltend machen.

Kein Freipass fürs Paffen

Allerdings ist die gesetzliche Regelung, wonach dem Mieter die Mietsache zu seiner freien Verfügung überlassen wird, wiederum auch kein Freipass für zügelloses Paffen. Im Grundsatz gilt: Die Atemluft der Nachbarn darf durch rauchende Zeitgenossen nicht vernebelt werden. Dringt Rauch durch Abluftanlagen in eine andere Wohnung oder durch offen stehende Wohnungstüren in Allgemeinräume wie Treppenhäuser und Fluren, so können die anderen Mieter darauf bestehen, dass die Rauchemissionen eingeschränkt werden. In gemeinsam genutzten Räumen sollte ein Rauchverzicht zudem ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein.

Rauchen auf dem Balkon: Ja, aber…

Gleiches gilt für den Balkon: An und für sich zählt der Balkon, auf den sich immer mehr Raucher zwecks Schonung ihrer eigenen Wohnung verziehen, zwar zu den «eigenen vier Wänden». Die Nachbarn haben aber gleichwohl ein Anrecht auf Schonung ihrer Nerven und Lungen. Sind Mitmieter dauerndem Rauch von Balkonen ausgesetzt oder beispielsweise gezwungen, auch im Sommer nachtsüber die Fenster zu schliessen, um ihre eigene Wohnung rauchfrei zu halten, so haben die rauchenden Mieter darauf Rücksicht zu nehmen. Möglicherweise kann eine andere «Raucherecke» auf dem Balkon die Situation bereits entschärfen. Ist die Belästigung der Nachbarn nachtsüber aber erheblich, so lässt sich ein nächtliches Rauchverbot auf dem Balkon, z.B. von 23 bis 7 Uhr, vertreten und durchsetzen.

Nikotinschäden gelten als übermässige Abnützung

In den eigenen vier Wänden schalten und walten wie man will, heisst jedoch nicht, dass man als Mieter nicht für Nikotinschäden an Wänden und Decken aufkommen muss. Im Gegenteil: Gelb-bräunliche Verfärbungen gelten mietrechtlich als übermässige Beanspruchung und dürfen vom Vermieter beim Auszug der Mieter geltend gemacht werden. Und obwohl Nikotin chemisch wasserlöslich ist, bedingt die Entfernung von Nikotinrückständen und der Neuanstrich von Wänden und Decken zusätzliche Arbeitsschritte im Vergleich zu normalen Neuanstrichen. Und das kann ins Geld gehen.

Rücksichtnahme erforderlich

Fazit: Wer auf Glimmstengel, Zigarren oder Tabakpfeifen nicht verzichten kann, dem kann dieses Hobby oder Laster in einer Mietwohnung nicht verboten werden. Grosse Rücksichtnahme auf die Nichtraucher ist aber unabdingbar, sonst bleibt‘s am Ende doch nicht nur beim Rauchverbot in jenem kleinen kalifornischen Dorf.

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